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„Erzwungener Schritt“: Ukrainischer Medienmogul sperrt zu – und gibt Selenskyj die Schuld

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Der ukrainische Medienmogul Rinat Achmetov hat den Betrieb seiner Nachrichtenseiten eingestellt. Der Unternehmer äußerte in seiner Begründung Kritik an Präsident Selenskyj.

Kiew - Kurz nach der Ankündigung eines Ausstiegs aus dem Mediengeschäft haben die Nachrichtenseiten des ukrainischen Milliardärs Rinat Achmetow ihren Betrieb eingestellt. „Das ist ein erzwungener Schritt“, schrieb die Sprecherin des Konzerns System Capital Management, Natalija Jemtschenko, am Dienstag bei Facebook. Seit Mitternacht gebe es keine Nachrichten mehr auf den Seiten der Online-Zeitung Segodnya.ua oder des Nachrichtensenders Ukrajina 24. Die Einstellung des Mediengeschäfts war am Montag angekündigt worden.

Ukrainischer Medienmogul stellt Nachrichtenseiten ein – im letzten Jahr noch Marktführer

Die frei verfügbaren Fernsehsender der Gruppe zeigten über Antenne und Satellit das seit dem russischen Einmarsch im Februar landesweit einheitliche Nachrichtenprogramm. Achmetows Medienunternehmen gehört zu den vier großen Mediengruppen der Ukraine. Der Unterhaltungssender Ukrajina war 2021 noch Marktführer bei den über 18-Jährigen. Der erst 2019 gestartete Nachrichtensender Ukrajjina 24 wiederum dominierte das Nachrichtensegment.

Der ukrainische Unternehmer Rinat Achmetov wartet am 24.06.2014 in Kiew, Ukraine.
Der ukrainische Unternehmer und Medienmogul Rinat Achmetov hat die Nachrichtenseiten seiner Online-Medien eingestellt. © Daniel Naupold/dpa

In der Ukraine gab es ursprünglich mehr als ein Dutzend Nachrichtensender, wodurch eine vergleichsweise hohe Meinungsvielfalt garantiert war. Unter Präsident Wolodymyr Selenskyj war der Pluralismus jedoch zunehmend unter Druck gekommen. Er hatte 2020 ein halbes Dutzend regierungskritische TV-Sender, die als russlandfreundlich galten, schließen lassen.

Ukraine-News: Wegen Selenskyj-Gesetz – Unternehmer macht Nachrichtenseiten dicht

Hintergrund von Achmetows Rückzugs aus dem Mediengeschäft ist ein im vorigen Jahr beschlossenes Gesetz gegen superreiche Ukrainer. Großunternehmer mit Medieneinfluss sollten dazu in ein sogenanntes Oligarchen-Register aufgenommen werden. Diese Oligarchen dürfen dann keine Parteien, politische Werbung oder Demonstrationen finanzieren und sind von Geschäften mit Privatisierungen ausgeschlossen. Unklar ist bisher, wie der Förderer von Selenskyj, Ihor Kolomojskyj, mit seinen TV-Sendern und der Nachrichtenagentur Unian verfahren wird.

Währenddessen halten dauern die Kämpfe im Ukraine-Krieg weiterhin an. Informationen des britischen Geheimdienstes zufolge sollen die russischen Streitkräfte in der Ukraine schwere Verluste erlitten haben. (dpa)

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