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RS-Virus: Was wir zu Impfstoffen und Folgeschäden wissen

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Von: Dominik Jahn

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Das RS-Virus beschäftigt seit Wochen die Kinderkliniken in Deutschland. Die Zahlen der Infizierten steigt immer weiter – die Folgeschäden sind dabei nicht zu unterschätzen. Ein besonderer Impfstoff ist laut Forschung zwar da, aber noch nicht zugelassen.

Seit Wochen ist das RS-Virus ein großes Thema. Immer mehr Kinder erkranken und Kliniken kommen an ihre Belastungsgrenzen. Zur aktuellen Lage, Folgeschäden bei infizierten Kindern und zum Forschungsstand bei Impfstoffen gegen das Virus, hat echo24.de bei Professor Jan Steffen Jürgensen, Vorstand im Klinikum Stuttgart, nachgefragt.

Bereits im Oktober 2021 hat unsere Redaktion mit Dr. Friedrich Reichert, Kinderinfektiologe und Ärztlicher Leiter Pädiatrische Interdisziplinäre Notaufnahme (PINA) des Klinikums Stuttgart über die damals schwierige Situation gesprochen. Die Umstände im Jahr 2022 sind nicht weniger dramatisch.

Klinikum Stuttgart rechnet mit über 40.000 Behandlungen zum Jahresende

Laut Professor Jan Steffen Jürgensen ist das Olgahospital des Klinikums Stuttgart, als Deutschlands größte Kinderklinik, „seit Wochen stark gefordert“: „Allein die Besuche der Kindernotaufnahme liegen in diesem Jahr auf Rekordniveau und werden bis zum Jahresende weit über 40.000 Behandlungen erreichen.“

Einrichtung:Olgahospital
Befindet sich in:Katharinenhospital / Klinikum Stuttgart
Trägerschaft:\tStadt Stuttgart
Versorgungsstufe:Krankenhaus der Maximalversorgung

Als Ursachen sind demnach „vor allem atypische Häufungen von Atemwegsinfekten, aber auch Ausfälle und Überlastungen im Bereich der niedergelassenen Pädiater“. Jan Steffen Jürgensen: „Derzeit werden regelmäßig über 15–20 Patienten allein wegen RSV im Olgahospital, dem Kinderkrankenhaus im Klinikum Stuttgart, behandelt. Diese Patienten bleiben in der Regel 3–6 Tage auf Station.“

Das macht die Lage mit dem RS-Virus so akut

Doch was macht die aktuelle Lage mit dem RS-Virus bei Kindern aktuell so akut? Für den Leiter der Klinik Stuttgart ist es „das Zusammentreffen vieler Infektionsfälle mit höherem Behandlungsbedarf bei gleichzeitig ohnehin beanspruchten Kinderkliniken“. Die Situation sei „ohne Reservekapazität, mit erhöhten Krankenständen oder Isolationspflichten in den klinischen Teams sehr anspruchsvoll“.

Auch die Kinderkliniken in Ludwigsburg und Schwäbisch Hall haben sich bereits geäußert und gegenüber echo24.de über die steigenden Zahlen und Ursachen gesprochen. Hier sieht man durchaus auch die „die pandemiebedingten Hygienemaßnahmen“ als einen möglichen Grund.

RS-Virus bei Kindern: Welche Rolle die Corona-Pandemie spielen kann

Die Corona-Pandemie ist ein Ansatz, den auch Professor Jan Steffen Jürgensen auch im Blick hat. Zwar sei „die wissenschaftliche Evidenz ist zu dieser Frage nicht eindeutig“, doch ausschließen könne man es wohl nicht: „Vermutlich ist das Immunsystem grundsätzlich nicht beeinträchtigt, die erworbene Kenntnis der Erreger nach ausgebliebenen Infekten in Phasen strikter Isolation aber unterentwickelt – mit aktuellen Häufungen quasi als Nachholeffekt.“

Immerhin, so erklärt es der Klinik-Vorstand, erscheinen die Verläufe bei den mit RS-Virus erkrankten Kinder „nicht atypisch“. Allerdings sei „die Häufung und das Zusammentreffen mit ungewöhnlich frühen Influenza-Fällen“ durchaus „besonders“.

Chronische Entzündungen der Atemwege als Folgeschäden einer Infektion

Die Frage der Folgeschäden bei Kindern, die mit dem RS-Virus infiziert waren und sind, Kinder, beantwortet der Professor wenig beruhigend für Eltern. Denn, Patienten, „die einen der seltenen, sehr schweren Verläufe einer RSV-Infektion hatten, haben ein größeres Risiko, eine chronische Entzündung der Atemwege zu entwickeln“.

Es ist daher wichtig, gerade in den Wintermonaten ganz genau hinzuschauen bei den Kindern. Ist es das RS-Virus, Corona oder doch eine Grippe? Die Symptome sind sich sehr ähnlich, wie echo24.de berichtet hat. Doch wie sieht es denn mit einem Impfschutz aus?

Impfungen gegen das RS-Virus – so ist der Stand der Forschung

Von Professor Jan Steffen Jürgensen gibt es da gegenüber echo24.de einen interessanten Einblick in den aktuellen Stand der Forschung. So macht er deutlich, dass Impfstoffe in der Entwicklung seien, „aber leider noch nicht zugelassen“. Aktuell gibt es demnach die Möglichkeit der passiven Immunisierung mit Antikörpern. Laut der „Deutschen Apothekerzeitung“ genügt eine Dosis des Antikörpers.

Dazu heißt es: „Nun hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA Nirsevimab mit dem Handelsnamen Beyfortus von AstraZeneca und Sanofi tatsächlich bereits im September zur Zulassung empfohlen.“ Jürgensen erklärt dazu: „Vor wenigen Wochen wurden auch Ergebnisse einer Impfstudie an über 7.000 Schwangeren mit einem RSV-Impfstoff von Pfizer vorgestellt, die vielversprechend sind.“ Mit Impfung der Mütter würden Antikörper gegen die Viren auf die Kinder übergehen und schützen diese in den besonders empfindlichen ersten Monaten. Zulassungsanträge werden in den USA noch in diesem Jahr erwartet.

Sanofi bereits im Booster-Studie für Corona-Impfstoff dabei

Mit Sanofi ist damit ein Hersteller mit dem Impfstoff gegen das RS-Virus beschäftigt, der auch schon an der Entwicklung eines Vakzins gegen Corona dabei war. Der Impfstoff wurde damals einer sehr umfangreichen Booster-Studie unterzogen, mit besonderen Ergebnissen.

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