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Umfrage: Deutsche sind für mehr Videoüberwachung

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Innenminister Thomas de Maizière inspiziert ein Pilotprojekt zur Gesichtserkennung in Berlin

Die Videoüberwachung ist auf dem Vormarsch - wohl auch als Mittel gegen Terrorängste der Wähler. Tatsächlich zeigt eine exklusive Umfrage große Zustimmung. Wenn auch nicht in allen Bevölkerungsteilen.

München - Gut drei Wochen dauert es noch bis zur Bundestagswahl - und Deutschlands konservative Sicherheits-Politiker sprechen just jetzt besonders gerne über Videoüberwachung: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) besichtigt mit der Presse ein Projekt zur Gesichtserkennung in Berlin. Sein bayerischer Amtskollege Joachim Herrmann (CSU) kündigt einen massiven Ausbau der Überwachung an, wie Merkur.de berichtete. Doch es gibt auch Gegenstimmen: Datenschützer schlagen Alarm und warnen vor dem gläsernen Bürger.

Wie stehen die Deutschen dazu? Eine aktuelle repräsentative Umfrage* der Ippen-Digital-Zentralredaktion in Zusammenarbeit mit Google zeigt: Die Mehrheit der Befragten erklärte, sie befürworte nach den jüngsten Terroranschlägen eine verstärkte Videoüberwachung - das gesteigerte Sicherheitsgefühl wiege die Risiken und Kosten der Technik auf.

Fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit für Überwachungs-Ausbau

Insgesamt sprachen sich 40,4 Prozent der User in der gewichteten Befragung für eine Ausweitung der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen aus. Nur 21,7 Prozent erklärten, sie fühlten sich bereits ausreichend überwacht und lehnten einen weiteren Ausbau ab.

Zu beachten ist allerdings ein Seitenaspekt: 37,9 Prozent der Teilnehmer der Online-Befragung wollten sich nicht zum Thema äußern. Hier die Ergebnisse um Überblick:

Sind Sie angesichts der jüngsten Terroranschläge für eine Ausweitung der Video-Überwachung in der Öffentlichkeit?

Gesamt

Männer

Frauen

Ja, das ist mir mein Sicherheitsgefühl wert.

40,4%

36,9%

44,2%

Nein, ich fühle mich schon genug überwacht.

21,7%

26,6%

16,5%

Dazu möchte ich mich nicht äußern.

37,9%

36,5%

39,3%

Spekulieren ließe sich durchaus, ob die recht große Gruppe der Nicht-Antwortenden eher einem datenschutzfreundlichen Standpunkt zugeneigt gewesen wäre. Fakt ist aber in jedem Fall, dass es unter den Antwortenden beinahe eine repräsentative Zwei-Drittel-Mehrheit für die Videoüberwachung gibt.

Junge User sind gegen Videoüberwachung

Lohnend ist auch ein Blick auf die demografischen Details der Auswertung. So bevorzugen Frauen eher einen Ausbau der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen als Männer: Die Zustimmungsrate unter Frauen belief sich in der Erhebung auf 44,2 Prozent, unter Männern nur auf 36,9 Prozent.

Noch auffälliger ist eine weitere Tendenz. Offenbar sind junge Internet-User in Deutschland eher gegen, ältere Nutzer eher für die Videoüberwachung. In der Altersgruppe 18-24 Jahre gab es mit 35 Prozent Ablehnung und nur 19,6 Prozent Befürwortern die größte Skepsis gegenüber einem Ausbau der Technik. Hier fiel auch die Zahl der Nicht-Äußerungen mit 45,4 Prozent am höchsten aus.

Sind Sie angesichts der jüngsten Terroranschläge für eine Ausweitung der Video-Überwachung in der Öffentlichkeit?

Gesamt

18-24 Jahre

65+ Jahre

Ja, das ist mir mein Sicherheitsgefühl wert.

40,4%

19,6%

58,5%

Nein, ich fühle mich schon genug überwacht.

21,7%

35,0%

16,7%

Dazu möchte ich mich nicht äußern.

37,9%

45,4%

24,8%


Ganz anders das Bild unter den ältesten Nutzern: Über die Altersgruppen hinweg steigt der Anteil der Videoüberwachungs-Unterstützer kontinuierlich - bis hin zu 58,5 Prozent bei den Über-65-Jährigen. Von ihnen lehnen nur 16,7 Prozent den Ausbau der Überwachung auf öffentlichen Plätzen explizit ab.

Bewährungsprobe nach der Wahl

Auch regional schwankte die Haltung der User recht spürbar: Während es in Niedersachsen mit 50,9 Prozent eine absolute Mehrheit für eine verstärkte Überwachung gab, blieben die Baden-Württemberger mit 31,9 Prozent Zustimmung zurückhaltender. Die meisten anderen Länder - darunter etwa Bayern, Hessen, Berlin und NRW - bewegen sich zwischen diesen beiden Polen.

Ob ein Ausbau der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen tatsächlich ein Zukunftsmodell bleibt, wird sich allerdings wohl erst lange nach der Wahl zeigen. Abhängig davon, ob jüngere Wählerschichten dauerhaft skeptisch bleiben - und auch von der weiteren Entwicklung der Sicherheitslage in Deutschland. Jede Technik muss sich schließlich auch an ihrem Erfolg messen lassen.

*Offenlegung zu Umfragen der Ippen-Digital-Zentralredaktion mit Unterstützung von Google Survey

Vor der Bundestagswahl 2017 führt das bundesweite Redaktionsnetzwerk der Ippen-Digital-Zentralredaktion mehrere Umfragen durch. Das Redaktionsnetzwerk umfasst Merkur.de, hna.de, tz.de, rosenheim24.de, wa.de, kreiszeitung.de sowie rund 40 weitere Portale. Technisch werden die Umfragen von Google unterstützt und mit dem Dienst „Google Survey“ durchgeführt. Die Umfragen sind repräsentativ für die Bevölkerung Deutschlands. Dazu werden die Ergebnisse gewichtet; also entsprechend der tatsächlichen Verteilung von Geschlecht, Alter und Wohnort angeglichen. Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch angesetzt: Die Umfrage werden per Zufall als Pop-Up und ohne feste URL auf unterschiedlichen Webseiten im Internet ausgespielt. Zudem wird durch ein sogenanntes Frequency Capping sichergestellt, dass Nutzer eine Umfrage nicht mehrfach zu sehen bekommen.

An der aktuellen Umfragen zur Videoüberwachung haben insgesamt 1005 Internet-User aus ganz Deutschland teilgenommen. Antworten, die nicht eindeutig den verschiedenen demografischen Merkmalen der Nutzer zugeordnet worden konnten, wurden nicht in das finale Ergebnis aufgenommen. Ausgewertet wurden schließlich 766 Antworten. 

fn

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