Gefährliche Brände in Südeuropa

Flammen-Hölle und kein Ende: Jetzt droht im Mittelmeerraum weitere Hitzewelle

  • Dominik Jahn
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Waldbrände im Mittelmeerraum: Griechenland, die Türkei und Italien stehen in Flammen. Die Temperaturen steigen wieder. Was gilt aktuell für Reisende?

Update, 9. August: Kein Ende in Sicht! Die Flammen-Hölle im Mittelmeerraum sorgt weiter für apokalyptische Bilder. Italien, Griechenland und die Türkei kämpfen noch immer mit zahlreichen unkontrollierten Waldbränden. In Griechenland sollen bisher bereits 60.000 Hektar Fläche verbrannt sein.

Besonders dramatisch war es zuletzt auf der griechischen Insel Euböa. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet, zeigt ein am Montag veröffentlichtes Video, wie brutal das Feuer bisher gewütet hat. Menschen mussten sich mit einer Fähre in Sicherheit bringen. Viele Hügel und Berge der Insel gleichen Mondlandschaften, auf deren aschgrauem Boden die Überreste der Bäume schwarz in die Höhe ragen. Von manchen Gebäuden stehen nur noch die Außenmauern.

Die Flammen nähern sich dem Dorf Gouves auf der Insel Euböa, etwa 185 Kilometer nördlich von Athen.

Auch im südwesttürkischen Mugla gibt‘s keine Entspannung. Zahlreiche Einsatzkräfte haben in der Nacht zum Montag erneut versucht die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Insgesamt sollen in der Türkei noch fünf unkontrollierte Waldbrände toben. Inzwischen sollen mehr als 150.000 Hektar zerstört sein.

Und auch für die Italiener geht der Kampf mit der Flammen-Hölle weiter. Wie die dpa schreibt, „wurden am Sonntagabend wegen Bränden rund um die italienische Adria-Gemeinde Campomarino mehr als 400 Menschen aus ihren Unterkünften geholt“. Hotels, Campingplätze und Wohnhäuser wurden evakuiert. Stark betroffen ist aktuell die Region Kalabrien. Die Walbrände breiten sich hier unter anderem im Nationalpark Aspromonte aus.

Besonders dramatisch für alle betroffenen Gebiete im Mittelmeerraum: In den kommenden Tagen drohen wieder Temperaturen über 40 Grad. Die nächste Hitzewelle könnte für weitere Waldbrände sorgen und die bestehenden Feuer weiter vorantreiben.

Griechenland/Türkei/Italien: Was müssen Reisende jetzt beachten?

Durch die anhaltenden Waldbrände im Mittelmeerraum hat auch das Auswärtige Amt weiter reagiert und seine Reiseempfehlungen und Hinweise für den Urlaub in Griechenland, der Türkei und Italien aktualisiert.

Für Griechenland gilt aktuell*:

  • Betroffen ist besonders der Norden der Insel Euböa und einige Regionen auf dem Peloponnes unter anderem dem antiken Olympia, in dessen Umkreis Ortschaften evakuiert wurden.
  • Verbote, Hinweisschilder und Warnungen sowie die Anweisungen der Behörden vor Ort sind zu beachten.
  • Man soll sich über Medien, Hotels und den jeweiligen Reiseleiter informieren.

Für die Türkei gilt aktuell*:

  • Betroffen sind derzeit an der türkischen Mittelmeer- und Ägäisküste die Provinzen Antalya, Mugla und Aydin. Wohngegenden und Hotels sind dabei von den Bränden betroffen.
  • Äußerste Vorsicht.
  • Vor der Abreise sollte man sich beim Reiseveranstalter oder der Unterkunft über die Lage informieren.
  • Vor Ort ist den Anweisungen des Hotelpersonals und der lokalen Behörden Folge zu leisten.
  • Man soll sich über Medien, Hotels und den jeweiligen Reiseleiter informieren.

Für Italien gilt aktuell*:

  • Für Italien gibt es nach den aktuellen Entwicklungen mit den Waldbränden noch keine besonderen Hinweise.

*alle Hinweise vom Auswertigen Amt nach Stand 9. August

Flammen-Inferno am Mittelmeer: Türkei- und Griechenland-Urlauber in Gefahr?

Erstmeldung, 7. August: Am Mittelmeer tobt ein Flammen-Inferno: In Griechenland und der Türkei entstehen täglich Hunderte neue Feuer, die Feuerwehr hat die Brände schon lange nicht mehr unter Kontrolle – es sind einfach zu viele. Dazu kommt im Süden Europa die an sich schon lebensgefährliche Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 45 Grad. In Griechenland mussten am Samstag (7. August) erneut zahlreiche Ortschaften evakuiert werden, innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 400 Waldbrände gezählt. In der Türkei haben laut Experten-Schätzungen bislang über 100.00 Hektar Land gebrannt.

Und nicht nur die Türkei und Griechenland sind betroffen: Auf Sizilien erklärte die Regionalregierung für sechs Monate den Not- und Krisenfall, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Der Grund: Es brennt seit Ende Juli, die nächste Hitzewelle steht bevor und die Situation bleibt angespannt.

Flammen-Inferno am Mittelmeer: Kampf gegen die Flammen in Griechenland

Die Großbrände im Norden von Athen sind am Samstag teilweise eingedämmt worden. „Erstmals können wir sagen, dass die Situation etwas besser ist – es gibt aktuell nur noch zwei Feuerfronten“, sagte Nikos Peppas, Vize-Gouverneur der Region Attika, am Mittag dem Fernsehsender Skai. Es bestehe Hoffnung, die Brände bis zum Abend einigermaßen unter Kontrolle zu bringen. Vorbei ist es aber noch lange nicht.

„Die vergangene Nacht war wirklich die Hölle, ein Alptraum. Wir haben gewaltige Anstrengungen unternommen, damit das Feuer nicht auf bewohntes Gebiet übergreift“, sagte Pappas. Die vielen tausend evakuierten Menschen könnten bald zurückkehren – sofern ihre Häuser nicht abgebrannt seien. „Aber das muss langsam und mit großer Vorsicht geschehen“, sagte er. In den vom Feuer betroffenen Gegenden gibt es größtenteils keinen Strom und kein Wasser.

Brände in Griechenland: Gouverneur von Mittelgriechenland fleht um Hilfe

Weil sich die Rettungskräfte auf die Feuer in Athen konzentrieren, brennt es andernorts umso stärker. Fanis Spanos, der für Euböa zuständige Gouverneur von Mittelgriechenland, setzte am Samstag über Facebook einen verzweifelten Hilferuf ab.

Das Feuer geht unvermindert weiter, es verbrennt Wälder und zerstört Häuser, es bedroht Menschenleben! Wir wollen endlich eine ernsthafte Anzahl von Löschflugzeugen, die wir seit dem ersten Tag fordern! Und mehr Löschzüge!

Fanis Spanos, Gouvenor von Mittelgriechenland.

Auf der Insel Euböa wurden in der Nacht mehr als 1.300 Menschen mit Fähren aus dem Küstenort Limni gebracht, weil es keine andere Fluchtmöglichkeit mehr gab, wie die Tagesschau berichtet. Die örtlichen Behörden sprechen von der größten Katastrophe auf der Insel seit 50 Jahren.

Angesichts der verheerenden Waldbrände schickt Deutschland Feuerwehrkräfte nach Griechenland. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte gegenüber der dpa, Deutschland habe in der vergangenen Nacht aktiv Hilfe angeboten, die Griechenland inzwischen angenommen habe. „Derzeit bereiten sich Feuerwehrkräfte aus NRW, Hessen sowie das Technische Hilfswerk darauf vor, sich zügig mit Einsatzfahrzeugen nach Griechenland zu begeben, um dort die Waldbrandbekämpfung zu unterstützen.“

Flammen-Inferno am Mittelmeer: Feuer-Katastrophe in der Türkei

In der Türkei haben allein am Samstag mehr als 5.000 Einsatzkräfte gegen die Flammen angekämpft. Besonders die Küstenregionen im Süden und Westen des Landes sind seit Tagen schwer von den Bränden betroffen. In Köycegiz und Milas in der westtürkischen Provinz Mugla hätten sich die Feuer in der Nacht ausgebreitet, teilten örtliche Behörden mit. Die Evakuierung mehrerer Nachbarschaften sei angeordnet worden.

In der Nähe der Städte Aydin und Mugla brannten am Samstag noch sechs unkontrollierte Feuer, wie Forstminister Bekir Pakdemirli mitteilte. In den Regionen Antalya, Marmaris und Bodrum gelang es Feuerwehrleuten unterdessen, einige Brände unter Kontrolle bringen. Pakdemirli sprach von einer Katastrophe, die in die Geschichte eingehen werde.

Nach offiziellen Angaben wurden seit dem 28. Juli mehr als 200 Flächenbrände in 47 Provinzen unter Kontrolle gebracht. Rund 5.250 Feuerwehrleute und mehr als 80 Hubschrauber, Flugzeuge und Drohnen sowie etwa 1.000 Fahrzeuge seien zum Löschen im Einsatz, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Twitter. Zahlreiche Feuer sind weiterhin außer Kontrolle und breiten sich aus.

Bärnde in Südeuropa: 160.000 Hektar Land in Griechenland und Türkei verbrannt

Einen Hoffnungsschimmer gibt es momentan: In Antalya wurde laut Wetterbericht Regen erwartet. Doch in der Provinz haben die Brände große Zerstörung hinterlassen, ganze Dörfer liegen unter Asche. Die Flammen haben bisher in der Türkei mindestens acht Menschenleben gefordert.

Rauch eines Waldbrandes steigt hinter einem Berghang in dem Ort Limni, auf der Halbinsel Euböa, etwa 160 Kilometer nördlich von Athen, auf. Griechenland wird weiterhin von einer Dauerhitzewelle und Trockenheit heimgesucht, weshalb zahlreiche Waldbrände ausgebrochen sind.

Experten zufolge sind es die schwersten Brände seit mehr als zehn Jahren in dem Land. Laut Schätzungen sollen bisher über 100.000 Hektar Land gebrannt haben. Bei den Feuern in Griechenland sind mindestens 60.000 Hektar oder 600 Quadratkilometer Fläche verbrannt. Das berichtete der staatliche Sender ERT unter Berufung auf das Nationale Observatorium Athen. Es wurde darauf verwiesen, dass es sich lediglich um vorläufige Schätzungen handelt.

Zum Vergleich: In Deutschland verbrannten laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im vergangenen Jahr durch Waldbrände 368 Hektar Fläche. Im Dürresommer 2018, der durch verheerende Waldbrände vor allem in Ostdeutschland in Erinnerung blieb, waren es 2350 Hektar.

Türkei/Griechenland: Gefährliche Brände – was bedeutet das für Urlauber?

Die Situation in der Türkei und in Griechenland scheint unberechenbar. Doch was bedeutet das jetzt für Urlauber? Sollte von Reisen nach Griechenland und in die Türkei abgesehen werden? Und was ist mit Urlaubern, die bereits vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt rät nicht per se von Reisen nach Griechenland und in die Türkei ab. Allerdings gibt es aktuelle Warnhinweise für beide Urlaubsländer: „Beachten Sie stets Verbote, Hinweisschilder und Warnungen sowie die Anweisungen lokaler Behörden. Informieren Sie sich über die Medien, Ihr Hotel und Ihren Reiseleiter über von Bränden betroffene Gebiete und meiden Sie diese“, heißt es.

Zudem schreibt das Auswärtige Amt für Griechenland: „Wegen der anhaltenden Hitze kommt es aktuell zu zahlreichen großflächigen Waldbränden insbesondere im Norden der Insel Euböa und einigen Regionen auf dem Peloponnes unter anderem dem antiken Olympia, in dessen Umkreis Ortschaften evakuiert wurden. Von Waldbränden betroffen sind auch nördlich gelegene Vororte von Athen. Teilweise ist der Strom ausgefallen.“

Ähnlich sieht es auch für die Türkei aus, dort heißt es: „An der türkischen Mittelmeer- und Ägäisküste kommt es aktuell zu großflächigen Waldbränden bei starken Winden, insbesondere in den Provinzen Antalya, Mugla und Aydin. Auch Wohngegenden und Hotels sind von den Bränden betroffen.“ Sollte es neue Warnhinweise geben, werden diese auf der Seite des Auswärtigen Amtes veröffentlicht.

Rubriklistenbild: © Petros Karadjias/dpa

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