Ex-Kanzler verhielt sich bizarr

War Schröder damals betrunken? ZDF-Moderator verrät Details über Krawall-Auftritt

+
Die so genannte Elefantenrunde nach der Bundestagswahl 2005 (v.l.): Edmund Stoiber (CSU), Guido Westerwelle (FDP), Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU), die Chefredakteure von ZDF und ARD, Nikolaus Brender, Hartmann von der Tann, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Außenminister Joschka Fischer (Die Grünen) und Lothar Bisky (Die Linke). 

Gerhard Schröders bizarrer Auftritt bei der Elefantenrunde 2005 ist legendär. Jetzt erinnert sich ZDF-Moderator Brender an den kuriosen Abend - und erklärt, dass auch Merkel ihn mit ihrem Verhalten irritierte.

Tatsächlich, es gibt eine Zeit, bevor Angela Merkel Bundeskanzlerin war. Gerhard Schröder (SPD) war da an der Macht - und zum Abschied hinterließ er einen Meilenstein der deutschen TV-Geschichte. Bei der so genannten Elefantenrunde am Abend der Bundestagswahl 2005 - dem Tag seiner Abwahl - benahm er sich derartig daneben, dass viele sich heute noch gut daran erinnern.

Schröders Abgang war geschichtsträchtig: Laut, polternd, arrogant, fast schon aggressiv trat er in der „Berliner Runde“ auf, bei der die Spitzenkandidaten der Parteien zusammen saßen. Von Anfang an war Schröder auf Krawall gebürstet - schon allein, dass nicht ihm, sondern seiner Herausforderin Angela Merkel die erste Frage gestellt wurde, ärgerte ihn maßlos. Arrogant und aufgeputscht redete er sich während des Polit-Talks dann in Rage und drehte sich seine eigene Wahrheit zurecht. Schröder sah sich als klarer Wahlsieger und weiterer Kanzler - obwohl Angela Merkel laut Hochrechnungen einen Vorsprung hatte. Den Moderatoren und Merkel gegenüber verhielt er sich überheblich und beleidigend.

Stand Schröder unter Alkoholeinfluss?

Bundeskanzler Gerhard Schröder sitzt vor dem Beginn der "Berliner Runde" nach der Bundestagswahl am 2005 lachend in seinem Stuhl.

Millionen Menschen verfolgten Schröders kuriosen TV-Auftritt damals. Und viele fragten sich anschließend: Was war los mit Schröder? War er Betrunken? 

Moderiert wurde die Runde damals von Nikolaus Brender und Hartmann von der Tann. In einem Gastbeitrag für das politische Magazin Cicero erinnert sich Brender nun an die legendären TV-Moment. Und: Er geht dabei auch auf die Gerüchte ein, dass Schröder wegen seines Alkoholkonsums ausfällig wurde: „Hartmann von der Tann und ich hatten nicht den Eindruck, dass es der Alkohol war, der Schröder an diesem Abend in einen Kriegselefanten verwandelte“, schreibt Brender. „Es war das ausgebrochene Ego, das den Kanzler aufputschte und seine Attacken gegen die Kanzlerkandidatin Merkel, gegen die Moderatoren und gegen die Realitäten des Wahlergebnisses reiten ließ.“

Auch Angela Merkel verhielt sich merkwürdig

Brender erinnert sich, dass Schröder damals auffällig pünktlich im Studio gewesen sei - für ihn ein Zeichen dafür, dass er es gar nicht erwarten konnte, loszupoltern. 

Bundeskanzler Gerhard Schröder und die Kanzlerkandidatin der CDU, Angela Merkel, am 18.09.2005 in Berlin beim Eintreffen zur Fernsehübertragung der "Elefantenrunde".

Aber auch Angela Merkel gab Brender an diesem Abend Rätsel auf. Das Studio habe sie damals „mit einem versteinertem Gesicht“ betreten, Schröder und Joschka Fischer habe sie erst mit Verspätung begrüßt, dann sei sie „wie in Trance“ zu ihrem Platz gegangen.  

Während des Talks habe Merkel dann teils wie „benebelt“ gewirkt. Für sie waren das Wahlergebnis ein herber Schlag, denn Prognosen hatten sie weit vor Schröder gesehen. In den ersten Hochrechnungen lagen dann CDU und SPD gleichauf bei rund 35 Prozent. Doch am Ende war sie es, die triumphieren konnte: Sie wurde Kanzlerin einer großen Koalition mit Schröders SPD - und ist es heute noch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare