Datenmissbrauch

WhatsApp und Clubhouse: Warnung von Datenschützern: Das passiert mit Nutzerdaten

  • Lisa Klein
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Schon seit Jahren warnen Datenschützer vor Sicherheitslücken und Datenmissbrauch bei WhatsApp und Facebook, nun auch bei Clubhouse. Doch was passiert eigentlich mit den Nutzerdaten?

  • Um die neue App Clubhouse ist in Deutschland ein richtiger Hype entstanden.
  • Datenschützer warnen vor einem möglichen Datenmissbrauch durch die neue App. Aber auch WhatsApp steht in puncto Datensicherheit erneut in der Diskussion. Welche Daten werden durch Clubhouse und WhatsApp gesammelt?
  • Was passiert eigentlich mit den gesammelten Nutzerdaten?

Um die neue Audio-Only-App Clubhouse ist in Deutschland ein totaler Hype entstanden. Doch schon kurz nachdem die App in Deutschland verfügbar war, haben Datenschützer vor einem möglichen Datenmissbrauch gewarnt. Denn wer die App nutzen will, muss seine Handynummer angeben. Und wer Freunde einladen will, muss der App zudem noch Zugriff auf seine Kontakte gewähren. Dazu kommt der uneingeschränkte Zugriff auf die eigenen Fotos für ein Profilbild sowie auf das Mikrofon, um das Sprechen und eine Beteiligung an Diskussionen zu ermöglichen. Doch was passiert eigentlich mit den gesammelten Daten?

Was ist eigentlich Clubhouse?

Für alle, an denen der Trend bisher vorbeigegangen ist und die sich gerade fragen: Was ist Clubhouse eigentlich? – hier eine Kurzfassung: Clubhouse ist eine Audio-Only-App, die derzeit nur Apple-Nutzern zur Verfügung steht. Wer die App nutzen möchte, braucht zuallererst eine Einladung von einem bereits vorhandenen Mitglied.

Die App an sich ist schlicht gehalten: kein Feed, keine Chatrooms, Video-Auftritte. Dafür gibt es verschiedene Räume, die jeder eröffnen und weitere Personen eintreten lassen kann, in denen wie bei einer Telefonkonferenz miteinander gesprochen werden kann. Das spannende: Solche Räume können sowohl mit beliebig vielen Freunden eröffnet werden, aber auch mit Fremden aus der ganzen Welt. So können interessante Gesprächsrunden zu allen möglichen Themen entstehen.

Mehr als Ton gibt es in der App kaum, daher auch die Bezeichnung Audio-Only. Zudem können Gespräche zwar geplant werden, finden allerdings immer live statt und können nicht nachträglich noch mal angehört werden.

Die neue Datenschutzerklärung von WhatsApp: Angst um Datenmissbrauch

Auch bei WhatsApp warnen Datenschützer bereits seit Jahren vor Sicherheitslücken und Datenmissbrauch. Vor allem, seit WhatsApp von Facebook aufgekauft wurde. Nun steht WhatsApp erneut in der Kritik aufgrund einer neuen geplanten Datenschutzregel. Das Problem: WhatsApp hat nicht klar kommuniziert, was genau sich in Zukunft ändert, ob und auf welche Weise weitere Daten gesammelt werden. Viele Nutzer haben an dieser Stelle einen Datenmissbrauch gewittert.

Daraufhin hat WhatsApp vorerst die Einführung der neuen Datenschutzregelung um drei Monate verschoben: Statt bis zum 8. Februar haben Nutzer nun bis zum 15. Mai Zeit, um der neuen Datenschutzrichtlinie zuzustimmen. Tatsächlich ändert sich nicht sehr viel durch die neuen Datenschutzbestimmungen. Es sollen Daten bezüglich des Nutzungsverhältnisses – wann eine Person das letzte Mal online war und Informationen über die Gerätekennung – also welches Smartphone genutzt wird, übermittelt werden. Diese Informationen werden allerdings nicht an Facebook weitergegeben.

Welche Daten sammelt WhatsApp und was passiert mit den Daten?

WhatsApp sammelt generell alle Daten, die der Nutzer beim Starten der App selbst angeben muss: Name, Telefonnummer, Geburtsdatum, Status und das Profilbild. Allerdings werden auch Daten aus dem Telefonbuch, Fotos und Bewegungsdaten übertragen.

Persönliche Nachrichten speichert WhatsApp laut eigenen Aussagen nicht, es sei denn, eine Nachricht kann nicht zugestellt werden, dann wird sie auf dem Server zwischengespeichert. Damit niemand sonst Eure Nachrichten lesen kann, nutzt WhatsApp die sogenannte End-to-End-Verschlüsselung.

Mit der Übernahme durch Facebook im Jahr 2014 hat WhatsApp seine alte Datenschutzregelung geändert und zudem damit begonnen, verknüpfte Telefonnummern und andere Account-Informationen mit Facebook zu teilen. Facebook kann dadurch die geteilten Daten dazu benutzen, die eigenen Benutzer-Profile um weitere Informationen zu ergänzen.

Welche Daten sammelt Clubhouse und was passiert mit den Nutzerdaten?

Was genau mit den Nutzerdaten bei Clubhouse passiert, erklärt Jörg Breithut in einem Video der Stuttgarter Zeitung: „Vor allem kritisch betrachtet wird, dass das Adressbuch gescannt wird. Sobald man Freunde oder Bekannte zur App einladen will, ist man verpflichtend, sein Adressbuch freizugeben. Also seine kompletten Daten, die man auf dem Telefon gespeichert hat, was natürlich sehr kritisch ist.“

Es werden dabei nämlich nicht nur die Nummern und die Namen von den ausgewählten Freunden, die man einladen möchte, an Clubhouse übertragen, sondern auch alle anderen Kontakte sowie abgespeicherte Adressen, Geburtstage und Anrufbilder. „Datenschützer kritisieren, dass dadurch auch Schattenprofile angelegt werden können. Das heißt, auch Nutzer, die überhaupt nichts mit dieser App zu tun haben, werden dort angelegt. inklusive Namen sowie Telefonnummer.“

Des Weiteren werden alle Gespräche innerhalb der App aufgezeichnet, sodass ein Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinien von Clubhouse auch im Nachhinein noch nachgewiesen werden kann. Allerdings kann ein Außenstehender nie genau sagen, was wirklich mit diesen Aufzeichnungen innerhalb des Unternehmens passiert.

Datenklau durch WhatsApp, Facebook, Clubhouse und Co.: Das sagt die DSGVO

Generell gibt es in Europa klare Regeln bezüglich des Erhebens von Nutzerdaten. In der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurde festgelegt, dass EU-Bürger jederzeit die Kontrolle über ihre Daten behalten müssen. In der Praxis sieht das allerdings anders aus.

Eine Strategie von Firmen ist, die Datenkontrolle der User mithilfe von komplizierten Formulieren, Formularen oder bürokratischem Aufwand zu verhindern. Dazu kommt, dass, wer den Apps bestimmte Zugriffe verweigert, die App überhaupt nicht mehr nutzen kann. Oftmals besteht keine Möglichkeit für Nutzer, einen eingeschränkten Zugriff zu erlauben – nach dem Motto: ganz oder gar nicht. Viele nehmen dadurch das Erheben von Nutzerdaten und möglichen Datenmissbrauch in Kauf, um durch die App nicht ausgeschlossen zu werden. Alternativen zu WhatsApp als Kommunikationsmittel setzen sich nur schwer durch.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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