Wissenschaftler sieht enthaltene Wirkstoffe durchaus kritisch

Valneva: Die Wirkverstärker im Totimpfstoff - Experte hat Bedenken

Impfstoff Valenva
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Zweifel an Valneva? Unbekannter Wirkverstärker im Totimpfstoff.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Valneva gilt als große Hoffnung bei Impf-Skeptikern. Für einen Professor könnten sich bei einem Wirkverstärker Probleme auftreten.

Die Zulassung für Europa scheint nur eine Frage der Zeit. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) unterzieht Valneva weiter dem sogenannten Rolling-Review-Verfahren (Stand 21. Februar). Damit wird die Freigabe beschleunigt. Das Vakzin des französischen Biotechnologieunternehmens konnte mit seiner Phase-III-Studie zur Wirksamkeit durchaus überzeugen. Doch einen Bestandteil des Impfstoffes sieht ein Wissenschaftler kritisch.

Die Vergleichs-Studie mit AstraZeneca und die Gegenüberstellung mit Novavax zeigen für Valneva sehr gute Ergebnisse. Auch wird der Wirkstoff in seiner Herstellung allgemein als klassischer Totimpfstoff betrachtet - bei Novavax sehen es die Experten da hingegen etwas anders. Doch bei der Betrachtung der eingesetzten Wirkstoffe gibt es auch Kritik, oder zumindest Bedenken.

Valneva: Ein Wirkverstärker im Impfstoff ist unbekannt

In einem wissenschaftlichen Beitrag von Anfang Dezember 2021 in der Apotheken Umschau zu Valneva äußerte sich Professor Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen. Er stellt in seinen Aussagen zwei Wirkverstärker des Impfstoffes in den Fokus.

Das sind Bestandteile, die „dafür sorgen sollen, dass die Immunantwort des Körpers stärker ausfällt“. Dabei handelt es sich laut dem Beitrag um Aluminiumhydroxid und CpG 1018. Mit Aluminiumhydroxid habe man bereits Erfahrungen gesammelt in zahlreichen anderen Vakzinen. Es ist unter anderem in Impfstoffen gegen Hepatitis A, Hepatitis B, Japanische Encephalitis oder FSME enthalten*. Bogdan: „Das ist fein, diesen Hilfsstoff kennen wir seit vielen Jahrzehnten.“
*Angaben laut Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, Abteilung Virologie, Langen, Deutschland

Unbekannter Wirkverstärker in Valneva: Experte äußert Bedenken

Der andere Wirkverstärker im Totimpfstoff bereitet dem Fachmann allerdings mehr Bauchschmerzen. Wie in dem Artikel beschrieben, bindet CpG 1018 an einen Rezeptor (TLR9), der dann Immunzellen stimuliert. Zwar sei dieser Verstärker bereits in einem zugelassenen Impfstoff gegen Hepatitis B enthalten, aber dabei gibt es einen Haken. Professor Christian Bogdan: „Der neue Hepatitis B-Impfstoff ist in Deutschland aber noch gar nicht auf dem Markt.“

Rezeptor (TLR9) / Toll-like-Rezeptoren

Laut Definition von gesundheitsinformation.de versteht man unter einem Rezeptor Zellen oder Zellbestandteile, die auf bestimmte Reize reagieren und Signale weiterleiten. Im Auge zum Beispiel erfassen sie Lichtreize. Aber Rezeptoren sind auch Eiweiße auf der Oberfläche oder im Inneren von Zellen. Sie sind die Andockstellen für Hormone und andere Botenstoffe.

Toll-like-Rezeptoren sind jetzt Strukturen des angeborenen Abwehrsystems. Sie sind Teil einer Struktur, die ausschließlich auf oder in Krankheitserregern vorkommt, und steuern entsprechende Aktivierungen. TLR9 wurde auch als CD289  bezeichnet. Es gehört zur Familie der Toll-like-Rezeptoren (TLR). TLR9 ist ein wichtiger Rezeptor, der in Zellen des Immunsystems in Erscheinung tritt.

Und der Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen erläutert seine Bedenken bezüglich des Wirkverstärkers in Valneva: „Über die Menschen hinaus, die mit diesem Impfstoff im Rahmen der Studien immunisiert worden sind, haben wir mit dem Wirkverstärker CpG 1018 bisher keine klinischen Erfahrungen.“

Valneva und Novavax: Wissenschaftler rät davon ab zu warten

Der erfahrene Wissenschaftler rät zudem allen Impf-Zögerern sich nicht auf die Zulassung von Valneva zu verlassen, oder generell auf Totimpfstoffe zu warten: „Man kann jetzt nicht, weil hier ein klassisches Impfstoffkonzept benutzt wurde, a priori annehmen, dass dieser Impfstoff wirksamer oder sicherer wäre.“ Bogdan wird gegenüber der Apotheken Umschau noch deutlicher: „Ich würde im Moment jedem, der nicht geimpft ist, raten, sich jetzt definitiv schleunigst impfen zu lassen. Ansonsten wird er in den kommenden Wochen Teil der ‚Pandemie der Ungeimpften‘ sein.“

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