1. echo24
  2. Welt

„Moralisch ekelhaft“: Russische Politikerin lehnt eigenen Wahlsieg ab

Erstellt:

Von: Nail Akkoyun

Kommentare

Nach den Kommunalwahlen in Russland werden erneut Stimmen laut, die der russischen Regierung Manipulation vorwirft. Darunter ist auch eine junge Politikerin, die ihre Wahl gewonnen hatte.
Nach den Kommunalwahlen in Russland werden erneut Stimmen laut, die der russischen Regierung Manipulation vorwirft. Darunter ist auch eine junge Politikerin, die ihre Wahl gewonnen hatte. © Sergei Savostyanov/Imago

Nach den Kommunalwahlen in Russland kursieren erneut Manipulationsvorwürfe. Nun zieht eine gewählte Politikerin die Konsequenzen und greift die Regierung an.

Moskau – Daria Bagina trat für die Kommunistische Partei Russlands zu den jüngsten Regionalwahlen an und entschied das Rennen deutlich für sich – zu deutlich? Denn trotz ihres Triumphs im Moskauer Wahlkreis 37 hat sich die 23-Jährige geweigert, ihren Sieg anzunehmen. Auf Twitter erklärte sie, dass die Wahl manipuliert worden sei.

„Ich habe viele Glückwünsche erhalten, aber es gibt nichts, wozu man mir gratulieren könnte“, schrieb Bagina. Sie behauptete, das Büro des Moskauer Bürgermeisters habe die Stimmen für sie mithilfe elektronischer Fernabstimmung „fies eingeworfen“. Bereits vor der durch den Ukraine-Krieg angespannten Lage waren die Wahlen in Russland berüchtigt für Betrugs- und Manipulationsvorwürfe. Ihr Mandat könne sie angesichts der neuen Vorwürfe „nicht als legitim betrachten“, noch nie habe sie sich so „moralisch ekelhaft“ gefühlt.

Russland: Bagina warf der Regierung bereits 2021 manipulierte Wahlen vor

Daria Bagina machte ihr ersten politischen Schritte als Assistentin des Duma-Abgeordneten Denis Parfjonow, später war sie als Beraterin der Abgeordneten Ljubow Nikitina tätig. 2021 wurde sie als Kandidatin für die Parlamentswahlen nominiert, schaffte aber schlussendlich nicht den Sprung ins russische Unterhaus. Im Anschluss der Wahl erklärte sie dem Magazin Balkanist in einem Interview, dass ihren Wahlchancen aufgrund ihrer kommunistischen Gesinnung „zunichtegemacht“ habe – dementsprechend groß war Baginas Verwunderung auf Twitter: Die Hintergründe ihres mutmaßlich manipulierten Wahlsiegs müsse sie noch „herausfinden“.

„In Russland gibt es nicht einmal mehr eine Imitation freier Wahlen. Schon während der Vorwahlen wurden die Kommunisten von der Verwaltung des Rathauses angegriffen. Das stellt die Ergebnisse und die Legitimität […] infrage“, sagte sie. Wladimir Putins Partei, „Vereintes Russland“, hatte die Parlamentswahl 2021 erdrutschartig gewonnen.

Am 11. September, dem Tag der Regionalwahlen, rief sie die Menschen bereits dazu auf, die Liebe zur russischen Hauptstadt „mit einer einzigen Proteststimme“ zu beweisen. (nak)

Auch interessant

Kommentare