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„Verharmlosende Klischees“? Ravensburger Verlag stoppt Winnetou-Kinderbuch und entfacht Diskussion

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Der Ravensburger Verlag stoppt die Auslieferung eines Winnetou-Kinderbuches, nun entfacht eine Diskussion. Auslöser für die Entscheidung war massive Kritik an dem Werk.

Ravensburg - Ein Rückzieher des Ravensburger Verlages bei einem Winnetou-Kinderbuch sorgt für Diskussionen. Wie ein Unternehmenssprecher am Montag bestätigte, wurde die Auslieferung des Buchs aufgrund „verharmlosender Klischees“ über die Behandlung der indigenen Bevölkerung in dem Werk bereits gestoppt. Zuvor hatte der Verlag den Schritt in einem Onlinenetzwerk angekündigt und mit „den vielen negativen Rückmeldungen“ zu dem Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ begründet. Mehrere Medien berichteten darüber.

Bei den gestoppten Artikeln handelt es sich den Angaben zufolge um Lizenztitel - ein Kinderbuch ab acht Jahren, ein Erstleserbuch, ein Puzzle sowie ein Stickerbuch.

Ravensburger Verlag stoppt Winnetou-Kinderbuch wegen „verharmlosender Klischees“

Der Verlag habe „sorgfältig abgewogen“ und entschieden, die Titel aus dem Programm zu nehmen, erklärte ein Sprecher des Verlags gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Ravensburger sei „zu der Überzeugung gelangt, dass angesichts der geschichtlichen Wirklichkeit, der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, hier ein romantisierendes Bild mit vielen Klischees gezeichnet wird“. Der Stoff um Winnetou habe „viele Menschen begeistert“, sei aber „weit entfernt von dem, wie es der indigenen Bevölkerung tatsächlich erging“. Der Verlag wolle daher „keine verharmlosenden Klischees wiederholen und verbreiten“.

Die Veröffentlichung des Kinderbuches zu dem gleichnamigen Kinofilm hatte im Internet erhebliche Kritik ausgelöst. Das Feedback habe gezeigt, dass „wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben“, erklärte der Verlag bereits vor einigen Tagen auf Instagram. „Das war nie unsere Absicht“, erklärte Ravensburger weiter und entschuldigte sich „ausdrücklich“.

Diskussion um Winnetou-Kinderbuch: Kritik an rassistischen Stereotypen

Ein Kritikpunkt von Internetnutzern bezog sich den Berichten zufolge darauf, dass in dem Buch rassistische Stereotype wiedergegeben würden. Auch unter dem Hashtag #winnetou gaben Nutzer Kommentare ab, wobei zahlreiche Teilnehmer Unverständnis über die Entscheidung des Verlags äußerten.

Der Karl-May-Experte Andreas Brenne hält das Winnetou-Buch für unbedenklich und kritisierte die Entscheidung des Verlags. „Ich halte es für nicht richtig, ein solches Buch nur aufgrund eines Shitstorms aus dem Verkehr zu ziehen“, sagte der Kunstpädagogikprofessor der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Schon in einer Vorbemerkung werde klargestellt, dass das Buch als fiktive Geschichte und nicht als sachgerechte Darstellung des Lebens indigener Völker zu verstehen sei. Brenne warnte davor, den Vorwurf der falschen kulturellen Aneignung unreflektiert zu generalisieren. „Schon das Verkleiden als Indianer gilt dann als rassistischer Akt“, erklärte Brenne, der in der Karl-May-Gesellschaft an Programmfragen mitarbeitet.

Winnetou-Film erhielt Prädikat besonders wertvoll

Zuvor hatte auch die von den Bundesländern getragene Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW), die Filme auf ihre Qualität hin begutachtet, eine gespaltene Meinung zu dem Film „Der junge Häuptling Winnetou“ veröffentlicht. Einige Jurymitglieder halten es demnach heute für nicht mehr zulässig, einen Film „im Geist der mythisch aufgeladenen und sehr klischeehaft darstellenden Karl-May-‘Folklore‘ zu realisieren“.

Bei einer großen Mehrheit der Jury fand der Film den Angaben der FBW zufolge aber Zustimmung. Sie verwiesen darauf, dass Karl May seine Erzählungen aus seiner Fantasie geschrieben habe, auch die Verfilmungen in den 60er Jahren seien Märchen, welche die Welt der indigenen Völker „im absolut klischeehaften Bild darstellten“. Dies in einen Kinderfilm von heute märchenhaft einzubringen, sei durchaus legitim, befanden die Jury-Mitglieder. Der Film erhielt letztlich das Prädikat besonders wertvoll.

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