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Wird De Santis zu gefährlich für Trump?

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Von: Nail Akkoyun

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Ron DeSantis neben Donald Trump
Ron DeSantis neben Donald Trump, fotografiert im Jahr 2018. © Evan Vucci / AP / dpa

Die Republikanische Partei vollzieht den Wandel zur Trump-Fraktion. Doch die Radikalisierung könnte die „Grand Old Party“ die US-Wahl 2024 kosten.

Washington D.C. – Kaum hatte Liz Cheney die Vorwahl im Bundesstaat Wyoming verloren, brachte sie eine mögliche Kandidatur bei der US-Präsidentschaftswahl in zwei Jahren ins Spiel: „Ich denke darüber nach und werde mich in den kommenden Monaten entscheiden“, erklärte Cheney auf eine entsprechende Frage einer NBC-Fernsehmoderatorin. Es wäre ein wohl aussichtsloses Unterfangen.

Anschließend scheiterte die 56-Jährige krachend im Duell gegen ihre Kontrahentin Harriet Hageman und verliert damit ihren Sitz im US-Repräsentantenhaus. Als Tochter von Dick Cheney, einem der einflussreichsten Republikaner und dem wohl mächtigsten Vizepräsidenten der US-Geschichte, sollte man meinen, dass ein Sieg bei einer Vorwahl ein leichtes für Liz Cheney wäre. Doch sie hat ihre Rechnung ohne Donald Trump gemacht.

Denn im Gegensatz zu Cheney handelt es sich bei Harriet Hageman um eine glühende Unterstützerin von Trump. Sie steht für die Republikanische Partei, die Trump seit 2016 maßgeblich mitformt. Denn obwohl er seit zwei Jahren aus dem Amt ist, verfügt der frühere Präsident noch immer über reichlich Einfluss innerhalb der Partei – doch genau das könnte den Republikaner:innen zum Verhängnis werden.

Republikanische Partei: Trump-Loyalist:innen sind erwünscht

Während man innerhalb der Partei inzwischen radikale Politiker:innen bevorzugt, konnte die Republikanische Partei in der Vergangenheit in demokratischen Hochburgen wie Maryland oder Massachusetts Erfolge verzeichnen, wenn sie moderate Kandidat:innen aufstellte. Doch die republikanischen Wähler:innen haben in mehreren demokratischen Bundesstaaten, darunter Maryland und Connecticut, Anhänger:innen von Donald Trump nominiert.

Der zunehmende Trumpismus innerhalb der Republikanischen Partei könnte die eigenen Chancen bei der anstehenden US-Wahl zunichtemachen.
Der zunehmende Trumpismus innerhalb der Republikanischen Partei könnte die eigenen Chancen bei der anstehenden US-Wahl zunichtemachen. © Robin Rayne/Imago

In Massachusetts steht man nächsten Monat vor einer Bewährungsprobe, wenn sich die republikanischen Wähler:innen zwischen einem von Trump unterstützten Konservativen und einem gemäßigteren Republikaner für den Gouverneurskandidaten für die Midterms 2022 entscheiden. Die Niederlage von Liz Cheney in Wyoming könnte jedoch bereits als Omen gedient haben.

Die USA wollen „eine Republikanische Partei, die sich an die Regeln der Demokratie hält“

„So kann es nicht weitergehen“, sagte der frühere US-Abgeordnete Christopher Shays aus Connecticut, ein moderater Republikaner und Trump-Kritiker, im Gespräch mit der Associated Press. Shays glaubt, dass viele der Trump-Kandidat:innen zwar die republikanische Basis überzeugen, nicht aber die breite Masse: „Viele der Trump-Kandidaten, die die Vorwahlen gewonnen haben, werden die Parlamentswahlen verlieren. Und es gibt viele unzufriedene Republikaner, die jetzt im Amt sind und glauben, dass der Senat jetzt in Gefahr ist, demokratisch zu bleiben.“

Politiker:innen, die sich gegen Donald Trump stellen, würden „entweder verlieren oder in den Vorruhestand gehen. […] Wo führt das hin?“, fragte auch der Journalist Jeet Heer im Podcast „Time of Monsters“ des US-Magazins The Nation. In Zukunft werde man innerhalb der Partei „immer weniger Liz Cheneys“ haben, sagte Heer.

Man müsse erkennen, dass „die Prinzipien, für die Cheney steht, in der Republikanischen Partei keine große Zukunft haben“. Allerdings wolle man in den USA eine „Republikanische Partei, die sich an die Regeln der Demokratie hält“.

Republikanische Partei: Ron DeSantis könnte 2024 statt Donald Trump antreten

Fakt ist, dass die US-Präsidentschaftswahl in den sogenannten „Swing States“ von Wechselwähler:innen entschieden wird. Menschen, die sich von Trumps Politik schlussendlich nicht repräsentiert fühlten oder aber von der radikalen Rhetorik der Republikaner:innen abgeschreckt werden, dürften ihr Kreuzchen im November 2024 wohl kaum bei der „Grand Old Party“ machen. Das Problem ist allerdings, dass sich die Republikanische Partei mittlerweile immer mehr zur Partei von Donald Trump entwickelt.

„Eine republikanische Vorwahl zu gewinnen, ist das eine, mit dem Wahlbetrugsthema. Aber bei der eigentlichen Wahl finden Wechselwähler solche Kandidaten eher abstoßend“, sagte Gunner Ramer der konservativen Denkfabrik The Bulwark gegenüber tagesschau.de. Stattdessen würden Trump-Loyalist:innen die Wahlchancen der Demokratischen Partei in den Swing States sogar noch erhöhen.

Geht es nach Ramer, werden die Republikaner:innen in zwei Jahren nicht auf Donald Trump, sondern auf Ron DeSantis setzen. Der ambitionierte Gouverneur von Florida wurde einst als künftiger „running mate“ von Trump gehandelt, könnte diesem nun aber schlussendlich die Show stehlen. Ob DeSantis, selbst erzkonservativ und beliebt bei vielen Trump-Anhänger:innen, auch Unentschlossene von sich überzeugen könnte, ist fraglich. (nak)

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