Pandemie-Ticker für den Freistaat

Corona in Bayern: Zahl der Neuansteckungen steigt im Vergleich zur Vorwoche drastisch an

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
    schließen

In Bayern gibt es massive Kritik an der Teil-Impfpflicht. Die Inzidenz steigt weiter an. Der Corona-Überblick für Bayern.

+++ Die Schule beginnt nach den Osterferien wieder - noch gilt eine Testpflicht. Alle News im neuen Ticker für Bayern.+++

Update vom 26. April: Wie auch bundesweit steigt die 7-Tage-Inzidenz im Freistaat wieder: Laut RKI an diesem Morgen auf 849,2. Am 25. April hatte der Wert noch bei 802,4 gelegen. Unklar ist aber, ob die Gesundheitsämter-Daten die tatsächliche Infektionslage zeigen.

Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl an Fällen aus, die nicht vom RKI erfasst werden - wegen überlasteter Gesundheitsämter und weil nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen - nur diese zählen in der Statistik.

13.713 Corona-Neuansteckungen und 48 neue Covid-Todesfälle wurden binnen eines Tages registriert. Vor einer Woche lagen diese Zahlen bei 7480 beziehungsweise fünf.

Corona-Szene aus München: Die Inzidenz ist im April 2022 wieder steigend.

Corona in Bayern: Heftige Kritik an einrichtungsbezogener Impfpflicht

Update vom 25. April: Bayerns Landesamt für Pflege (LfP) kritisiert die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die in Pflegeberufen gilt. Das sagte der Leiter des LfP, Achim Uhl, der Augsburger Allgemeinen. „Man hat die einrichtungsbezogene Impfpflicht eingeführt mit der Idee, die besonders vulnerablen Gruppen schützen zu wollen“, sagte der LfP-Chef. Das finde er sinnvoll.

Bedauerlich sei für ihn jedoch, dass momentan die Berufsgruppe der Pflegekräfte herausgegriffen werde. „Es gibt andere Berufsgruppen mit einer ähnlichen Impfquote, für die aber keine Immunisierungspflicht besteht. Konsequent wäre natürlich eine generelle Impfpflicht, die, so hoffe ich, letztendlich doch noch umgesetzt wird“, sagte Uhl der Zeitung weiter.

Corona in Bayern: Inzidenz steigt weiter leicht an

In Bayern steigt die Corona-Inzidenz zudem seit Tagen wieder leicht an. Am Montagmorgen lag sie laut RKI Angaben bei knapp 802, nachdem sie in der Vorwoche schon mal auf 741 gesunken war. Diese Zahlen waren allerdings wegen der Osterfeiertage laut RKI nicht wirklich aussagekräftig. Insgesamt ist im Vergleich jedoch ein leichter Abwärtstrend zu beobachten. Vor Ostern lag die Inzidenz noch über 900.

Die höchste Inzidenz weist der Landkreis Neustadt-an-der-Aisch-Bad-Windsheim auf. Dort liegt sie bei 1467. Die niedrigste Inzidenz gibt es im Stadtgebiet Amberg mit 454. Im Stadtgebiet der Landeshauptstadt München liegt die Inzidenz derzeit bei 619,5.

Update vom 23. April: Aus für die Hotspot-Regelung in Mecklenburg-Vorpommern. Am Freitag wurde sie vom Oberverwaltungsgericht einkassiert. Das bestätigte auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) der zuvor häufig Kritik an der Bundesregelung übte. Die Hotspot-Regelung des Bundes sei handwerklich äußerst schlecht gemacht. „Die schwammigen und unnützen Formulierungen lassen sich eben nicht rechtssicher umsetzen“, sagte er am Freitagabend.

Der Landtag in Schwerin hatte bereits am 24. März das gesamte Bundesland zum Hotspot erklärt, um die auslaufenden Corona-Maßnahmen, wie die Maskenpflicht, weiter aufrechterhalten zu können. Das Gericht begründete in seinem Urteil, dass Feststellung eines Hotspots für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt einzeln hätte erfolgen müssen. Dies sei nicht erfolgt.

Corona in Bayern: Holetschek fordert Nachbesserung beim Infektionsschutzgesetz

Holetschek wertete das juristische Aus der Hotspot-Regelung in Mecklenburg-Vorpommern laut einem Sprecher als Schlappe für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Die Entscheidung des Gerichtes zeige, dass die Bundesregierung den Ländern ein untaugliches Werkzeug an die Hand gegeben habe. „Es war richtig, dass wir Bayern nicht insgesamt zum Hotspot erklärt haben.“

Weiter forderte der Minister am Abend, der Bund müsse beim Infektionsschutzgesetz für den Herbst deutlich nachbessern, anderenfalls „erwarte ich nichts Gutes“. Ohne eine allgemeine Impfpflicht und ohne die Möglichkeiten, Corona-Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht, Abstandsgebot und G-Regelungen einzusetzen, „laufen wir im Herbst und Winter blind und schutzlos in die nächste Welle“.

Erstmeldung vom 22. April: München – Bald sind sie schon wieder rum, die Osterferien. Das letzte Ferienwochenende steht vor der Tür. Für viele Kurzurlauber heißt es jetzt Koffer packen und ab nach Hause. Aber was passiert, wenn man aus dem Urlaub neben Souvenirs auch Corona mitgebracht hat. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) richtete deshalb einen dringenden Appell an die Reiserückkehrer.

Corona in Bayern: Holetschek appelliert an Osterurlauber, vorsichtig zu sein

„Bei Reisen und vermehrten Kontakten steigen die Infektionsrisiken. Deshalb sollte zum Beispiel vor der Rückkehr zum Arbeitsplatz nach dem Urlaub verstärkt auf mögliche Symptome geachtet werden“, heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitag aus dem Gesundheitsministerium. Weiter wird Holetschek zitiert: „Auch allgemein ist es wichtig, bei Krankheitszeichen, die auf COVID-19 hindeuten könnten, zu Hause zu bleiben. Außerdem sollte natürlich mit Tests für Klarheit gesorgt werden – im eigenen Interesse, aber auch zum Schutz der Mitmenschen.“

Der Minister zieht eine positive Bilanz nach der Aufhebung der meisten Corona-Maßnahmen Anfang April. „Trotz der Lockerung von Corona-Schutzmaßnahmen ist bislang ein starker Anstieg der Neuinfektionen ausgeblieben. Zugleich sank die Zahl an infizierten Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern. Aber wir müssen dennoch wachsam und vorsichtig bleiben.“ Er relativiert aber umgehend. „Wir können uns wieder ein gutes Stück mehr Normalität leisten! Klar ist aber: Gerade in Ferienzeiten und an Feiertagen wie am vergangenen Osterwochenende wird weniger getestet.“

Corona in Bayern: Inzidenz steigt seit Tagen – Zahl von Covid-Toten soll weitaus höher sein

Trotz des verlängerten Osterwochenendes steigt die Inzidenz allerdings schon seit Tagen langsam wieder an. Bundesweit liegt sie derzeit bei 733,4, in Bayern bei 780,8. Am Donnerstag lag sie noch bei 774,1 - mittwochs bei 768,9. Jedoch sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Experten gehen von einer hohen Zahl nicht erfasster Fälle aus, etwa weil nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen. Am Freitag meldete das RKI 25.121 neue Corona-Fälle in Bayern. 66 weitere Corona-infizierte Menschen starben den Angaben zufolge binnen 24 Stunden. 245 lagen am Freitag (Stand 8.05 Uhr) mit Covid-19 auf einer bayerischen Intensivstation.

Bei der Zahl der Corona-Toten müsse man auch aufpassen, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in einer Live-Schalte im Zuge des „Ludwig-Erhard-Gipfels“ in Gmund am Tegernsee. Neue Studien deuteten auch auf eine Unterschätzung bei den gemeldeten Sterbezahlen in den Industrieländern hin. Demnach könnten sie um den Faktor 1,8 oder 1,9 höher liegen. Wenn dies wirklich in dieser Dimension läge, müsste man davon ausgehen, dass in Deutschland weit über 200.000 Menschen in den vergangenen zwei Jahren an Covid-19 gestorben sein könnten, so der Minister.

Corona in Bayern: Lauterbach warnt vor neuem Sub-Typ aus Amerika

Weiter warnte Lauterbach, Corona nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es werde keinen nahezu Corona-freien Sommer wie im vergangenen Jahr geben. Dafür sei Omikron zu ansteckend. Und in den USA breite sich eine weitere, noch ansteckendere Untervariante aus. Besonders große Sorgen macht sich Lauterbach vor einer Kombination aus Omikron und Delta. Man müsse auch mit Varianten rechnen, die so stark gegen Impfungen fit seien wie Omikron, aber so tief in das Lungengewebe eingehen wie die Delta-Variante.

Dennoch blickt der Bundesgesundheitsminister auch positiv in die Zukunft. „Ich hoffe, dass das nicht kommt“, sagte Lauterbach. Er verteidigte es zugleich, solche „unbequemen Wahrheiten“ auszusprechen, auch wenn dies auf Kritik stoße. „Ich werde dafür bezahlt, die Wahrheit so vorzutragen, dass sie weder übertrieben ist noch unrealistisch optimistisch.“ Wenn er so etwas beschreibe, tue er dies auch, „damit wir uns gut vorbereiten können“. Neue Varianten könnten inzwischen sehr schnell erkannt und auf Mutationen hin ausgeleuchtet werden. (tel mit dpa)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa