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Über Ukraine und „Einmarsch in Syrien“: Erdogan will mit Putin sprechen

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Von: Stefan Krieger

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Im Mittelpunkt der Gespräche zwischen Wladimir Putin und seinem türkischen Amtskollegen Erdogan dürfte der Ukraine-Krieg und die Lage in Syrien stehen.

Sotschi – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reist am heutigen Freitag (5. August) zu einem Gespräch mit Kreml-Chef Wladimir Putin nach Russland. Putin empfängt Erdogan in Sotschi am Schwarzen Meer. Es ist das zweite Treffen der beiden Staatschefs seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar. Erdogan hat sich schon mehrfach als Vermittler zwischen Moskau und Kiew angeboten.

Erdogan und Putin hatten sich zuletzt Mitte Juli in Teheran getroffen. Drei Tage später unterzeichneten Moskau, Kiew, Ankara und die UNO ein Abkommen, um wieder ukrainische Getreide-Exporte über das Schwarze Meer zu ermöglichen. Am vergangenen Montag lief dann ein erstes mit Mais beladenes Schiff aus dem Hafen von Odessa aus. Weitere Schiffe sollen folgen. Wegen des Krieges waren in den vergangenen Monaten alle Getreide-Exporte der Ukraine aus ihren Schwarzmeer-Häfen blockiert.

Erdogan trifft Putin
Putin und Erdogan bei ihrem jüngsten Treffen in Irans Hauptstadt Teheran. © Sergei Savostyanov/dpa

Erdogan verbucht die Wiederaufnahme der Getreidelieferungen als eigenen diplomatischen Erfolg. Die Beendigung des Ukraine-Krieges und der Konflikt in Syrien werden voraussichtlich die Gespräche zwischen Putin und seinem türkischen Amtskollegen dominieren.

Putin und Erdogan: Moskau gegen türkische Offensive in Syrien

Doch das Verhältnis der Gesprächspartner ist nicht ohne Spannungen. Putin teilte dem türkischen Staatschef letzten Monat in Teheran mit, dass Russland weiterhin gegen jede neue Offensive ist, die die Türkei gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien plant.

Analysten sind der Ansicht, dass diese Spannungen Teil der „wettbewerbsorientierten Zusammenarbeit“ sind, die das Verhältnis der beiden Führer in den letzten 20 Jahren geprägt hat, schreibt das Portal themoscowtimes. „Russlands Krieg gegen die Ukraine hat das Selbstbild der Türkei als wichtigen geopolitischen Akteur wiederhergestellt. Die Rolle Erdogans ist jetzt bedeutender als je zuvor in den letzten Jahren“, wird Asli Aydintasbas, Mitarbeiterin des European Council of Foreign Relations, dort zitiert. „Die meisten Türken unterstützen den Balanceakt ihres Landes und seine quasi neutrale Position zwischen dem Westen und Russland.“

Putin und Erdogan: „Gewisse Meinungsverschiedenheiten“

Wladimir Putin sagte gegenüber russischen Medien in Teheran, er habe noch immer „gewisse Meinungsverschiedenheiten“ mit Erdogan wegen Syrien. „Höchstwahrscheinlich hat das Treffen etwas mit einem möglichen Einmarsch in Syrien zu tun, für den die Türkei kein grünes Licht von Russland – und auch nicht vom Iran – bekommen hat“, sagte die Analystin für Außenpolitik, Soli Ozel von der Istanbuler Has-Universität.

Sollte es bei den Gesprächen auch um den Ukraine-Krieg gehen, dürfte es schwierig für Erdogan werden, wieder einen diplomatischen Erfolg für sich zu verbuchen. „Russland müsste dafür im Gegenzug schon etwas bekommen“, so die Einschätzung von Soli Ozel. (skr/afp)

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