Starkregen und Hitzewellen – eine Folge des Klimwandels

Klimawandel: Warum das Wetter auch in Deutschland immer extremer wird

  • Lisa Klein
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Aktuell hat Deutschland mit Starkregen und Hochwasser zu kämpfen. Mit extremen Wetterlagen muss durch den Klimawandel künftig häufiger gerechnet werden – doch wo ist der Zusammenhang?

In der vergangenen Woche hat es in mehreren Teilen Deutschlands enormen Starkregen gegeben, welcher auch in Baden-Württemberg zu extremem Hochwasser führte. Bei der Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind mindestens 155 Personen gestorben, 700 wurden verletzt und Hunderte werden weiterhin vermisst. Zahlreiche Existenzen wurden von einem Moment auf den anderen zerstört – viele haben nichts mehr, außer die Kleidung, die sie seit der Katastrophe am Körper tragen.

Doch nicht nur Starkregen und Unwetter, sondern auch Hitzewellen sind in Deutschland schon längst keine Seltenheit mehr. Extreme Wetterlagen gibt es auch in Deutschland immer häufiger. Die Hochwasser-Katastrophe hat den Klimawandel wieder in den Fokus gerückt und die Debatte um die Handlungsnotwendigkeit erneut aufgeheizt. Doch was hat der Klimawandel eigentlich mit den extremen Wetterlagen zu tun?

Klimawandel und Extremwetter in Deutschland: Wissenschaftler erkennen Zusammenhang

Wissenschaftler sind inzwischen überzeugt: Die Extremwetterphänomene hängen auch mit dem Klimawandel zusammen. „Bei einer Erwärmung von zwei Grad Celsius oder gar mehr müssen wir mit noch viel heftigeren Extremwetterereignissen rechnen“, sagt der Chef des Umweltbundesamts (UBA), Dirk Messner. Schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erhitzt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Nach den Daten des UBA würde ein ungebremster Klimawandel erhebliche Schäden für Natur, Infrastruktur und das Wirtschaftssystem in Deutschland mit sich bringen. Und auch die Starkregen-Ereignisse in Westdeutschland haben laut Messner klar gezeigt: Ohne ambitionierten Klimaschutz wird sich die Lage verschlimmern.

„Steigen die Treibhausgasemissionen wie bisher weiter an und schreitet der ⁠Klimawandel⁠ unverändert fort, könnten die heutigen Extremereignisse, zum Beispiel Hitzewellen, Dürreperioden oder Starkregenereignisse, der Normalfall werden“, heißt es in einem Artikel des Umweltbundesamtes. Zu diesem Ergebnis kamen neue Klimasimulationen für Deutschland, die von den Bundesländern initiiert wurden (Projekt ReKliEs-De). Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad und Tropennächte nehmen zu, genauso wie Starkregen.

Klimawandel und extreme Wetterlagen in Deutschland: Der Zusammenhang

Bei Extremereignissen wie ⁠Starkregen⁠ ist es schwieriger als bei Hitze, einen Zusammenhang zum Klimawandel herzustellen. „Doch die gestiegene Summe an Extremereignissen, die wir in den letzten Jahren beobachten, weist deutlich auf Effekte des Klimawandels hin“, heißt es auf der Seite des Umweltbundesamtes. Der Zusammenhang zwischen Starkregen und dem Klimawandel lässt sich erklären: Wenn sich Luft um ein Grad erwärmt, kann sie bis zu sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen – und natürlich auch wieder abgeben. Kommen die Wassermassen auf einmal runter, kann es unter anderem zu heftigem Starkregen kommen.

Dazu kommt: Die Luftströme werden größtenteils durch die Temperaturunterschiede zwischen dem Äquator und den Polen angetrieben. Die Polregionen erwärmen sich schneller als die Bereiche in Äquatornähe, wodurch der „Westwinddrift“ schwächer wird und die Wetterlagen länger andauern können, wie ntv berichtet. Dadurch kann es dazu kommen, dass bestimmte Luftdruckgebiete teilweise wochenlang über Deutschland stehen bleiben und die ganzen Wassermassen an einem Ort runter kommen.

Hochwasser-Katastrophe: Deutschland sagt dem Klimawandel den Kampf an

Bund und Länder müssten gemeinsam neue Wege zur Anpassung an den Klimawandel finden, meint Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Zu diesem Zweck schlägt die SPD-Politikerin sogar vor, das Grundgesetz zu ändern. Nur so könnte der Bund dauerhaft Mittel für die Klima-Vorsorge bereitstellen. Wie die dpa berichtet, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch im Katastrophengebiet Kreis Ahrweiler: „Wir müssen schneller werden im Kampf gegen den Klimawandel.“

Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen. Die Ereignisse zeigen, mit welcher Wucht die Folgen des Klimawandels uns alle treffen können,

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Die in Trier wohnende rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) beklagte schwere Versäumnisse beim Klimaschutz in Deutschland. „In den vergangenen Jahren haben wir in Deutschland vieles nicht umgesetzt, was notwendig gewesen wäre“, sagte die Ministerpräsidentin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Klimawandel sei angesichts der jüngsten Dürren und Unwetter nichts Abstraktes mehr. „Wir erleben ihn hautnah und schmerzhaft.“

Hochwasser-Katastrophe als Mahnung: Der Klimawandel muss zum Thema werden

Klimaaktivisten sehen die Hochwasser-Katastrophe im Westen als letzte Mahnung der Natur – denn wenn wir nicht handeln, dann wird es in Zukunft noch häufiger zu derartigen Umwelt-Katastrophen kommen, welche nicht nur ganze Ortschaften zerstören, sondern auch zahlreiche Menschenleben fordern. Warum es wichtig ist, dass das Thema Klimawandel wieder in den Fokus rückt, zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski: In der Corona-Krise geht das Interesse der Deutschen an den Folgen des Klimawandels und der Erderhitzung zurück.

Das Umweltbewusstsein der Deutschen sinkt stetig, sagte Opaschowski (80) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das gehe aus repräsentativen Umfragen des Opaschowski Instituts für Zukunftsforschung (OIZ) der vergangenen drei Jahre hervor. Dabei wurden jeweils 1.000 Personen ab 14 Jahren nach ihren Einstellungen zum Klimawandel befragt. So stimmten der Aussage „Klimawandel und Wetterextreme werden zur größten Bedrohung der Zukunft“ 2019 noch 83 Prozent zu, 2020 waren es 78 Prozent und 2021 nur 72 Prozent. Nur die Bewohner im ländlichen Raum machten sich unverändert große Sorgen um die Folgen des Klimawandels – vermutlich, weil dort die Auswirkungen vor allem in der Landwirtschaft deutlich zu spüren sind.

Zudem verliere die Fridays-for-Future-Generation im Alter von 14 bis 24 Jahren kontinuierlich ihr Interesse an Klimafragen. Umso wichtiger ist es, die Hochwasser-Katastrophe als Weckruf zu sehen, denn nur gemeinsam können wir den Klimwandel eindämmen.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa/Archivbild

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