Die Herstellung von Totimpfstoffen birgt Gefahren

Impfstoff von Valneva: Die Nebenwirkungen sind bekannt – Kritik von Experte

COVID-19 Vaccination In The EU Continues
+
Valneva: Diese Nebenwirkungen des Totimpfstoffs sind bekannt - Experte kritisiert.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
    schließen

Valneva gilt als erster klassischer Totimpfstoff aus der Gruppe der Ganzvirusimpfstoffe. Experte spricht kritisch über mögliche Nebenwirkungen.

Die Anzahl der Impfstoffe gegen Corona wird sich in Deutschland vergrößern. Neben den aktuell verwendeten mRNA-Impfstoffen von Biontech, Moderna und AstraZeneca, könnten bald mit Novavax und Valneva zwei weitere Vakzine zur Verfügung stehen. Beide werden in der Öffentlichkeit zu den Totimpfstoffen gezählt. Bei Novavax sehen Experten allerdings eine andere Klassifizierung. Die aktuellste Studie zu Valneva zeigt neben der Wirksamkeit gegen Corona auch mögliche Nebenwirkungen.

EMA bewertet Studie zu Valneva

Zuletzt wurde bekannt, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Impfstoff Valneva dem Rolling-Review-Verfahren unterzieht. Damit könnte sich die Zulassung für Europa beschleunigen. Gerade Impfskeptiker, die nicht auf die mRNA-Vakzine vertrauen, setzen große Hoffnungen in die sogenannten Totimpfstoffe und ihre Wirkung.

Die Ergebnisse aus der Phase-3-Studie im Oktober 2021 werden von den Experten als sehr positiv bewertet. Die EMA erklärte dazu: „Diese Studien legen nahe, dass die Vakzine die Produktion von Antikörpern anregt, die sich gegen SARS-CoV-2 richten, und helfen könnte, vor der Erkrankung zu schützen.“

Die Studie zu Valneva: „Unberechenbare“ Herstellung

Bei aller Freude über positive Ergebnisse, werden in der Studie von Valneva auch die Nebenwirkungen des Impfstoffes ins Visier genommen. Laut einem Bericht des NDR aus dem November könnte es gerade bei Totimpfstoffen ein höheres Risiko von unerwünschten Impf-Folgen geben. In dem Beitrag heißt es: „Der Totimpfstoff von Valneva besteht aus Coronaviren, die in einer Zellkultur vermehrt und anschließend abgetötet und zu Impfstoff verarbeitet wurden. Damit das Immunsystem darauf reagiert, wird ein Wirkverstärker (Adjuvans) hinzugefügt, meist ein Aluminiumsalz“.

Auf dieses „Misch-Ergebnis“ bildet das Immunsystem dann eine Antwortet auf das gesamte Virus - nicht nur auf das Spike-Protein. Doch dieser Vorgang birgt demnach auch Gefahren. Die Herstellung könne zu Schwierigkeiten führen: „Das sei gerade in Verbindung mit den Adjuvantien schwierig zu kontrollieren, warnen Experten, zumal das Coronavirus sehr unberechenbar sei“.

Adjuvant

Ein Adjuvant ist laut Definition von chemie.de in der Pharmakologie und Labormedizin ein Hilfsstoff, der die Wirkung anderer Reagenzien oder anderer Bestandteile eines Arzneimittels verstärkt. Ein reines Adjuvans sollte darüber hinaus keine eigene pharmakologische Wirkung haben beziehungsweise möglichst wenig unerwünschte Nebenwirkungen zeigen.

Es sei sehr „schwierig abzuschätzen, welche Nebenwirkungen der Totimpfstoff hervorrufen könnte. Da das Immunsystem auf das ganze Virus reagieren müsse, könne dabei auch viel schiefgehen“.

Valneva-Nebenwirkungen: Experte äußert sich kritisch

Das französische Biotechnologieunternehmen selbst schreibt in der Studie zum Impfstoff Valneva bezüglich möglicher Nebenwirkungen: „Es wurden keine unaufgeforderten behandlungsbedingten schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (SAE) berichtet. Weniger als 1 % berichteten in beiden Behandlungsgruppen über ein unerwünschtes Ereignis von besonderem Interesse“.

Valneva spricht bei seiner Auswertung der Studie zu den Nebenwirkungen von 73,2 Prozent der mit VLA2001 geimpften Teilnehmern, die über Reaktionen an der Injektionsstelle berichteten. Systemische unerwünschte Reaktionen traten bei 70,2 Prozent der Geimpften auf.

ReaktionBeispiele
lokale ReaktionenSchwellung, Rötung
allergische ReaktionAnaphylaxie (von Hautreaktionen bis zum anaphylaktischen Schock)
systemische ReaktionLymphknotenschwellung, Fieber, Ausschlag

Sehr kritisch blickt Professor Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen auf das Ergebnis. Gegenüber der Apotheken Umschau erklärt er: „Ungefähr 2.000 Menschen haben in der Studie den Valneva-Impfstoff bekommen. Ich kann auf dieser Basis keine verlässliche Aussage zu Nebenwirkungen machen, die seltener vorkommen als 1 in 100. Das ist statistisch nicht möglich.“

Wie Valneva: Auch Novavax mit Nebenwirkungen

Ganz ohne Nebenwirkungen geht es aber auch bei Novovax nicht. Auch die andere „neue“ Impfstoff-Hoffnung zeigt in einer letzten Studie neben guter Wirksamkeit auch einige Folgen der Injektion mit dem Vakzin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema