Millionen-Volumen

Trotz Krise: Deutschland exportiert weiter Waffen in die Türkei 

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Recep Tayyip Erdogan und Sigmar Gabriel bei einem Treffen im Juni

Zwischen Deutschland und der Türkei herrscht offener Streit. Deutsche Waffenexporte genehmigt die Bundesregierung aber weiter in Millionenhöhe.

Trotz der Krise mit Ankara hat die Bundesregierung seit Jahresbeginn den Export von Rüstungsgütern mit einem Gesamtwert von mehr als 25 Millionen Euro in die Türkei genehmigt. Allerdings könnte der Wert der genehmigten Rüstungsausfuhren in das Nato-Partnerland verglichen mit den ersten acht Monaten 2016 damit deutlich gesunken sein. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

In diesem Jahr wurden bis Ende August 99 Genehmigungen zur Ausfuhr von Rüstungsgütern mit einem Wert von insgesamt 25,36 Millionen Euro erteilt, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Das tatsächliche Gesamtvolumen könnte allerdings deutlich höher liegen, da die Bundesregierung bei drei weiteren Genehmigungen keine Angaben zu deren Wert macht. Zwischen Januar und August 2016 seien dagegen 158 Genehmigungen für Ausfuhren mit einem Gesamtwert von 69,32 Millionen Euro erteilt worden, hieß es in der Antwort des Ministeriums weiter.

Grüner fordert Stopp der Exporte

Mutlu forderte einen Stopp deutscher Waffenexporte in die Türkei. „Da die Geschäfte munter weiterlaufen, nimmt Ankara Drohungen oder Ähnliches aus Berlin nicht mehr ernst“, sagte der Parlamentarier. „Die Bundesregierung muss ihren Worten endlich Taten folgen lassen, um deutsche Staatsbürger in der Türkei zu schützen.“ Mutlu bezog sich auf inhaftierte Deutsche wie den Welt-Korrespondenten Deniz Yücel und den Menschenrechtler Peter Steudtner, die unter Terrorvorwürfen ohne Anklage in der Türkei in Untersuchungshaft sitzen.

Unter den Rüstungsexport-Posten aus dem laufenden Jahr, deren Wert das Ministerium veröffentlichte, sind die mit Abstand größten zwei Anträge aus der Kategorie „Bomben, Torpedos und Flugkörper“. Sie schlagen mit insgesamt knapp 18 Millionen Euro zu Buche. Dabei handelt es sich nach Angaben der Bundesregierung im Wesentlichen um Raketenabwehrsysteme für Marineschiffe. Das Ministerium verwies darauf, dass Daten über tatsächlich erfolgte Ausfuhren nicht vorlägen, sondern nur Genehmigungen erfasst würden.

Munition und „Explosivstoffe“ in unbekanntem Wert exportiert

Weitere genehmigte Ausfuhranträge mit einem Volumen von mehr als einer Million Euro betreffen „Infrarot-Wärmebildausrüstung“ (1,86 Millionen Euro), „Marinespezialausrüstung und -zubehör“ (1,85 Millionen Euro) sowie „militärische Luftfahrzeuge/-technik“ (1,38 Millionen Euro). Bei Posten mit einem Wert teilweise deutlich unterhalb der Millionengrenze handelt es sich unter anderem um „ABC-Schutzausrüstung, Reizstoffe“, um militärische Elektronik, um Feuerleitanlagen und um Handfeuerwaffen.

Bei drei Ausfuhranträgen machte die Bundesregierung keine Angaben zu deren jeweiligem Wert: Munition, „Explosivstoffe und Brennstoffe“ sowie „ballistische Schutzausrüstung“. Das Ministerium verwies dazu auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach von Angaben zum Auftragsvolumen abgesehen werden kann, „wenn diese in Kombination mit Angaben zu Stückzahlen Rückschlüsse auf Einzelpreise zuließen“.

Aktuellen Umfragen zufolge befürworten drei von vier Deutschen Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei.

Türkische Wirtschaft wächst

Am Montag war auch bekannt geworden, dass die türkische Wirtschaft im zweiten Quartal 2017 trotz der politischen Spannungen mit dem wichtigsten Handelspartner Europa erneut deutlich gewachsen ist. Das türkische Statistikamt (Turkstat) teilte mit, verglichen mit dem Vorjahresquartal sei ein Wirtschaftswachstum von 5,1 Prozent verzeichnet worden. Der Wert war vergleichbar mit dem des ersten Quartals, in dem nach bereinigten Turkstat-Angaben 5,2 Prozent erzielt worden waren.

Die Türkei hatte zuletzt eine Reisewarnung für Deutschland herausgegeben.

dpa

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