Wie verhalte ich mich bei Gewitter richtig?

Unwetter: Richtiges Verhalten bei Gewitter – Tipps vom Wetter-Experten

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Unwetter treten in Deutschland immer häufiger auf. Wird man im Freien von Gewitter überrascht, sind bestimmte Verhaltensregeln unerlässlich.

Vor allem im Sommer ist das Wetter in Deutschland mittlerweile unberechenbar. Auf sehr heiße Tage, mit Temperaturen von teilweise über 30 Grad, folgen meist heftige Gewitter mit Blitz und Donner. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) sind derartig extreme Wetterschwankungen eindeutig Auswirkungen des globalen Klimawandels.

Vor allem Extremwetterereignisse wie Unwetter, Starkregen, heftige Gewitter, starke Stürme und Überschwemmungen gelten als Folge der Erderwärmung und treten immer häufiger auf. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie sich richtig verhalten werden muss, wenn man in ein Unwetter gerät und sich im Freien ohne schützende Häuser befindet.

Wetter: Wie verhalte ich mich bei Gewitter richtig? DWD-Meteorologe gibt wertvolle Tipps

Erwischt! Wer die ersten dunklen Wolken und Wetterprognosen nicht ernst genommen hat und bei einem Ausflug auf freiem Feld von einem Gewitter überrascht wird, hat oft wenige Optionen, sich unterzustellen. Und zu vielen vermeintlichen Unterschlüpfen sollte besser Abstand gehalten werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Doch wo ist man im Freiem am sichersten? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt Behauptungen auf den Prüfstand und gibt richtige Verhaltenstipps bei Gewitter im Freien.

Es wird oft behauptet, bei einem Gewitter sollte man weit weg von Strommasten bleiben. Aber stimmt das wirklich? Die Antwort: Ja! Denn ein Blitz trifft am ehesten hohe, im Gelände hervorragende Punkte – also zum Beispiel Masten. Daher rät der DWD, sich möglichst weit weg von allen hohen Objekten zu bewegen, wenn man während eines Gewitters kein Unterschlupf in einem Gebäude suchen kann – also zum Beispiel auch von Aussichtstürmen und einzelnen Bäumen. Wie man sich am besten vor Blitzen schützt, erklärt HEIDELBERG24 in einem Artikel mit sieben Tipps, die Leben retten können.

Richtiges Verhalten bei Gewitter: Unterschlupf im tiefstmöglichen Punkt suchen

Eine weitere Empfehlung lautet, sich den tiefstmöglichen Punkt im Gelände zu suchen. Und das ist durchaus richtig, allerdings sollten Schluchten und Flussbetten gemieden werden. „Man sollte sich möglichst klein machen, um nicht die höchste Erhebung in der Umgebung zu sein“, erklärt DWD-Meteorologe Sebastian Schappert.

Auf der anderen Seite: Man kann in Gefahr geraten, wenn man auf der Suche nach dem tiefsten Punkt in eine Schlucht oder in ein ausgetrocknetes Flussbett geht. Kommen enorme Niederschlagsmengen herunter, kann es sich irgendwo sammeln und als Flutwelle da durchrauschen“, so Schappert. „Man muss also darauf achten, dass man sich nicht an einem Punkt klein macht, an dem Überflutungsgefahr besteht.“ Wie geht es also richtig?

Man sucht sich auf freiem Gelände eine Senke oder eine Mulde. Dort geht man idealerweise in die Hocke – mit eng beieinanderstehenden Füßen, für eine geringe Schrittspannung. Bei dieser Vorgehensweise verringern sich bei einem Blitzeinschlag in der Nähe mögliche Folgen für die Gesundheit, etwa Herzprobleme. Hat man einen Rucksack dabei, sollte dieser unter die Füße, als isolierende Unterlage, gelegt werden. Denn wenn ein Blitz in der Nähe einschlägt, kann die Spannung auf die Person überschlagen.

Richtiges Verhalten bei Unwetter: Regenschirme bei Gewitter zusammenklappen

Eine weitere Theorie besagt, dass die Regenschirme bei Gewitter geschlossen werden sollten. Aber stimmt das denn? Schließlich hat der Regenschirm bei Regen so seinen Sinn und Zweck. „Es ist besser, den Regenschirm zusammenzuklappen und wegzupacken“, sagt Meteorologe Schappert. „Er ist ja quasi eine Verlängerung des Körpers in einer Situation, in der man sich so klein wie möglich machen sollte.“

Hier kommt es aber natürlich auf den Standort an: In der Stadt zwischen Hochhäusern ist ein Regenschirm natürlich weniger ein Risiko als auf freiem Feld.

Wie verhalte ich mich bei Gewitter richtig? Abstand von Metallobjekten halten

Unternimmt man eine Fahrradtour und wird vom Gewitter überrascht, ist es ratsam, sein Fahrrad weit wegzustellen. Wenn man im Freien in der besagten Mulde Schutz suchen muss, dann sollte man Metallobjekte wie Fahrräder und Motorräder mit Abstand abstellen, empfiehlt Schappert. Denn schlägt der Blitz in das Rad ein, kann dieser sich möglicherweise über die Erde weiterverbreiten.

Sollte der unwahrscheinliche Fall von einem Blitzeinschlag in das Fahrrad doch eintreten, stellt sich die Frage, wer den Sachen bezahlt. echo24.de berichtet, welche Versicherung im Ernstfall bei Unwetterschäden zahlt.

Unterschlupf bei Gewitter im Wald oder auf dem Feld aufhalten? Experte klärt auf

Eine Behauptung hält sich besonders hartnäckig: Im Wald ist es sicherer als auf einem Feld bei Gewitter. Hier kommt es ganz auf die Umstände an, erklärt der DWD-Meteorologe. „Beides – weder im freien Feld noch im Wald – ist nicht optimal“, so Schapperts Einschätzung. Dabei spielen für ihn mehrere Faktoren eine Rolle.

Es ist sicherlich unbehaglich im Freien, wenn es hagelt oder sehr kräftig regnet. Dann ist man wahrscheinlich lieber im Wald, denn die Bäume halten ein bisschen was davon ab“, so der Meteorologe. „Aber auch im Wald sollte man sich eine Senke oder jüngere Bäume, die noch kleiner sind als die Bäume in der Umgebung, suchen.“ Hier gilt also die übliche Regel: So gut wie möglich von den höchsten Objekten in der Umgebung Abstand halten.

Allerdings kann man im Wald auch stärker gefährdet sein als auf dem freien Feld, etwa wenn Orkanböen aufziehen. Sie können Bäume umstürzen. Auch ein Faktor: Wenn ein Blitz in einen Baum einschlägt, kann dieser regelrecht explodieren. Die umherfliegenden Trümmerteile können Menschen verletzen. Wenn es irgendwie geht, sollte daher versucht werden, sich erst gar nicht während eines Gewitters in der Natur aufzuhalten und Schutz in einem Gebäude suchen. Ein Tipp: Einkehren und bei einem Getränk warten.

Rubriklistenbild: © Tobias Hartl/Vifogra/dpa/Symbolbild

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