Kopfschmerz-Wetter

Wetterumschwung und Kopfschmerzen: Das hilft bei Wetterfühligkeit

  • Lisa Klein
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Viele kennen es: Das Wetter schlägt um und Kopfschmerzen, Migräne sowie Kreislaufprobleme bahnen sich an. Doch warum ist das so? Und was hilft bei Kopfschmerz-Wetter?

Die einen kennen es zur Genüge, die anderen sind eher selten davon betroffen und manche können es überhaupt nicht nachvollziehen: Wetterfühligkeit. Schlägt das Wetter um, bahnen sich bei vielen Kopfschmerzen, Migräne sowie Kreislaufprobleme an. Doch warum reagiert unser Körper manchmal so heftig auf das Wetter und was hilft dagegen?

Kopfschmerzen, schlechter Schlaf, Schwindel und allgemeine Abgeschlagenheit: Diese Symptome können nachweislich vom Wetter ausgelöst werden. Viele Menschen bezeichnen sich selbst als wetterfühlig – und das ist keine Einbildung, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. „Es ist eindeutig nachgewiesen, dass Wetterfühligkeit existiert“, betont Prof. Angela Schuh, Leiterin des Fachbereichs für Medizinische Klimatologie, Kurortmedizin und Prävention an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Knapp die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland leidet darunter.“

Wetterumschwung bedeutet oft Kopfschmerzen und Schwindel: Warum ist das so?

Vor allem ein Wetterumschwung kann wetterfühlige Personen aus dem Gleichgewicht bringen und neben Schwindel oder Kopfschmerzen auch zu gereizter Stimmung, Konzentrationsstörungen und Nervosität führen. „Die meisten Symptome der Wetterfühligkeit zeigen sich bei Tiefdruckgebieten“, erklärt Andreas Matzarakis, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Durch Hochdruckgebiete treten in der Regel die wenigsten Beschwerden auf – es sei denn, sie bringen im Sommer starke Hitze mit sich, so wie in den kommenden Wochen.

Laut einer Studie ist nach Stress, Hormonschwankungen und fehlenden Mahlzeiten das Wetter auf dem vierten Platz der am häufigsten beobachteten, subjektiven Trigger für Migräne-Anfälle, wie auf der Seite „Leben & Migräne“ von dem Biotechnologie- und Pharmaunternehmen Novartis Pharma GmbH berichtet wird. Neben Luftdruckänderungen durch Tief- und Hochdruckgebiete sind auch ein Anstieg oder Abfall der Durchschnittstemperatur von fünf Grad innerhalb eines Tages sowie Föhnwetterlagen mögliche Auslöser für Migräne.

Wetterfühligkeit: Die möglichen Ursachen und Unterschiede

Doch nicht jeder, der Auswirkungen des Wetters in seinem Körper spürt, ist unbedingt wetterfühlig. „Wir unterteilen Menschen in verschiedene Gruppen“, erklärt Prof. Matzarakis vom DWD. „Wetterreagierend sind wir eigentlich alle. Wenn die Sonne scheint, freuen wir uns. Wenn es drei Tage hintereinander regnet, schlägt das auf die Stimmung.“

Bei wetterfühligen Menschen reagiert jedoch nicht nur die Stimmung, sondern der Organismus auf Wetteränderungen. „Wenn zum Beispiel nach einem Hochdruckgebiet ein Tiefdruckgebiet kommt, wird das zu einer verstärkten Herausforderung für den Körper“, so der Biometeorologe.

Die dritte Gruppe – neben wetterreagierenden und wetterfühligen – sind wetterempfindliche Menschen: „Sie zeigen sehr starke Symptome, zum Beispiel schmerzt ihr Knie oder sie haben Atembeschwerden“, erklärt Matzarakis. In diesen Fällen sei das Wetter nicht die Ursache für die Probleme, aber es verstärke sie. „Wetterempfindliche Menschen haben meist eine längere Krankheitsgeschichte.“ Dazu zählen vor allem Menschen mit:

  • Herz -Kreislauf-Erkrankungen
  • rheumatische Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • allgemeine Befindlichkeitsstörung

Kopfschmerzen, Migräne- und Schwindel-Anfällen bei Wetter-Veränderungen vorbeugen

Neben chronischen Erkrankungen gibt es noch weitere Faktoren, die Menschen anfällig für Wetterfühligkeit machen: „Mitverantwortlich für Wetterfühligkeit ist der Trainingszustand des Körpers“, erklärt Angela Schuh. „Ein Ausdauertrainingsmangel wirkt sich negativ aus, gleichzeitig sind auch Menschen, die übertrainiert sind, besonders empfindlich“, sagt die Expertin. Zur Prävention wirke am besten leichtes, moderates Ausdauertraining wie Joggen, Rad fahren oder Schwimmen.

Ausdauertraining kann gegen Wetterfühligkeit vorbeugend helfen – allerdings nur in Maßen. (Symbolbild)

Auch ein sogenannter thermoregulatorischer Trainingsmangel führe zur Wetterfühligkeit. Dieses System kann laut der Klimatologin ebenfalls trainiert werden: „Zum Beispiel durch Kneippsche Anwendungen, Warm-Kalt-Duschen oder Saunabesuche – immer in Absprache mit einem Arzt.“ Das allerbeste Wetter aus rein gesundheitlicher Sicht seien die Zeiten des Übergangs im späten Frühling und frühen Herbst für ein solches Training. „Ein bisschen Wind, 17 bis 18 Grad, ein leichter Kältereiz. Das fördert die Thermoregulation und ist für die Gesundheit das beste Wetter“, sagt Matzarakis zum Thema Thermoregulation.

Ernährung und Schlafverhalten sind weitere Faktoren, die sich negativ auswirken können: „Wer Wetterfühligkeit wegtrainieren will, sollte allgemein ein gesundes Leben führen“, sagt Angela Schuh. „Dazu gehört auch die Beachtung der inneren Uhr und ausreichender Schlaf.“

Kopfschmerzen und Kreislauf-Probleme bei Wetter-Veränderungen: Was akut hilft

In Absprache mit dem Arzt können vor allem Kopfschmerzen medikamentös gelindert werden. Doch Medikamente wie Aspirin und Paracetamol sind nicht zur dauerhaften Einnahme geeignet. Denn die Tabletten können auf Dauer beispielsweise Magenschleimhautentzündungen auslösen. Wer ständig an Migräne oder Kopfschmerzen leidet, sollte über eine Schmerztherapie nachdenken. Auch Akupunktur oder Therapien wie Wärmebehandlungen können helfen.

Zudem empfiehlt es sich für Betroffene, ein „Kopfschmerz-Tagebuch“ zu führen, um Muster zu erkennen und frühzeitig reagieren zu können, bevor der Migräne- oder Schwindel-Anfall so richtig schlimm wird. Außerdem gibt es einige weitere Tipps, die gegen Kopfschmerzen, Migräne und Kreislaufprobleme helfen sollen:

  • Achtet darauf, genug zu trinken. Für Erwachsene werden zwischen zwei und drei Liter pro Tag empfohlen, je nach Alter, Körpergröße, Gewicht und Aktivität. Im Sommer gilt es generell mehr zu trinken.
  • Bei starken Temperaturunterschieden innerhalb und außerhalb von Gebäuden sollte durch regelmäßiges Lüften für moderaten Temperaturausgleich gesorgt werden. Im Sommer die Klimaanlage voll aufzudrehen ist nicht gut für den Kreislauf.
  • Genügend Schlaf ist die beste Medizin.
  • Alkohol und Nikotin sind nie gut für den Körper – beides kann die Symptome von Wetterfühligen verstärken. Am besten auf beides verzichten, wenn sich Wetterumschwünge anbahnen.
  • Frische Luft tanken und etwas Bewegung können manchmal Wunder bewirken.
  • Ätherisches Pfefferminzöl auf die Schläfen reiben kann leichte Kopfschmerzen lindern – das gibt es frei verkäuflich in der Apotheke.
  • Bei einem akuten Migräne-Anfall kann es helfen, den Raum abzudunkeln – der Blick auf den Bildschirm sollte vermieden werden.
  • Wechselduschen: Je 5 Minuten so heiß und so kalt wie nur möglich abduschen.

Übrigens gibt es im Internet inzwischen „Biowetter-Karten“ oder auch „Migräne-Wetterkarten“, welche zum Beispiel zeigen, wann sich die nächste Migräne, ausgelöst durch das Wetter, bemerkbar machen könnte – etwa wenn ein Gewitter aufzieht. Hier könnte dann die Schwüle nach dem Gewitter ein Trigger sein. Die Wettervorhersagen stellen zwar nur einen Hinweis für Biowetter als Auslöser der speziellen Kopfschmerzen dar, können aber helfen, sich darauf vorzubereiten.

Rubriklistenbild: © Oliver Killig/dpa

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