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Angst vor Spinnen: Arachnophobie mit dem Handy bekämpfen? So geht’s

Symbolbild.
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Angst vor Spinnen macht vielen Leuten das Leben schwer - nun könnte das Handy Abhilfe schaffen. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Viele Menschen in Deutschland fürchten oder ekeln sich vor Spinnen. Doch die Berührungsängste mit den achtbeinigen Krabbeltieren können jetzt laut Schweizer Forschern verringert werden – mit einer App.

Es wird wieder kälter. Der September ist schon fast vorbei und der erste Temperatursturz mit Schnee und Frost hat sich bereits angekündigt. Doch wenn der Winter langsam Einzug hält, rücken uns Menschen oft unerwünschte Mitbewohner auf die Pelle. Mit dem Herbst zieht es Spinnen vermehrt in die Häuser und Wohnungen – und das ist für viele Menschen die blanke Horrorvorstellung. Die Arachnophobie ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Diese „Angst vor Spinnen“ soll man nun allerdings ganz einfach zu Hause bekämpfen können. Forscher aus Basel haben hierzu eine Smartphone-App entwickelt.

Was zunächst skurril klingt, ist demnach tatsächlich ein Lösungsansatz: Die Angst vor den Krabbeltieren spielerisch mithilfe von Technik zu verringern. Das Forscher-Team aus Basel schreibt in der Fachzeitschrift „Journal of Anxiety Disorders“, nach zwei Wochen App-Therapie konnten sich Menschen mit Spinnenangst oder -ekel einer echten Spinne im Glaskasten besser nähern als Betroffene, die die App nicht genutzt hatten.

Angst vor Spinnen: So kann Arachnophobie jetzt zu Hause bekämpft werden – mit dem Handy

Aber wie funktioniert diese App, die tiefsitzende Ängste reduzieren soll? Sie zeigt virtuelle Spinnen – mit „Augmented Reality“. Bedeutet: Wenn man die Handykamera einschaltet, kann man die echt aussehenden Achtbeiner quasi ins eigene Wohnzimmer projizieren und über den Esstisch, Fußboden oder sogar die Hand krabbeln lassen. Die digitale Spinne sitzt zunächst still, bewegt sich schließlich aber auch. Für eine der Autorinnen, Anja Zimmer, eine gute Methode, um die Angst vor den Krabbeltierchen zu verringern, denn: „Für Menschen, die Angst vor Spinnen haben, ist es leichter, sich einer virtuellen Spinne auszusetzen als einer echten.“

Angst vor Spinnen macht vielen Leuten das Leben schwer - nun könnte das Handy Abhilfe schaffen.

Die App wurde von den Entwicklern wie eine Art Handyspiel aufgebaut. Es gibt Übungen in mehreren Stufen – sie werden nach und nach immer schwieriger. Während zunächst nur eine Spinne in die eigenen vier Wände projiziert wird, krabbeln am Ende viele virtuelle Achtbeiner herum. Und anscheinend hat diese Art der Therapie tatsächlich ihre Wirkung.

Angst vor Spinnen mit einer App bekämpfen: Schweizer Forscher vermelden vollen Erfolg

An der Studie waren 66 Menschen mit Spinnenangst beteiligt. Von ihnen absolvierte die Hälfte über zwei Wochen verteilt sechs halbstündige Trainingseinheiten. Wie die Deutsche Presse-Agentur erklärt, wurden die Probanden anschließend detailliert zu ihren Erlebnissen befragt – und die Ergebnisse dieser Befragung ergaben: Der Einsatz der App hatte die Angst vor Spinnen deutlich reduziert.

Ein voller Erfolg – denn die Entwickler der Smartphone-App „Phobys“ wollten mit der Erschaffung dieses „Handyspiels“ vor allem auch Angstpatienten erreichen, die sich nicht zum Therapeuten trauen. Viele Leute suchten sich aus Scham keine professionelle Hilfe, heißt es in der Studie. Deshalb sei es gut, dass „Phobys“ bei leichten Formen der Arachnophobie auch im Alleingang diskret zu Hause angewendet werden kann.

Übrigens: Auch wenn diese Info Menschen mit Spinnenangst nicht wirklich weiterhilft – in Deutschland gibt es nur sehr wenige giftige Spinnenarten und auch diese sind meist nicht gefährlicher als eine Hornisse oder Wespe. Hier sind beispielsweise die Schwarze Witwe oder der Ammen-Dornfinger zu nennen, aber auch die eingeschleppte Kugelspinne, die 2017 zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen wurde und die ebenfalls invasive Kräuseljagdspinne. Doch alle Spinnen sind für Natur und Umwelt äußerst nützlich.

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