3G gilt auch fürs WC

Security lässt Schwangere nicht auf Rathaus-Toilette - die ist von Begründung mehr als irritiert

Strikte Vorschrift: Im Geretsrieder Rathaus gibt die 3G-Regel.
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Strikte Vorschrift: Im Geretsrieder Rathaus gibt die 3G-Regel.
  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Eine Schwangere hatte ein dringendes Bedürfnis. Sie durfte das Rathaus in Geretsried wegen aber nicht betreten – es fehlten zwei Tage zum vollen Impfschutz.

Geretsried – Es ist eine Situation, die jede Schwangere nur zu gut kennt: Egal, ob es gerade passt oder nicht, man verspürt ein dringendes Bedürfnis. So erging es auch Nina Winiarz. In ihrer Not wollte sie die öffentliche Toilette im Geretsrieder Rathaus benutzen – und wurde abgewiesen. Der Grund: Zutritt zum Rathaus wird nur nach der 3G-Regel (vollständig geimpft, genesen oder negativ getestet) gewährt. Der 30-jährigen fehlten im entscheidenden Moment zwei Tage bis zum vollständigen Impfstatus, wie Merkur.de* berichtet.

Wegen Impfstatus: Schwangere möchte auf Rathaus-Toilette - und wird abgewiesen

Zusammen mit ihrer Mutter hatte Nina Winiarz, die im Süden des Landkreises wohnt, die Stadt Geretsried besucht. Die Rechtsanwaltsfachangestellte erwartet Ende Februar/ Anfang März ihr erstes Kind. „Wir wollten zusammen noch die restlichen Babysachen einkaufen“, sagt die 30-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihr Weg führte sie auch in die C & A-Filiale am Karl-Lederer-Platz. „Da begann ich, ein dringendes Bedürfnis zu spüren.“ Die werdende Mutter fragte eine Angestellte nach der Kundentoilette. Eine solche gebe es im Geschäft nicht, alternativ wies die Mitarbeiterin des Bekleidungshauses darauf hin, „dass es im Rathaus öffentliche Toiletten gebe“. In Kleidungsgeschäften gilt derzeit keine 2G-Regel*.

Corona-Regeln sorgen für Ärger: 3G gilt auch für WC-Nutzung

Winiarz ging schnell die paar Schritte, doch hinter der Eingangstür wurde sie gestoppt: „Eine Security-Mitarbeiterin sagte mir, dass im Rathaus die 3G-Regel gilt.“ Die 30-Jährige zeigte ihre Impfnachweise vor. „Ich hatte etwa zwei Wochen zuvor die zweite Impfung bekommen, es waren noch genau zwei Tage, bis der vollständige Schutz wirksam gewesen wäre.“ Für den Sicherheitsdienst kein Grund, ein Auge zuzudrücken. „Sie sagte Nein, sie dürfe mich nicht hereinlassen.“ Winiarz wies auf die Dringlichkeit ihres Anliegens hin – vergeblich. „Die Frau empfahl mir die Toilette im Edeka gegenüber*. Ich dachte nur, das kann jetzt nicht ihr Ernst sein.“ Gerade noch rechtzeitig erreichte die Schwangere schließlich das stille Örtchen.

Schwangere ist verärgert: Rathausmitarbeiter verweigerte ihr den Zugang

Die 30-Jährige ist ebenso wie ihre Mutter über das Vorgehen entsetzt und verärgert. „Wäre ich zwei Tage später gekommen, hätte ich zur Toilette gedurft. Was wäre denn gewesen, wenn ich ein kleines Kind dabei gehabt hätte, dass schnell mal auf die Toilette muss? Hätte ich dann auch draußen bleiben und es alleine ins Rathaus gehen lassen müssen?“ Winiarz betont, dass sie die Corona-Infektionsschutzmaßnahmen durchaus nachvollziehen könne. Aber: „Mein Vater arbeitet selbst in einer Gemeindeverwaltung. Auch dort gilt die 3G-Regel. Doch in so einem Notfall hätte man mich durchaus zur Toilette gehen lassen.“

Geretsried: Rathaussprecher erklärt den Vorfall - „Schwangerschaft war nicht ersichtlich“

Thomas Loibl, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Geretsried, unterstreicht auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Zutritt zum Rathaus wie zu allen anderen Behörden derzeit nur mit Termin und strikter Einhaltung der 3G-Regel gestattet ist. „Das dient nicht zuletzt auch dem Schutz der Mitarbeiter und der Aufrechterhaltung der städtischen Infrastruktur“*, sagt Loibl. Dennoch ist er dem Vorfall umgehend nachgegangen. „Laut Aussage der Kollegen war eine Schwangerschaft nicht ersichtlich.“ Gerade in so einem Fall gebe es nämlich durchaus einen Ermessensspielraum, erklärt der Pressereferent. Und: „Normalerweise wird mit solchen Situationen auch sehr sensibel umgegangen.“ *Merkur.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA