Länder haben bei Corona zu langsam reagiert

WHO-Experten: Corona-Pandemie „hätte verhindert werden können“

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Die Corona-Pandemie „hätte verhindert werden können“ — zu diesem Schluss kamen nun unabhängige Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Es wurde zu spät reagiert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im vergangenen Jahr zu langsam auf erste Alarmzeichen einer weltweiten Gesundheitsbedrohung reagiert — zu diesem Schluss ist nun eine von der WHO bestellte unabhängige Expertenkommission gekommen. Auch die meisten Regierungen kommen in einem am Mittwoch in Genf veröffentlichten Bericht der WHO nicht gut weg, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet: Viele Länder hätten den kompletten Februar 2020 vertrödelt, statt Vorkehrungen gegen die weltweite Ausbreitung des Coronavirus zu treffen.

Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass das System, wie es zurzeit besteht, nicht dazu geeignet ist zu verhindern, dass sich mit einem neuen und hochansteckenden Erreger, der jeden Augenblick auftauchen könnte, eine Pandemie entwickelt,

Bericht der unabhängigen Expertenkommission der WHO.

China hatte bereits Ende Dezember 2019 über die Häufung einer unbekannten Lungenkrankheit in Wuhan berichtet. Die WHO erklärte erst am 30. Januar, über einen Monat später, eine „Notlage von internationaler Tragweite“, die höchstmögliche Alarmstufe. Erst dadurch sind Länder zum Handeln verpflichtet und müssen Vorkehrungen treffen.

Die Corona-Pandemie

Insgesamt haben sich weltweit 160 Millionen Menschen bereits mit dem Coronavirus infiziert. Davon sind rund 95,9 Millionen Menschen wieder genesen, allerdings bedeutet das nicht, dass diese Personen keine Langzeitfolgen davon tragen. Insgesamt 3,33 Millionen Menschen sind weltweit bereits im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben (Stand: 13. Mai). Experten gehen von einer großen Dunkelziffer aus.

Von einer weltweiten „Pandemie“ sprach die WHO erst am 11. März 2020. Das hat nach den WHO-Gesundheitsvorschriften anders als die Erklärung der „Notlage“ zwar eigentlich keine Konsequenzen. Im Rückblick war das aber erst der psychologisch notwendige Schub, um Regierungen in die richtige Alarmbereitschaft zu versetzen.

Corona-Pandemie „hätte verhindert werden können“ — Experten raten härter durchzugreifen

Um die Corona-Pandemie fortan effektiver zu bekämpfen, stellen die Experten drei Forderungen auf: Erstens sollen reiche Länder mit genügend Impfstoff bis September zusammen eine Milliarde Impfdosen für 92 ärmere Länder zur Verfügung stellen. Zweitens sollen Pharmafirmen freiwillig mehr Lizenzen zur Impfstoffherstellung herausgeben. Wenn die Produktion damit in den nächsten drei Monaten nicht angekurbelt wird, soll unmittelbar eine Aufhebung der Patente in Kraft treten.

Drittens sollen die reichsten Länder (G7) sofort 60 Prozent der fehlenden 19 Milliarden Dollar für das Programm ACT Accelerator bereitstellen, das die Erforschung und globale Verteilung von Impfstoffen, Medikamenten und Tests organisieren soll. Die WHO-Mitgliedsländer hatte die Expertenkommission 2020 unter Leitung der früheren Regierungschefinnen Helen Clark aus Neuseeland und Ellen Johnson Sirleaf aus Liberia einberufen. Sie sollte Erfahrungen aus dem Umgang mit der Pandemie zusammentragen und Vorschläge für Verbesserungen machen.

Um auf neue Pandemien künftig besser vorbereitet zu sein, schlägt die Kommission unter anderem einen Rat für Globale Gesundheitsbedrohungen vor. Mitglieder sollen Staats- und Regierungschefs sein, die das Thema Pandemievorbereitung weltweit im Blick behalten.

Ein neues globales Überwachungssystem von Krankheiten soll der WHO die Möglichkeit geben, bei Bedarf sofort und ohne Rücksprache mit betroffenen Ländern Alarm zu schlagen. Der WHO wird vorgeworfen, zu Anfang der Pandemie zu sehr auf China gehört zu haben, das die Schwere der Bedrohung heruntergespielt hatte.

Statt bei der Erforschung etwa von Impfstoffen und Medikamenten auf Marktkräfte zu vertrauen sei ein Programm nötig, das globale öffentliche Güter schafft, zu denen alle Länder Zugang haben. Schließlich schlägt die Kommission einen Pandemie-Fonds vor, der pro Jahr fünf bis zehn Milliarden Dollar (bis 8,2 Milliarden Euro) einsammelt, um Vorkehrungen gegen eine neue Pandemie zu finanzieren.

Rubriklistenbild: © Peter Klaunzer

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