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Ukraine-Krieg: Ausnahmezustand in Grenzregionen – Zehntausende fliehen aus Russland

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Von: Tobias Utz, Moritz Serif, Tim Vincent Dicke, Vincent Büssow, Lucas Maier, Jan-Frederik Wendt, Christian Stör, Sarah Neumeyer

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Russland hält Scheinreferenden ab. Derweil wird ein provisorisches Lazarett entdeckt: die Lage im News-Ticker am Dienstag, 27. September.

+++ 20 Uhr: Nach Ankündigung der Teilmobilisierung haben inzwischen zehntausende Russland verlassen. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte vergangene Woche die Teilmobilmachung von hunderttausenden Reservisten angekündigt. Seit Mittwoch (21. September) sind etwa 98.000 russische Staatsbürgerinnen und -bürger allein nach Kasachstan gereist, teilte die Migrationsbehörde des kasachischen Innenministeriums nach Informationen der Agentur Interfax mit.

Rund 66.000 Bürgerinnen und Bürger seien in die EU eingereist, hieß es seitens der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex. Das sei ein Anstieg um mehr als 30 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Viele seien überwiegend nach Finnland und Estland geflohen. Sollte Russland seine Grenzen für Wehrfähige schließen, rechnet Frontex mit zunehmend illegalen Grenzübertritten. Auch an der Grenze nach Georgien stauten sich am Wochenende kilometerlange Autoschlangen.

Finnische Grenzbeamte kontrollieren am Wochenende ein russisches Fahrzeug an einer Grenzkontrollstelle.
Finnische Grenzbeamte kontrollieren am Wochenende ein russisches Fahrzeug an einer Grenzkontrollstelle. © Jussi Nukari/dpa

In Lettland herrscht inzwischen der Ausnahmezustand. So wurde der Grenzübergang Pededze am Dienstag (27. September) von der Regierung in Riga geschlossen, um die Einreise russischer Bürgerinnen und Bürger zu reduzieren. Der Ausnahmezustand ermöglicht Lettland, auf zusätzlichen Ressourcen zum Grenzschutz zurückgreifen zu können. Zudem wurde der Grenzschutz angewiesen, die Grenze verstärkt zu überwachen, wie die Staatskanzlei mitteilte. Zusammen mit Estland, Litauen und Polen hatte Lettland die Einreise für viele Menschen aus dem Nachbarland gestoppt.

News zum Ukraine-Krieg: Kiew setzt Gegenoffensive fort

+++ 18.30 Uhr: Das ukrainische Militär setzt seine Gegenoffensive östlich von Isjum in der Region Charkiw fort. Ukrainischen Angaben zufolge soll die Siedlung Pisky-Radkiwski teilweise befreit worden sein. „Das Dorf Pisky-Radkiwski steht bereits unter der Kontrolle der Streitkräfte der Ukraine“, schrieb der Rat der Nachbarsiedlung Borowa auf Facebook. Die ukrainischen Verteidiger würden dort aber noch immer „Gruppen russischer Soldaten“ orten, hieß es weiter. Zudem müssten noch Minen geräumt werden. Derzeit würden weitere ukrainische Streitkräfte entlang des Flusses Oskil in Richtung Norden vorstoßen, um das besetzte Dorf Borowa zu befreien.

News im Ukraine-Krieg: Kreml sucht nach Erklärungen für „Fehler“

+++ 17.00 Uhr: Der Kreml sucht offenbar händeringend nach Erklärungen für die „Fehler“ in der Teilmobilisierung, wie es die russische Regierung selbst bezeichnete. Insbesondere im russischen Staatsfernsehen wird nun versucht, die Schuld auf der Bürokratie des Landes abzuwälzen. Dort ist von „unmotivierten“ und „leichtsinnigen“ Angestellten in Rekrutierungsbüros die Rede, wie es in einer Analyse des Thinktanks „Institute for the Study of War“ heißt. Dies bestätigt auch eine Aussage des Gouverneurs der Region Omsk: Die Bürokratie sei „der Feind des Patriotismus“. Mit dieser Strategie wird vor allem versucht zu erklären, warum teils wehrunfähige Männer für den Ukraine-Krieg eingezogen wurden.

+++ 15.45 Uhr: Russland plant nach den Scheinreferenden einen neuen „föderalen Distrikt Krim“ einzurichten. Dieser soll nicht nur die Halbinsel Krim, sondern auch die besetzten Gebiete Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja umfassen. Das berichtet das Nachrichtenportal Kyiv Independent unter Berufung auf Informationen russischer Medien.

News zum Ukraine-Krieg: Langer Stau in Grenzregion zwischen Russland und Georgien

+++ 15.00 Uhr: In der Grenzregion zwischen Russland und Georgien harren Tausende Menschen in ihren Autos aus. Aufnahmen des US-amerikanischen Satellitenunternehmens „Maxar Technologies“ zeigen die Schlangen. Zuvor wurde bekannt, dass das russische Militär in Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst einen Stützpunkt an der Grenze errichten will. Ziel der Aktion sei es, Männer im wehrfähigen Alter zu überprüfen (s. Update v. 10.30 Uhr).

+++ 13.30 Uhr: Laut Angaben des US-Thinktanks „Institute for the Study of War“ versucht die russische Regierung derzeit „Fehler“ bei der Teilmobilisierung zu beheben. Teil davon seien Maßnahmen gegen die anhaltenden Proteste in Russland. Verstöße gegen das sogenannte Mobilisierungsgesetz seien „individuelle Fehler“, „unvorsichtige Mitarbeiter“ müsse man nun bestrafen. Die Angaben der Denkfabrik sind nicht unabhängig verifizierbar.

+++ 12.00 Uhr: Russische Stellvertreter haben die Stadt Enerhodar (Oblast Saporischschja) für die Ausreise gesperrt – und drohen der Bevölkerung mit einer Mobilisierung für den Krieg. Das teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit.

+++ 11.15 Uhr: Der ehemalige Kremlchef Dmitri Medwedew hat abermals Russlands angebliches Recht eines Atomwaffeneinsatzes betont. Auf Telegram erklärte er, dass dies eine Option sei, „wenn das notwendig sein sollte“. Ein Atomwaffen-Einsatz sei in „festgelegten Fällen“ und in „strikter Übereinstimmung mit den Grundsätzen der staatlichen Politik zur nuklearen Abschreckung“ möglich, so Medwedew weiter. Russland werde zudem alles dafür tun, dass beispielsweise die Ukraine keinerlei Zugang zu Atomwaffen bekomme, auch andere „feindliche Staaten“ seien damit gemeint.

+++ 10.30 Uhr: Derzeit bewegt sich offenbar ein russischer Militärkonvoi in die Grenzregion zu Georgien. Wie das Nachrichtenportal Nexta berichtet, soll dort ein neuer Stützpunkt errichtet werden, an dem wehrfähige Männer vor der Ausreise gehindert werden sollen. Der Konvoi startete demnach in der Stadt Wladikawkas. Bereits am Montag wurde berichtet, dass der russische Geheimdienst FSB eine derartige Operation aktuell leitet. Die genannten Angaben sind nicht unabhängig prüfbar.

+++ 09.30 Uhr: Der britische Geheimdienst geht davon aus, dass die russische Regierung mit Annexionen der besetzten Gebieten den Angriffskrieg auf die Ukraine vor der eigenen Bevölkerung rechtfertigen will. In einem Lagebericht heißt es, dass dies Teil der „speziellen Militäroperation“ sei. Am Dienstag laufen die Scheinreferenden in den besetzten ukrainischen Gebieten aus.

News zum Ukraine-Krieg: Russische Lazarett gefunden

+++ 08.45 Uhr: Die ukrainische Polizei hat Aufnahmen eines verlassenen Lazaretts russischer Soldaten veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein provisorisches Gebäude in der durch ukrainische Truppen befreiten Stadt Isjum. Laut Angaben der Polizei lagen dort Verletzte unter unhygienischen Bedingungen auf dem Boden. Das bestätigen offenbar Blutspuren. Die Ermittlungsbehörden fanden bei der Durchsuchung des Lazaretts unter anderem Medikamente und Verbandsmaterial aus den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Angaben der Polizei sowie der Nachrichtenagentur Ukrinform sind nicht unabhängig verifizierbar. Allerdings bestätigen Aufnahmen, die auf YouTube veröffentlicht wurden, die beschriebene Szenerie.

News zum Ukraine-Krieg: Russische Truppen sperren Teile der Region Cherson

+++ 07.45: Die russischen Streitkräfte haben die besetzten Teile der Region Cherson im Süden der Ukraine vollständig für die Ein- und Ausreise gesperrt. Das berichtet das Nachrichtenportal Kyiv Independent unter Berufung auf den Generalstab des ukrainischen Militärs. Die Regierung in Kiew hatte zuvor die Bewohner aufgefordert, das Gebiet aufgrund der ukrainischen Gegenoffensive zu evakuieren. Währenddessen kam es zu erneuten russischen Raketenangriffen auf ukrainische Städte: Dem Bericht zufolge ereigneten sich die Raketeneinschlägen in den südukrainischen Städten Saporischschja und Mykolajiw.

Update vom Dienstag, 27. September, 06.00 Uhr: In den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine findet der letzte Tag der Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland statt. Die Ukraine und der Westen sehen in den Zwangsabstimmungen einen Völkerrechtsbruch. Es wird erwartet, dass die Gebiete annektiert und womöglich schon am Freitag von Putin zu russischem Staatsgebiet erklärt werden. (vbu/jfw/tvd/cs/lm/sne/tu mit dpa/AFP)

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