Auffrischungs-Impfung

Vierte Corona-Welle: Drittimpfung bald für alle? Spahn macht Hammer-Ansage

  • Lisa Klein
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Die vierte Corona-Welle beginnt - und mit ihr auch die ersten Auffrischungsimpfungen – allerdings vorerst nur für wenige. Das könnte sich laut Spahn bald ändern.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) hat in Deutschland die vierte Welle der Corona-Pandemie bereits begonnen. Von Infektionen betroffen seien vor allem jüngere Menschen. „Damit zeigt sich nun deutlich der Beginn der vierten Welle, die insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt aufnimmt“, heißt es im jüngsten Bericht.

Angesteckt hat sich ein Teil der Betroffenen auch in Urlaubsländern, zum Beispiel auf dem Balkan, in der Türkei oder in Spanien. Das RKI schätzt eine Gefährdung für die Gesundheit der noch nicht oder erst einmal geimpften Bundesbürger insgesamt weiterhin als hoch ein. Für vollständig Geimpfte stufen die Forscher sie als moderat ein.

Doch wie lange hält der Impfschutz eigentlich an? Die ersten Bundesländer starten bereits mit den ersten Auffrischungsimpfungen. Die sogenannte „Booster-Impfung“ erhalten vorerst nur Personen in Pflegeeinrichtungen und besonders gefährdete Menschen. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwägt bereits ein Auffrischungsangebot für alle.

Vierte Corona-Welle: Vor allem jüngere Altergruppen betroffen - Drittimpfung für alle?

Bereits seit Anfang Juli komme es wieder zu einem Anstieg der Inzidenz vor allem in den Altersgruppen der 10- bis 49-Jährigen, heißt es in der RKI-Analyse. Ein ähnlicher Anstieg der Infektionen in der jüngeren Bevölkerung sei auch schon im Sommer 2020 zu beobachten gewesen, heißt es im Bericht. Allerdings erst fünf Wochen später, also Ende September oder Anfang Oktober. In diesem Sommer dominiert bisher die ansteckendere Delta-Variante – inzwischen zu 99 Prozent.

Der neue Anstieg der Inzidenzen hat Folgen. Der zuletzt allgemein abnehmende Trend von Covid-Patienten in Kliniken setzt sich zurzeit nicht fort, heißt es im RKI-Bericht. Die Zahlen befänden sich noch auf niedrigem Niveau, stiegen nun aber sichtbar an. Es sei mit Nachübermittlungen zur rechnen, weil Covid-Patienten häufig erst ein bis zwei Wochen nach der Diagnose in ein Krankenhaus kämen – zumeist mit schweren Atemwegsinfekten.

Vierte Corona-Welle beginnt: Spahn befürwortet Auffrischungsimpfung für alle

Der Großteil der Bevölkerung ist geimpft. Doch was passiert, wenn der Impfschutz bei den Geimpften nachlässt? Sollte es nicht auch ein baldiges Impfangebot mit Auffrischungen für alle geben? „In einem zweiten Schritt können wir dann darüber nachdenken, auch allen anderen eine Auffrischimpfung anzubieten“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

„Eine Booster-Impfung ist von den Zulassungen gedeckt, sie verstärkt und verlängert den Impfschutz“, erklärte er. Auch sei Impfstoff ausreichend vorhanden. Für die Auffrischimpfungen setzt Spahn nach eigenen Worten vor allem auf die Arztpraxen. Ende September gingen viele Impfzentren in den Stand-by-Modus, sagte er. In Baden-Württemberg sind alle zentralen Impfzentren seit dem 16. August bereits geschlossen.

Zur Forderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), vor einer dritten Impfung zunächst die ärmeren Staaten mit Impfstoff zu versorgen, sagte Spahn: „Mein Ziel ist beides: Auffrischimpfungen gewährleisten und den ärmeren Staaten Impfstoff spenden.“ Letzteres tue Deutschland bereits, indem alle noch ausstehenden AstraZeneca-Lieferungen direkt an die internationale Impfstoffinitiative Covax gingen.

Vierte Corona-Welle beginnt: Drittimpfung bald für alle? Das sagen die Experten

Der Virologe Christian Drosten hatte erklärt, dass seiner Meinung nach für den Großteil der Geimpften im Herbst keine Auffrischungsimpfung gegen Sars-CoV-2 nötig sein wird. „Die Schutzwirkung der Corona-Vakzinen ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“, hatte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesagt. Bei alten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten hält Drosten eine Auffrischungsimpfung in diesem Herbst für sinnvoll.

Impffortschitt (Stand: 20. August)

Insgesamt haben derzeit rund 64 Prozent der Bundesbürger mindestens eine Impfung gegen Covid-19 bekommen. Mehr als 58 Prozent wurden bereits vollständig gegen das SARS-CoV-2-Virus immunisiert.

Wünschenswert für ein Ausbremsen der Pandemie sind Impfquoten von 85 Prozent und mehr, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel auch nach dem letzten Corona-Gipfel betonte. Auch das Einhalten der Corona-Regeln wie Maske tragen und Abstand halten sowie das Testen bleibt nach RKI-Einschätzung wichtig.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Bei allen Corona-Vakzinen steigt das Risiko eines Impfdurchbruchs nach sechs Monaten an. Wir werden also vermutlich bald mehr Fälle sehen, sobald die Impfung bei etlichen Geimpften in Deutschland mehr als ein halbes Jahr zurückliegt.“

Auffrischungs-Impfungen in Deutschland: Wann werden sie nötig?

In der Regel seien Erkrankungen nach Corona-Impfdurchbrüchen nicht so gefährlich wie Erkrankungen bei Ungeimpften. „Die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, ist auch für diejenigen deutlich geringer, die etwa aufgrund ihrer Altersgruppe ohne Impfung ein erhöhtes Risiko der Hospitalisierung hätten.“

Es gebe aber laut Lauterbach zwei andere ernsthafte Probleme: „Laut einer neuen Studie kommt es bei 19 Prozent der Menschen mit Impfdurchbrüchen zu einem Long-Covid-Problem. Zudem sind diejenigen, die sich nach einem Impfdurchbruch infizieren, genauso ansteckend wie Ungeimpfte, wenn auch nicht so lange.“ Neue Studien gehen nach Angaben von Lauterbach davon aus, dass die Wirkung der Impfstoffe nach einer dritten Impfung wesentlich verlängert wird. „Der Schutz wird nicht dauerhaft sein, aber doch deutlich länger als ein halbes Jahr.“

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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