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Valneva: Das steckt hinter dem unbekannte Wirkverstärker im Totimpftsoff

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Von: Dominik Jahn

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Valneva: Das steckt hinter dem unbekannte Wirkverstärker im Totimpftsoff. © David Vincent/dpa

Valneva: Nach kritischer Aussage von Wissenschaftler - Angaben der US-Gesundheitsbehörde zum „unbekannten“ Wirkverstärker CpG 1018.

Valneva gilt als Ganzvirusimpfstoff im Kampf gegen Corona. Durch seinen Aufbau und die Herstellung wird das Vakzin des französischen Biotechnologieunternehmens zudem als klassischer Totimpfstoff beschrieben. Aktuell wartet man noch auf die Zulassung in Europa und befindet sich im Rolling-Review-Verfahren der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Doch ein enthaltener Wirkstoff steht besonders im Fokus.

Wie echo24.de bereits Anfang der Woche berichtet hat, hat sich Professor Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen zuletzt gegenüber der Apotheken Umschau hinsichtlich eines Wirkverstärkers in Valneva kritisch geäußert.

Wirkverstärker CpG 1018 in Valneva: Wissenschaftler äußert sich kritisch

Neben dem bekannten und bereits in Impfstoffen häufig verwendeten Wirkverstärker Aluminiumhydroxid, wird auch der Wirkverstärker CpG 1018 bei der Herstellung vom Totimpfstoff von Valneva verwendet. Für Professor Christian Bogdan bleiben dabei Fragen offen. Noch ist er in Deutschland gar nicht zugelassen.

Nicht nur in Valneva enthalten: Erfahrungen mit Wirkverstärker CpG 1018

Doch was steckt hinter dem Wirkverstärker CpG 1018? Aktuell kommt er in einem Impfstoff gegen Hepatitis B zum Einsatz. Hergestellt wird das entsprechende Vakzin vom Unternehmen Dynavax Europe - laut eigener Angaben die europäische Tochtergesellschaft der Dynavax Technologies Corporation. Seit 25 Jahren entwickelt die Firma Impfstoffe und Biopharmazeutika.

Wirkverstärker/Adjuvantien

Laut einer Definition des Paul-Ehrlich-Instituts, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, sind Adjuvantien Bestandteile vieler inaktivierter und Subunit- Impfstoffe. Sie werden als Hilfsmittel eingesetzt, um im Körper der geimpften Person die Immunantwort auf Antigene zu verstärken (Wirkverstärker). Antigene sind Bestandteile des Erregers, die bei einem Impfstoff vom Immunsystem erkannt und Schutz vor der Infektionskrankheit erzeugen sollen. Das Immunsystem bildet nach der Impfung schützende Antikörper und spezifische Immunzellen (T-Zellen) gegen diese Antigene, sodass das Immunsystem bei Kontakt mit dem „echten“ Erreger diesen erkennt und bekämpft.

In Europa ist der Hepatitis B-Impfstoff mit dem in Valneva enthaltene Wirkverstärker bereits seit 18. Februar 2021 zugelassen. Dynavax schreibt auf seiner Internetseite zu CpG 1018: „CpG 1018 wurde klinisch untersucht und als Impfstoff-Adjuvans für den Hepatitis-B-Impfstoff HEPLISAV-B von Dynavax entwickelt. Die präklinischen und klinischen Studien zeigen, dass die Zugabe von CpG 1018 die Antikörperkonzentrationen erhöht.“

Nebenwirkungen bei anderem Impfstoff mit CpG 1018

Laut dem Beitrag werden dabei Helfer- (CD4+) und zytotoxische (CD8+) T-Zellpopulationen stimuliert und robuste T- und B-Zell-Gedächtnisantworten erzeugt. Außerdem sorgt der Wirkverstärker, laut den Forschungen des Unternehmens, für eine verstärkte Entwicklung der Th1-Untergruppe der T-Helferzellen, des Typs von T-Helferzellen, der für den Schutz vor Infektionen mit Viren und intrazellulären Bakterien unerlässlich ist. CpG 1018 zielt auf einen einzelnen, gut definierten Rezeptor (TLR9) ab.

Rezeptor (TLR9)

Toll-like-Rezeptoren sind Strukturen des angeborenen Abwehrsystems. Sie sind Teil einer Struktur, die ausschließlich auf oder in Krankheitserregern vorkommt, und steuern entsprechende Aktivierungen. TLR9 wurde auch als CD289 bezeichnet. Es gehört zur Familie der Toll-like-Rezeptoren (TLR). TLR9 ist ein wichtiger Rezeptor, der in Zellen des Immunsystems in Erscheinung tritt.

Bei der Verwendung des Hepatitis B-Impfstoffes mit CpG 1018 kam es nach den vorhandenen Erkenntnissen zu keinen großeren unerwünschten Folgen. Genannt werden: Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Unwohlsein, Ermüdung und Muskelschmerzen. Vereinzelt Fieber. Vergleichbare Nebenwirkungen konnten die Wissenschaftler in der Phase-III-Studie zur Wirkung von Valneva feststellen.

Angaben der US-Gesundheitsbehörde zu Valneva-Wirkverstärker CpG 1018

Auch bei US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC lassen Angaben zum Wirkverstärker CpG 1018 im Valneva-Totimpftsoff finden. Dort heißt es: „CpG 1018 ist ein kürzlich entwickeltes Adjuvans, das im Heplisav-B-Impfstoff verwendet wird. Es besteht aus Cytosin-Phosphoguanin (CpG)-Motiven, einer synthetischen Form der DNA, die bakterielles und virales genetisches Material nachahmt. Wenn CpG 1018 in einem Impfstoff enthalten ist, erhöht es die Immunantwort des Körpers“.

Cytosin-Phosphoguanin (CpG)/ CpG-Dinukleotid

Laut Definition ist ein CpG-Dinukleotid ein chemischer Zusammenschluss von zwei Nukleotiden (Bausteine von Nukleinsäuren). Diese enthalten die Nukleobasen Cytosin beziehungsweise Guanin. Im Englischen wird üblicherweise die Bezeichnung CpG site und CpG dinucleotide verwendet. Der Begriff „CpG-Dinukleotid“ bezieht sich dabei grundsätzlich auf eine Stelle innerhalb der DNA, der die Anteile Desoxycytidin, Phosphorsäure und Desoxyguanosin enthält.

In klinischen Studien vor der Zulassung waren die Nebenwirkungen nach Heplisav-B vergleichbar mit denen, die nach einem anderen in den USA zugelassenen, nicht adjuvantierten Hepatitis-B-Impfstoff beobachtet wurden.

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