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Ukraine-Krieg: Massengräber bei Isjum – Russland wehrt sich gegen „Lügen“ 

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Von: Helena Gries, Tobias Utz, Teresa Toth, Constantin Hoppe, Johanna Soll, Nadja Austel, Nail Akkoyun, Lucas Maier

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Kiew meldet im Ukraine-Krieg einen Raketeneinschlag in der Nähe des AKW Piwdennoukrajinsk im Süden des Landes. Der News-Ticker am Montag, 19. September.

+++ 12.30 Uhr: Russland hat die Vorwürfe zu den Massengräbern in der Nähe der Stadt Isjum im Osten der Ukraine als „Lügen“ zurückgewiesen. „Das sind Lügen. Wir werden natürlich die Wahrheit in dieser Geschichte verteidigen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Nach Angaben ukrainischer Behörden wurden nach der Rückeroberung des lang von russischen Truppen besetzten Gebietes von Isjum durch ukrainische Einheiten mehr als 440 Gräber und ein Massengrab entdeckt. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine hat Russland mehrfach dementiert, dort Gräueltaten verübt zu haben.

Ukraine-Krieg: Ein Massengrab mit mutmaßlichen Kriegsopfern am Stadtrand von Isjum
Aufnahme vom 17. September: Ein Massengrab mit mutmaßlichen Kriegsopfern am Stadtrand von Isjum. © Juan Barreto/AFP

+++ 11.45 Uhr: Laut der Nachrichtenagentur AP hat der staatliche ukrainische Atomkraftwerksbetreiber Enerhoatom den russischen Raketenangriff auf das Kernkraftwerk Piwdennoukrainsk (s. Update v. 10.30 Uhr) als Akt des „nuklearen Terrorismus“ bezeichnet.

News zum Ukraine-Krieg: Kiew meldet Raketeneinschlag bei AKW Piwdennoukrajinsk

+++ 10.30 Uhr: In der Nähe des Atomkraftwerks Piwdennoukrainsk in der Südukraine ist nach Angaben von Wolodymyr Selenskyj eine russische Rakete eingeschlagen. Er warf Russland die Gefährdung der ganzen Welt vor. „Wir müssen es stoppen, solange es nicht zu spät ist“, schrieb er in den sozialen Netzwerken. Das AKW liegt knapp dreihundert Kilometer südlich der Hauptstadt Kiew. Im Betrieb befinden sich drei Reaktoren mit einer Nettoleistung von 2850 Megawatt.

Auch der staatliche ukrainische Atomkraftwerksbetreiber Enerhoatom berichtete von einem Raketenangriff auf das Industriegelände beim AKW. Dabei seien drei Hochspannungsleitungen und eine Anlage des nahen Wasserkraftwerks beschädigt worden. In dem AKW-Gebäude selbst seien mehr als 100 Fenster durch die Druckwelle zerstört worden. Der Konzern veröffentlichte Fotos von einem Krater mit vier Metern Durchmesser und zwei Metern Tiefe.

+++ 08.25 Uhr: Russland schickt 400 Häftlinge zum Kampf in die Ukraine. Das meldet der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte. Demnach hätte Russland weiterhin Schwierigkeiten, Arbeitskräfte für den Krieg zu rekrutieren, und greife daher auf russische Sträflinge zurück. Berichten zufolge wurden 400 Gefangene aus Tambow zum Kampf in die Ukraine geschickt.

Der Generalstab berichtete außerdem, dass die ukrainischen Streitkräfte drei russische Angriffe zurückgeschlagen und Luftangriffe auf russische Stellungen geflogen hätten.

News zum Ukraine-Krieg: Kiew plant Rückeroberung von Mariupol und Cherson

Update vom Montag, 19. September, 06.30 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat neue Angriffe auf das von russischen Truppen besetzte Gebiet in der Ukraine angekündigt. „Vielleicht erscheint es irgendjemandem unter Ihnen so, dass nach einer Reihe von Siegen Stille eingetreten ist, doch das ist keine Stille“, sagte Selenskyj am Sonntag in seiner täglichen Videoansprache. Vielmehr sei es die Vorbereitung auf die nächste Offensive, deren Ziel die Rückeroberung von Mariupol, Melitopol und Cherson sei.

Nach Angaben Selenskyjs wird sich die Ukraine dabei nicht nur auf die Gebiete konzentrieren, die es vor dem russischen Überfall im Februar kontrollierte. Auch die Territorien der von Moskau unterstützten Separatisten im Osten des Landes und Städte auf der seit 2014 von Russland annektierten Krim würden zurückerobert, kündigte der 44-Jährige an. „Denn die gesamte Ukraine muss frei sein.“

News zum Ukraine-Krieg: Baltische Staaten wollen Grenzen für russische Touristen schließen

+++ 22.35 Uhr: Berichten des Kyiv Independent zufolge wollen Polen und die baltischen Staaten ab 19. September die Grenzen für russische Touristen schließen. Kristi Raik, Direktorin des Estnischen Instituts für Außenpolitik, teilte am Sonntagabend auf Twitter mit, dass Polen, Estland, Lettland und Litauen die Einreise russischer Staatsbürger mit EU-Visa aufgrund von Sicherheitsbedrohungen vorübergehend einschränken wollen. Laut Raik werden nur Menschen mit bestimmten Voraussetzungen, beispielsweise Familienangehörige oder Inhaber von EU-Aufenthaltstiteln, in die Länder einreisen können.

News zum Ukraine-Krieg: Menschen sterben bei russischem Angriff im Oblast Dnipropetrowsk

+++ 20.30 Uhr: Georgien verurteilt Russlands Kriegsverbrechen in Izium und fordert Gerechtigkeit. Die georgische Präsidentin Salome Surabischwili schreib auf Twitter, dass sie die Gräueltaten Russlands in Izium aufs Schärfste verurteile. Mit ihrem Beitrag reagierte sie auf die Massengrabstätte mit rund 450 Gräbern in der befreiten Stadt im Oblast Charkiw. „Diese Kriegsverbrechen müssen von der Justiz beantwortet werden“, schrieb Surabischwili.

+++ 18.20 Uhr: Wie der Gouverneur Valentyn Reznichenko auf Telegram mitteilt, habe es einen russischen Angriff auf die Oblast Dnipropetrowsk gegeben, bei dem zwei Menschen getötet und drei verletzt worden seien. Russische Streitkräfte sollen die Gemeinden Pokrowsk, Nikopol und Chervonohryhorivka mit Grad-Mehrfachraketenwerfern beschossen und so Schäden in Wohngebieten verursacht haben, heißt es in Berichten des Kyiv Independent.

News zum Ukraine-Krieg: Konflikt mit Russland wird noch lange andauern

+++ 15.55 Uhr: „Putin versagt bei allen militärischen Zielen“ – das sagte Admiral Sir Tony Radakin, Chef des Verteidigungsstabs von Großbritannien, gegenüber BBC. „Er wollte die Ukraine unterjochen. Das wird nicht passieren“, so der britische Verteidigungschef weiter. Er äußerte gleichzeitig die Vermutung, dass der Konflikt trotz ukrainischer Erfolge noch lange andauern wird.

+++ 14.22 Uhr: Im besetzten Svatove soll es zu einer Explosion gekommen sein. Der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhiy Haidai, erklärte, die Explosion in der von Russland besetzten Stadt nördlich von Sievierodonetsk habe sich in einem Hotel in einem alten Busbahnhof ereignet, in dem russische Truppen stationiert waren.

News zum Ukraine-Krieg: Exhumierung der 450 Toten im befreiten Isjum dauert an

+++ 13.20 Uhr: Die Exhumierung der 450 Toten im befreiten Isjium wird noch zwei Wochen andauern. Der Bürgermeister von Isjum, Valerii Marchenko, sagte am 18. September, dass die Exhumierungsarbeiten noch fast zwei Wochen andauern werden, „weil es in der kürzlich befreiten Stadt im Gebiet Charkiw viele Bestattungen gibt“.

+++ 11.30 Uhr: Russischer Panzer sollen ein ziviles Auto im Gebiet Charkiw angegriffen und zwei Frauen getötet haben. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Charkiw, Oleh Syniehubov, wurden am 17. September zwei Frauen getötet, als ein russischer Panzer ein Zivilfahrzeug im Dorf Strilecha an der Grenze zu Russland beschoss.

Auch soll ein russischer Beschuss in der Region Charkiw vier Ärzte getötet haben. Syniehubov sagte, die Ärzte hätten versucht, Patienten aus einem psychiatrischen Krankenhaus im Dorf Strilecha zu evakuieren, als die russischen Streitkräfte das Gebiet „massiv beschossen“ hätten. Zwei Patienten wurden verletzt, sagte er.

News zum Ukraine-Krieg: Strategisch „sinnlose“ russische Offensive - aber keine Verteidigung

+++ 08.15 Uhr: Russland setzt weiterhin auf strategisch sinnlose Offensiven und schafft es nicht, den ukrainischen Vormarsch zu stoppen. So ordnet dies das Institute for The Study of War ein. Das Institut berichtet, dass die russischen Truppen weiterhin erfolglose Angriffe im Gebiet Donezk durchführen.

In der Zwischenzeit setzt die Ukraine ihre Gegenoffensive fort, ohne dass es zu nennenswerten Verteidigungsmanövern Russlands gekommen wäre, so dass die meisten der von Russland besetzten Teile der Oblaste Charkiw und Luhansk verwundbar sind, berichtet das ISW.

Den Experten zufolge könnten ukrainische Vorstöße um den Fluss Oskil und nördlich des Flusses Siverskyi Donets eine mögliche Einkreisung der russischen Streitkräfte in Luhansk ermöglichen.

News zum Ukraine-Krieg: Folterkammern im befreiten Charkiw entdeckt - Folter „verbreitete Praxis“

Update vom Sonntag, 18. September, 06.15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland im befreiten Gebiet Charkiw grausame Folter vorgeworfen. Es seien inzwischen mehr als zehn Folterkammern in verschiedenen Städten des befreiten Gebiets entdeckt worden, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. „Folter war eine weit verbreitete Praxis in dem besetzten Gebiet“, sagte der Präsident. Er bezeichnete die vor einer Woche geflohenen Besatzer als „Raschisten“ und sagte, so hätten sich auch die „Nazis“ verhalten. „Raschismus“ vereint die Wörter Russland und Faschismus.

+++ 22.40 Uhr: Ukrainischen Medienberichten zufolge gab mehrere Explosionen in Cherson. Anwohner berichten, dass am Samstagabend (17. September) vier Explosionen zu hören waren. Außerdem sahen sie schwarzen Rauch aus dem Gelände einer Maschinenbaufabrik aufstieg, in der sich angeblich eine russische Militärbasis befindet.

News zum Ukraine-Krieg: „Klare Beweise für Folter“ in Isjum - Russen sollen auf Beerdigte geschossen haben

Erstmeldung vom Samstag, 17. September, 06.45 Uhr: Nach dem Fund Hunderter Leichen in der von der russischen Besatzung befreiten ostukrainischen Stadt Isjum hat Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew eine Reaktion der Weltgemeinschaft auf die Verbrechen Moskaus gefordert. Aktuell seien mehr als 440 Gräber in der Nähe von Isjum im befreiten Gebiet Charkiw gefunden worden. „Es ist zu früh, etwas über die Zahl der dort begrabenen Menschen zu sagen, die Ermittlungen dauern an“, sagte Selenskyj in einer am Freitagabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft. (lm/tu/hg/na/nak mit dpa/AFP)

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