Pandemie

Corona-Inzidenz explodiert: Spanien schließt Strände und Bars

  • Maria Sandig
    VonMaria Sandig
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Die Tourismusbranche hat für Spanien einen immensen Stellenwert. Doch nun steigen die Corona-Infektionen und die Regierung greift zu drastischen Maßnahmen.

Madrid – Die Corona-Infektionszahlen steigen in Spanien mitten in der Urlaubssaison unaufhaltsam. Die Folgen sind fatal: Buchungen brechen weg, Touristen reisen frühzeitig ab. Nun droht das Land ein Hochinzidenzgebiet zu werden. Was Reisende bei einer Stornierung beachten* sollten.

Corona-Virus in SpanienWerte
Einwohner46.754.783
Infektionen 4.161.850
Infektionsrate 8,9 Prozent
Neuinfektionen mit Sars-Cov-2 (7-Tage-Inzidenz) 407,9
Todesfälle 81.119
Erstimpfungen (gesamt) 29.484.796
Impfquote (Erstimpfung)63,06 Prozent
Impfquote (vollständig)51,42 Prozent

Die Covid-19-Zahlen sind auf den Balearen, zu denen außer Mallorca auch die Inseln Menorca, Ibiza und Formentera gehören, wie in ganz Spanien stark angestiegen. Nach Angaben vom Montagabend kletterte der Inzidenzwert auf den Balearen auf 310. Dort musste aufgrund der Lage sogar ein zweites Quarantänehotel eröffnet werden*.

Corona-Inzidenz Spanien: Wert knackt die 400er-Marke bei Covid-19-Neuinfektionen

Für ganz Spanien steht am Dienstag bei der Corona-Inzidenz ein Wert von 407,9 zu Buche. Das ist die höchste Sieben-Tage-Inzidenz im Zusammenhang mit Covid-19 seit dem 8. Februar 2021 und entspricht 61.628 gemeldeten Neuinfektionen an nur einem Tag. Besonders betroffen von den Neuinfektionen mit Sars-Cov-2 sind junge Menschen unter 30 in Spanien*.

Urlaub auf Mallorca: Schließen Strände aufgrund der Inzidenz in Spanien um 22:00 Uhr?

Stichprobenartige Anfragen von FOCUS Online bei Reisebüros ergaben, dass besonders Buchungen auf Mallorca in den vergangenen zwei Wochen stark zurückgegangen sind. Angesichts der stark steigenden Covid-19-Erkrankungen werden auf der beliebten Urlaubsinsel voraussichtlich wieder schärfere Einschränkungen ergriffen.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sind zwei Drittel der Deutschen gegen einen Urlaub in Corona-Risikogebieten *.

Corona-Inzidenz in Spanien: Saftige Bußgelder warten auf Mallorca-Urlauber bei Verstößen

Um Partys und Trinkgelage vor allem junger Leute unter freiem Himmel zu bekämpfen, sollen Strände und Parks künftig von 22 Uhr bis 6 Uhr geschlossen werden. Die Justiz muss den Plänen noch zustimmen, wie die „Mallorca Zeitung“ am Montagabend berichtete. Teilnehmenden solcher Partys drohen demnach künftig saftige Bußgelder in Höhe von 1000 Euro.

Wenn ein Partygast mit seiner Teilnahme gegen eine Quarantäne verstößt, soll sich das Bußgeld auf 2000 Euro erhöhen. Wenn der Teilnehmer positiv auf Corona getestet wurde, werden sogar 5000 Euro fällig. Den Organisatoren illegaler Partys drohen Strafen von bis zu 100 000 Euro.

Inzidenz in Spanien: Gaststätten und Bars müssen früher dichtmachen – eingecheckte Urlauber gelten als ein Haushalt

Auch Gaststätten und müssen künftig wohl wieder etwas früher schließen, und zwar um 1:00 Uhr statt um 2:00 Uhr. Maximal dürfen im Innenbereich von Gaststätten dann noch Gruppen von vier Personen an einem Tisch sitzen, im Außenbereich acht. Von 1 Uhr bis 6 Uhr dürfen sich der Zeitung zufolge nur noch Personen treffen, die im selben Haushalt leben. Gemeinsam eingecheckte Hotel- oder Finca-Gäste sollen dabei als ein Haushalt gelten.

Mitten in der Sommersaison steigt die 7-Tages-Inzidenz in beliebten Urlaubsländern, auch in Spanien. Die Folgen für die Tourismusbranche sind fatal.

Zur Eindämmung der Pandemie haben auch andere Regionen wieder nächtliche Ausgehsperren in einzelnen Kommunen von 1 bis 6 Uhr eingeführt – sowie Valencia und Kantabrien. Der arg gebeutelte Corona-Hotspot Katalonien inklusive der Metropole Barcelona hat bereits früher Strände und Bars geschlossen*. Insgesamt seien mehr als acht Millionen der 47 Millionen Einwohner Spaniens davon betroffen, schrieb die Zeitung „El País“.

Trotz explodierender Inzidenz in Spanien sieht die Regierung weiterhin von einer Maskenpflicht im Freien ab

Auf die eigentlich geplante Wiedereinführung der erst vor knapp einem Monat abgeschafften Maskenpflicht auch im Freien verzichtete die Regionalregierung nach Gesprächen mit Unternehmern und Gewerkschaften, wie die Zeitung berichtete.

Allerdings werde dringend geraten, freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Kann ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu Fremden nicht eingehalten werden, ist die Maske auch im Freien wieder Pflicht, in allen öffentlichen Innenräumen und in Bussen und Bahnen sowieso.

Aufgrund der Corona-Lage zeigt sich dei spanische Tourismusbranche pessimistisch

Steigende Inzidenzzahlen und ansteckende Corona-Varianten gefährden für viele Menschen den geplanten Sommerurlaub: Was ist, wenn Reisende den geplanten Urlaub abbrechen müssen oder nicht antreten können? Diese Reiseversicherungen* machen in Zeiten von Corona Sinn.

Wenn sich die Corona-Zahlen weiter verschlechtern, schätzen wir, dass der Tourismus in diesem Sommerquartal viel weniger Umsatz als 2019 generieren wird.

José Luis Zoreda, Vizepräsident des spanischen Tourismusverbandes Exceltur

Angesichts des hohen Inzidenzwertes in Spanien hat sich die Tourismusbranche pessimistisch über die laufende Sommersaison* geäußert. Es gebe einen „plötzlichen Rückgang“ bei den Buchungen ausländischer Urlauber, berichtete der staatliche TV-Sender RTVE am Samstag unter Berufung auf den Vizepräsidenten des spanischen Tourismusverbandes Exceltur, José Luis Zoreda.

Tourismus in Zeiten von Corona: Spanien muss aufgrund von Covid-19 Einbußen im Vergleich zu 2019 hinnehmen

„Wenn sich die Corona-Zahlen weiter verschlechtern, schätzen wir, dass der Tourismus in diesem Sommerquartal einen Umsatz von 37,97 Milliarden Euro generieren wird, mehr als die 24,30 Milliarden im selben Zeitraum des Vorjahres, aber viel weniger als die 58,37 Milliarden des Jahres 2019“, zitierte der Sender den Tourismusmanager.

Die Branche hatte wegen der fortschreitenden Impfkampagne auf eine weit stärkere Erholung des Geschäfts in diesem Sommer gehofft. Der Tourismus trägt in normalen Zeiten mehr als zwölf Prozent zum spanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, auf den auch bei Deutschen beliebten Urlaubsinseln der Balearen und auf den Kanaren sind es sogar rund 35 Prozent. Die Branche sichert Hunderttausende Arbeitsplätze.

Und dieser Umstand macht die eh unsicheren Corona-Zeiten mit jedem Schub der Inzidenz in Spanien noch unsicherer. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Clara Margais/ dpa

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