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Wegen Ukraine-Krieg: Finnland sauer auf Deutschland – jetzt reagieren Bundestagsabgeordnete

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Von: Fabian Hartmann

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Der Ukraine-Krieg belastet das deutsch-finnische Verhältnis. In Helsinki herrscht Frust über Berlin. Deutsche Abgeordnete können das verstehen. Ist es Zeit für eine Entschuldigung?

Berlin – Der Krieg in Europa. Seit dem 24. Februar versuchen russische Truppen, die Ukraine in einem erbarmungslosen Angriffskrieg zu unterwerfen – ein Szenario, das aus deutscher Sicht lange unwahrscheinlich erschien. Wohlgemerkt: aus deutscher Sicht. Es gibt Länder in Europa, die schon lange vor Moskaus Imperialismus warnten. Zu ihnen gehört Finnland.

In Helsinki hat man nie verstanden, wie sich Deutschland – vor allem in der Energiepolitik, Stichwort Nord Stream 2 – dermaßen von Russland abhängig machen konnte. Und dabei die Bedrohung aus dem Osten ignorierte. Der finnische Blick auf das Nachbarland und dessen Machthaber Wladimir Putin ist nüchtern, ja geradezu kühl: „Wir müssen aufwachen und erkennen, dass diese Typen nie sagen, was sie meinen, und sie meinen nie, was sie sagen. Das ist die Grundregel, um Russland zu verstehen, die Deutschland völlig missverstanden hat“, sagte der finnische Europaabgeordnete Petri Sarvamaa (EVP) kürzlich der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA.

FPD-Außenpolitiker Ulrich Lechte
FPD-Außenpolitiker Ulrich Lechte © Felix Zahn/Imago

FDP-Experte: Deutsche Russland-Politik „krachend gescheitert“

Der finnische Vorwurf an Deutschland: Die Fehler in der Energie- und Sicherheitspolitik, vor allem aus der Merkel-Ära, treten jetzt deutlich zutage – mit gravierenden Folgen für ganz Europa. Es sind harsche Töne, die in Berlin deutlich vernommen werden. Und für die es Verständnis gibt. Der FDP-Außenexperte Ulrich Lechte spricht ganz offen von „Naivität“. „Lange Zeit haben wir in Bezug auf Russland an das Konzept Wandel durch Handel geglaubt. Dies ist mit dem 24. Februar krachend gescheitert“, sagte Lechte der Frankfurter Rundschau.

Der finnische Frust über Deutschland hat nicht nur mit einer über 1000 Kilometer langen Grenze zu tun, die das Land mit Russland verbindet – und die die Bedrohung allgegenwärtig macht. Finnland weiß zudem aus eigener, leidvoller Erfahrung, wie es ist, von Russland überfallen zu werden. Im Winterkrieg 1939/1940 marschierte die Rote Armee ins Nachbarland ein. Angeblich wegen Sicherheitsbedenken. Es ist die gleiche Argumentation, die Russland heute als Rechtfertigung für den Krieg in der Ukraine vorträgt.

In Finnland ist Politik daher seit jeher auch immer Sicherheitspolitik. Anders als in Deutschland. Der Zustand der Bundeswehr ist desolat, die von Kanzler Olaf Scholz (SPD) ausgerufene „Zeitenwende“ bislang vor allem eine Ankündigung. Die Staaten im Norden Europas fühlen sich im Stich gelassen. Wäre es an der Zeit, dass Deutschland sich für die Blauäugigkeit entschuldigt?

Finnischer Frust über Deutschland: CDU-Außenexperte spricht von „Fehleinschätzungen“

„Nein“, sagt FDP-Mann Lechte. „Deutschland ist ein verlässlicher Partner in Europa und ein wichtiger Ansprechpartner für die Nachbarländer Russlands.“ Was aber richtig sei: Die Bundesrepublik hätte „aufmerksamer zuhören und von Beginn an entschlossener agieren müssen“. Ähnlich klingt es bei der Union, die immerhin zuletzt 16 Jahre lang regierte. Es habe in der Russland-Politik „Fehleinschätzungen“ gegeben, sagte CDU-Außenexperte Jürgen Hardt unserer Redaktion. „Daraus muss Deutschlands Politik und Gesellschaft lernen. Wir dürfen uns nie wieder so abhängig machen von einem Partner außerhalb der NATO“, so der Bundestagsabgeordnete.

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Immerhin: Die rasche Aufnahme Schwedens und Finnlands in das Verteidigungsbündnis wird von führenden deutschen Politikern begrüßt. Es sind Worte, die man im Norden Europas sicher gerne hört – auch wenn sie die Fehler der Vergangenheit nicht vergessen machen.

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