“Sie hätte die Sendung platzen lassen“

TV-Duell: Merkel weist Erpressungs-Vorwürfe zurück

+
Martin Schulz und Angela Merkel

Eigentlich sollte das TV-Duell reformiert werden. Angela Merkel aber legte ihr Veto ein, wie das ZDF bestätigt. Erpressungs-Vorwürfe weist die Kanzlerin trotzdem zurück.

Update vom 3. September 2017: So kurz vor der Bundestagswahl ist es wohl das Polit-Event schlechthin: das TV-Duell zwischen  Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz. Wer kann mehr überzeugen und mit einem guten auftritt nochmals Wähler mobilisiren? In unserem Live-Ticker erfahren Sie es.* 

ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat die Entscheidung verteidigt, am TV-Duell (so sehen Sie den Schlagabtausch im TV und Livestream) zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz trotz der starren Haltung der Kanzlerin zu Regeländerungen für das Gespräch festzuhalten. Es habe nur die Alternative "kein Duell oder ein Duell nach den alten Regeln" gegeben, sagte Frey am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Sender hätten sich dann dafür entschieden.

Merkel: „Politiker hat immer die Freiheit zu entscheiden“

Die Kanzlerin habe darauf bestanden, "es bleibt so, wie es war", sagte Frey. Die Sender hätten verhandelt und ihre Absichten deutlich gemacht. Doch am Ende hätten sie entscheiden müssen, ob es diese einzige direkte Auseinandersetzung zwischen dem Herausforderer und der Amtsinhaberin geben solle oder nicht.

"Ich glaube, es wäre der größere Schaden gewesen, wenn dieses Duell nicht stattgefunden hätte", zeigte sich der ZDF-Chefredakteur überzeugt. Es verwies auf mögliche 20 Millionen Zuschauer bei den vier größten Fernsehsendern.

Merkel selbst wies Vorwürfe zurück, wonach sie die Fernsehsender mit ihrer Ablehnung eines neuen Formats beim TV-Duell erpresst habe. Sie achte die Pressefreiheit, „zugleich aber hat auch ein Politiker immer die Freiheit zu entscheiden, ob er oder sie eine Einladung in eine Sendung annimmt oder nicht“, sagte Merkel dem Magazin Der Spiegel. „Es gibt eine seit 2009 und 2013 bewährte Form der Sendung, die auch dieses Mal wieder angewendet wird.“

Kontrahent Martin Schulz kritisierte Merkel am Freitag. Merkel weiche "in vielem aus, sie hat auch versucht Bedingungen zu diktieren oder diktieren zu lassen, die für sie günstig sind“, erklärte Schulz mit Blick auf die Vorgeschichte des TV-Duells.

TV-Duell am Sonntag - die Fragen stellen die Moderatoren

Am Sonntagabend kommt es zum einzigen TV-Duell zwischen Merkel und Schulz, das von ARD, ZDF, RTL und SAT1 live übertragen wird. Die Sender hatten sich dafür eingesetzt, das Format zu ändern: Diskutiert wurde unter anderem über ein zweites Duell, eine Aufteilung der 90 Minuten in zwei Frageblöcke oder die Einbeziehung von Zuschauern. Die Fragen stellen nun - wie 2013 auch - vier Moderatoren der beteiligten Sender.

Dem Gespräch wird eine enorm wichtige Rolle im Wahlkampf zugesprochen. Vor allem SPD-Herausforderer Schulz steht angesichts der schwachen Umfragewerte für die Sozialdemokraten unter Druck, in der direkten Auseinandersetzung mit Merkel zu punkten.

AFP/dpa/fn

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare