Totimpfstoffe unterscheiden sich in vier Gruppen

Totimpfstoffe: Wirkung, Eigenschaften, Arten und Nebenwirkungen

Impfstoff mit Spritze
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Totimpfstoffe: Wirkung, Eigenschaften, Arten und Nebenwirkungen.
  • Dominik Jahn
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Totimpfstoffe im Kampf gegen das Coronavirus. Sie wirken anders als die bekannten mRNA-Impfstoffe. Novavax gilt als erhoffte Alternative.

Während der Corona-Pandemie sind Impfstoffe ganz besonders stark in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Im Kampf gegen das Virus spielen sie die entscheidende Rolle. Mit Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson stehen gleich vier Vakzine aus der Gruppe der mRNA-Impfstoffe zur Verfügung. Doch auch die sogenannten Totimpfstoffe können in Zukunft eine große Rolle in der Corona-Bekämpfung spielen.

Die Eigenschaften von Totimpfstoffen

Totimpfstoffe oder auch inaktive Impfstoffe, enthalten ausschließlich abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können, oder auch nur Bestandteile der Erreger. Solche Impfstoffe können keine Infektionen mehr auslösen. Sie regen den Körper aber dennoch an, einen Schutz gegen eine Infektion mit dem jeweiligen Erreger aufzubauen. Die meisten üblichen Impfungen werden inzwischen mit Totimpfstoffen durchgeführt. Bei den bisher gängigen Totimpfstoffen hält der Immunschutz laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) meist nur einige Jahre an und muss dann aufgefrischt werden.

Krankheiten bei denen Totimpfstoffe* angewendet werden:

  • Diphtherie
  • FSME = Frühsommer-Meningoenzephalitis
  • Genitalwarzen durch humane Papillomviren (HPV)
  • Haemophilus-influenzae-b-Infektion (Hib-Infektion)
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Hirnhautentzündung oder Sepsis durch Meningokokken der Serogruppen A, B, C, W135 und Y
  • Influenza (saisonale echte Grippe)
  • Japanische Enzephalitis
  • Krebsarten im genitalen / analen Bereich durch humane Papillomviren (HPV)
  • Lungen- und Mittelohrentzündung durch Pneumokokken
  • Malaria (nur bei Kleinkindern in Malaria-Gebieten)
  • Milzbrand (Anthrax)
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Polio
  • Tetanus = Wundstarrkrampf
  • Tollwut
  • *Angaben vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller

Spezielle Arten von Totimpfstoffen

Die Gruppe der sogenannten Totimpfstoffe lässt sich in drei große Gruppe unterteilen. Es gibt laut vfa die Subunit- und Spaltimpfstoffe, die Konjugatimpfstoffe und die VLP-Impfstoffe.

Subunit- und Spaltimpfstoffe: Dem Bericht des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller zur Folge, enthält diese Gruppe der Totimpfstoffe „keine ganzen abgetöteten Erreger, sondern nur daraus gewonnene oder gentechnisch hergestellte Biomoleküle.“ Besonders häufig finden sich die Spaltimpfstoffe in den meisten Grippeimpfstoffen, die aus echten Grippeviren hergestellt werden.

Bei einigen Subunit-Impfstoffen finden sich zwar auch „ausgewählte Moleküle eines Erregers“, diese werden dabei aber nicht aus dem entsprechenden Erreger selbst gewonnen. Sie werden „gentechnisch in großen Stahltanks mit Hefe-, Säugetier- oder Insektenzellen produziert“. Die wichtigen Gene des Erregers werden den Zellen zuvor übertragen. Bekannter Impfstoff dieser Art ist gegen Hepatitis B oder Cholera.

Konjugatimpfstoffe: Sie sind Impfstoffe, bei denen die Erregermoleküle nicht direkt in den Impfstoff eingebracht werden. Hier werden die Erregermoleküle im Vorfeld an Proteine gebunden, die als Trägersubstanz dienen. Mit diesen Konjugaten kann eine stärkere Immunreaktion erzielt werden und ein längerer anhaltender „Schutz als das Antigen allein“. Bekannter Impfstoff dieser Art ist gegen Hirnhaut- und Lungenentzündung im Einsatz.

VLP-Impfstoffe: Diese Gruppe der Totimpfstoffe enthalten Virus-like Particles. Hier sind „die Antigene nicht einfach ungeordnet im Impfstoff gelöst sind, sondern sich mit weiteren Molekülen zu kleinen Gebilden zusammengelagert haben, die wie Viren aussehen.“ In zahlreichen Fällen sorgen die VLP-Impfstoffe für eine bessere Impfwirkung. Allerdings sind die VLP im Gegensatz zu Viren nicht vermehrungsfähig. Bekannter Impfstoff dieser Art ist gegen die von humanen Papillomviren (HPV) verursachten Krankheiten im Einsatz.

Totimpfstoffe und ihre Nebenwirkungen

Mit Blick auf die Nebenwirkungen schneiden die Totimpfstoffe nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre gut ab. Unter anderem der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz schreibt dazu: „Damit besteht kein Risiko für eine Impfkrankheit und schwerwiegende Nebenwirkungen nach Impfungen mit Totimpfstoffen sind sehr selten.“

Für die empfohlenen Booster-Impfungen mit Biontech oder Moderna sind zum Beispiel auch einige Nebenwirkungen bekannt. Die Liste der bisher bekannten Symptome bleibt aber auch hier überschaubar. Am häufigsten sind wohl Schmerzen und Schwellung an der Injektionsstelle.

Impfung mit Totimpfstoffen bei Schwangerschaft

Laut aktuellen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) können sich Mütter, die sich im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft befinden, bedenkenlos mit einem Totimpfstoff impfen lassen. Für mögliche Impfungen im ersten Drittel der Schwangerschaft sollten demnach aber, um die Risiken zu verringern, nur diejenigen Totstoff-Impfungen vorgenommen werden, die individuell dringend indiziert sind.

Robert Koch-Institut (RKI)

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die biomedizinische Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung. Zentrale Aufgabe des RKI ist die öffentliche Gesundheitspflege. Laut eigenen Angaben untersucht das RKI „Krankheit und Gesundheit auf allen Ebenen: vom Virus in der Körperzelle bis zum Übergewicht in der Bevölkerung“. Wissenschaftler des RKI erheben Daten zu nicht-übertragbaren Krankheiten wie Diabetes und Krebs, zu Infektions­krankheiten und (neuen) bio­lo­gischen Gefahren. Darauf basierend entwickeln wir konkrete Empfehlungen und Präventions­konzepte.

In der Stillzeit gibt es dagegen für Mütter bei notwendigen Impfungen mit einem Totimpfstoff keinerlei Bedenken und Beschränkungen mehr.

Novavax als möglicher Totimpfstoff im Kampf gegen Corona?

Ein Totimpfstoff ist für den Kampf gegen das Coronavirus besonders in den Blickpunkt gekommen. Mit Novavax soll die erste Alternative zu den mRNA-Impfstoffen auf den Markt kommen. In einer Studie wurde die Wirksamkeit bereits nachgewiesen. Besonders bei schweren Verläufen konnte der Impfstoff überzeugen.

Allerdings wurde inzwischen auch deutlich gemacht, dass Novavax kein Totimpfstoff im klassischen Sinn ist. Florian Krammer, Professor für Impfstoffkunde und auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatten sich dazu geäußert. Novavax sei demnach ein „rekombinanter Proteinimpfstoff“. Bei dieser Art der Impfstoffe wird - laut Aussagen von Krammer - „das Spike Protein mithilfe von Baculoviren in Mottenzellen hergestellt und dann mit Matrix-M Adjuvant (ein Saponin) formuliert.“

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