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Vorsicht in „schlecht gepflegten“ Schwimmbädern: Amöbe frisst menschliche Gehirne

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Von: Olaf Kubasik

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Schwimmbad
Schlecht chlorierte und warme Schwimmbäder sind für die Amöbe Naegleria fowleri ein hervorragendes Sammelbecken. © Joerg Carstensen/dpa/Symbolbild

Wer in nicht gut gepflegten Schwimmbädern untertaucht, kann sich den tödlichsten Parasiten der Welt einfangen - und zwar durch die Nase.

Ihr letztes bekanntes Opfer in den USA war ein Kind, dass im Sommer 2022 in Nebraska in einem Fluss geschwommen war. Sie sorgte aber auch schon für Todesfälle nach Spülungen mit Leitungswasser, Besuchen einer Surf- und Wasserski-Anlage oder einer Bootskenterung im Rahmen einer Raftingtour. Dabei hat die Amöbe Naegleria fowleri jedes Mal mittels kontaminierten Wassers die Nase als Eingang in den menschlichen Körper benutzt. Um ihrem Trivialnamen „Gehirnfresser“ alle Ehre machen zu können.

Die Amöbe Naegleria fowleri ist ein Parasit. Allerdings einer, den „futura.science.com“ im Gegensatz zu Bettwanze oder Taubenzecke zu den „acht schlimmsten“ Vertretern derer zählt, die einen Menschen befallen können, wie echo24.de berichtet. Die Autorin des Beitrags, Céline Deluzarche, liefert den Grund dafür gleich mit: „Die Erkrankung verläuft in 95 Prozent der Fälle tödlich.“ Und jeden kann es treffen, der sich „in schlecht gepflegten Schwimmbädern“ oder warmen Süßgewässern aufhält.

ArtNaegleria fowleri
VerbreitungWeltweit mit Schwerpunkten in den USA, Frankreich und Australien
VorkommenSchwimmbäder, Badeseen, Industrieabwässer

Amöbe frisst Menschen-Gehirne: Schlimmster Parasit der Welt lauert in warmem Süßwasser

Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist eine durch Naegleria fowleri verursachte Primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAM), die wie die durch Zeckenbisse hervorgerufene FSME das Gehirn angreift, einfach zu verhindern: „Eine PAM kann durch das Unterlassen von Baden in ungechlorten, beziehungs­weise unzureichend gechlorten, warmen Gewässern wei­test­ge­hend vermieden werden.“ Und selbst dann müsse für eine Infektion „beim Unter­tauchen des Kopfes oder beim Planschen“ Wasser in die Nase gelangen.

Die Nase ist der einzige Weg, über den Naegleria fowleri in das menschliche Gehirn gelangt. Denn wird das mit ihr kontaminierte Wasser lediglich verschluckt, erledigt das Parasiten-Problem die Magensäure. Anders verläuft der Amöben-Weg über das Riechorgan, wie die „Ärzte-Zeitung“ mitteilt: „Die Amöbe wandert entlang des Riechnervs ins Hirn und zersetzt innerhalb von wenigen Tagen das Hirngewebe.“ Die Symptome treten dann nach etwa einer Woche auf - und zwar wie folgt:

In über 95 Prozent der durch die Amöbe Naegleria fowleri übermittelten PAM-Fälle enden diese Symptome mit dem Ableben des Opfers. „MSD Manuals“, das wohl umfassendste Nachschlagewerk für Ärzte und Apotheker, schreibt: „Die Infektion kann sehr schnell voranschreiten und innerhalb von zehn Tagen den Tod verursachen.“ Und oft geht es noch schneller. Das Problem dabei: Bis Ärzte die genaue Diagnose für die totale Entzündung des Gehirns und seiner Häute feststellen können, ist es längst zu spät.

Gehirnfressende Amöbe: Parasit durch Klimawandel womöglich bald auch in Deutschland?

Und es ist keine Besserung in Sicht, wie die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) laut „Ärzte-Zeitung“ mitteilen: „Aufgrund des fulminanten Verlaufs ist eine rechtzeitige und damit effiziente Therapie bisher nur äußerst selten gelungen.“ Obwohl es bislang nur relativ wenige Fälle durch den wohl tödlichsten Parasiten der Welt gibt, schrillen die Amöben-Alarmglocken weltweit. Dank des Klimawandels, der wohl auch zahlreiche Giftspinnen nach Deutschland treiben wird.

Yun Shen hat bezüglich der Ausbreitung des Parasiten Naegleria fowleri eine konkrete Vermutung. Gegenüber dem britischen „Guardian“ schließt der Umweltingenieur an der University of California Riverside eine weitere - wie die der Dasselfliege unter die Haut gehende - Verbreitung der Amöbe nicht aus. Indem er sagt: „Häufiger auftretende Wetterextreme infolge des Klimawandels – wie Überschwemmungen und Dürren – können das Ausbreiten der Krankheitserreger befördern.“

Gehirnfressende Amöbe ist nicht die einzige tödliche Gefahr der Natur für Menschen

Immer stärker ausbreiten werden sich dank des Klimawandels ebenfalls die giftigsten Spinnen der Welt. Aber auch in scheinbar harmlosen Salzgewässern wie dem beliebten Mittelmeer lauern zahlreiche Gefahren für Urlauber. Und sogar ein unscheinbarer Baum kann Menschen töten, ohne dass diese von seinen Früchten naschen.

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