Gefahr im Herbst: Jedes Jahr mehr als 270.000 Wildunfälle

Totes Reh mit Warnweste! Dieser Wildunfall lässt viele Fragen offen

  • Dominik Jahn
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Die Polizei staunt: Beamte finden ein totes Reh auf der Straße - mit Warnweste. Eher nicht so gut! Doch was tun bei einem Wildunfall? Infos: Wo melden, wer den Schaden zahlt!

Dieser Anblick brachte selbst erfahrene Polizisten zum Staunen. In der Nacht zum Montag fanden die Beamten in der hessischen Gemeinde Fischbachtal-Niedernhausen ein totes Reh auf der Straße. Das Tier hatte zur Überraschung aller Beteiligten eine Warnweste an. Vor Ort waren zudem einige Fahrzeugteile zu finden. Ein Unfallfahrer und sein Auto fehlten jedoch.

Es ist eine etwas bizarre Art und Weise mit einem Wildunfall umzugehen. Der Autofahrer legte wohl zur Absicherung die Warnweste über das tote Reh. Im Grunde fehlte nur noch das Warndreieck! Doch korrekt ist dieses Vorgehen natürlich nicht. Doch wie geht‘s richtig? Was muss man tun, wenn es zu einem Zusammenstoß mit einem Wildtier kommt?

Der Herbst hat es in sich: Wildunfälle als tödliche Gefahr

Gerade jetzt lauern viele Gefahren - es gibt mindestens sechs Gründe, warum der Herbst eine tödliche Jahreszeit ist. Einer davon ist der Wildwechsel. Wie der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) schreibt, machen Zusammenstöße mit einem Tier etwa fünf Prozent aller Straßenverkehrsunfälle aus.

Jedes Jahr meldet das Statistische Bundesamt mehr als 270.000 Wildunfälle. Im vergangenen Jahr kamen bei diesen Unfällen 2.500 Menschen zu Schaden - für 20 Personen endete es sogar tödlich. Wildtiere kommen dabei laut Angaben des Deutschen Jagdverbandes pro Jahr mehr als eine Million ums Leben.

Wildunfall und nun? Darauf sollte man unbedingt achten

Doch wie verhalte ich mich richtig wenn‘s gekracht hat? Warnweste auf Tier und Warndreieck davorstellen kommen eher nicht in Frage. Der ADAC hat hierzu sieben Tipps veröffentlicht:

  • Man sollte nach dem Wildunfall sofort die Warnblinkanlage einschalten. Die Warnweste anziehen (nicht dem Tier überlegen) und die Unfallstelle absichern. Das gilt auch, wenn das Tier verletzt geflüchtet ist.
  • Sollten Personen verletzt sein: Die 112 wählen und unbedingt Erste Hilfe leisten.
  • Sollte es in der Situation möglich sein, dann das tote Tier an den Randstreifen ziehen, um weitere Unfälle zu verhindern. WICHTIG: Wegen eventueller Parasiten oder Krankheiten aber nicht mit bloßen Händen anfassen.
  • Die Polizei muss immer - auch ohne Verletzte - über die 110 verständigt werden. Entscheidend ist dabei der Standort. Zusätzlich muss in einigen Bundesländern auch noch ein Jäger über den Wildunfall informiert werden. Der Jäger sollte ihnen dann eine Wildschadenbescheinigung ausstellen.
  • Sollte das Tier nicht tot, sondern verletzt sein - nicht anfassen! Sie könnten sich wehren.
  • Immer vor Ort warten, bis Polizei und Jäger an der Stelle des Wildunfalls eintreffen.

WICHTIG: Das angefahrene Wild darf vom Unfallort nicht entfernt werden, sonst droht eine Anzeige wegen Wilderei. Das kann eine Strafe nach sich ziehen.

Schaden am Auto nach Wildunfall: Welche Versicherung jetzt greift

Ein Wildunfall hat meist auch heftige Folgen für das eigene Auto. Ein Totalschaden ist keine Seltenheit. Wer zahlt den Schaden? Bekomme ich überhaupt etwas? Schäden können laut ADAC über „eine  Teil- oder Vollkaskoversicherung reguliert werden“. Demnach übernimmt eine Teilkasko Schäden „am fahrenden Fahrzeug, die durch einen Zusammenstoß mit Haarwild (Wildschein, Reh, Hirsch, Fuchs, Hase) entstanden sind“.

Kann man nicht nachweisen, dass der entstandene Schaden von einem Wildunfall stammt „oder infolge von Ausweich- oder Bremsmanövern entstanden ist, kann dieser über die Vollkaskoversicherung reguliert werden“. Die Folge: Wer die Vollkasko in Anspruch nimmt, muss mit einer „Rückstufung in eine ungünstigere Schadenfreiheitsklasse“ rechnen.

Wildunfall verhindert: Darum wird‘s jetzt oft schwer mit Schadenersatz

Wer den Wildunfall verhindert hat und dabei sein Auto beschädigt, der hat‘s deutlich schwerer, an eine Entschädigung zu kommen. Es ist oft schwer, das Ausweichmanöver nachzuweisen - Zeugen fehlen dabei meist. Es besteht die Hoffnung auf einen „Aufwendungsersatz („Rettungskosten“) von der Teilkaskoversicherung“.

Ohne jegliche Chance ist man bei dem Versuch, nach einem Wildunfall Schadenersatzansprüche gegen den Jagdpächter oder Waldbesitzer zu erheben. Wie der ADAC erklärt, ist Wild „im juristischen Sinne eine herrenlose Sache“. ABER: „Vor besonderen Gefahren wie etwa Wildwechselstellen oder Gegenden mit hoher Wilddichte muss das Verkehrszeichen „Wildwechsel„ angebracht sein. Fehlt der Hinweis auf die Gefahrenstelle, besteht prinzipiell die Chance, dass die zuständige Straßenbehörde für den Wildschaden aufkommt“.

Rubriklistenbild: © Polizei/dpa

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