Nur noch eine Frage der Zeit

In den USA viele Giftbiss-Opfer: Tötet diese Killer-Ameise bald auch uns?

  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
    schließen

Die Rote Feuerameise ist die aggressivste und tödlichste Ameise der Welt. Und sie könnte einmal auch in Deutschland zum Stammgast werden.

Die hochbetagte Dame schlummert in ihrem Bett. Das Fenster in ihrem Schlafzimmer steht offen - damit nach einem heißen Tag etwas kühlere Nachtluft den Raum durchströmen kann. Ein fataler Fehler, denn am nächsten Morgen ist die Seniorin tot, ihr Leichnam grausam entstellt, weil komplett übersät mit Eiterblasen. Todesursache und Killer stehen somit schnell fest: anaphylaktischer Schock, bedingt durch giftige Biss-Attacken Tausender angriffslustiger Roter Feuerameisen. Ein Szenario aus den USA, das sich in der Zukunft auch in Deutschland abspielen könnte.

Schreckensmeldung aus den USA: Auf diese Art sterben jährlich 100 Menschen - vornehmlich wehrlose Senioren, Säuglinge oder Allergiker. Oder aber Betrunkene, die ihren Rausch ausgerechnet auf einem Feuerameisennest ausschlafen, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Von den im selben Zeitraum insgesamt ausgemachten 14 Millionen Giftbiss-Opfern der Roten Feuerameise benötigen 80.000 ärztliche Hilfe. Blanker Horror, verursacht durch den Mensch. Denn der hat die ursprünglich aus Brasilien stammende Killer-Ameise - wie auch diese Monster-Spinne, die Deutschland erreicht hat - eingeschleppt. Und die verbreitet sich nun mangels natürlicher Feinde EXTREM.

ArtRote Feuerameise
Familie Ameisen
Wissenschaftlicher NameSolenopsis invicta
HerkunftSüdamerika - vornehmlich Brasilien
VerbreitungUSA, China, Taiwan, Japan, Australien...

Rote Feuerameise: Insekt kann mit Gift sogar Menschen töten

Die nur einen halben Zentimeter großen Roten Feuerameisen sind fernab ihrer natürlichen Feinde in der südamerikanischen Heimat unbesiegbar, da gegen jegliches Gift erhaben. Laut tierwelt.ch wurden bereits 4.000 Insektizide gegen die Killer-Krabbler ausprobiert - ohne Erfolg. Im Gegenteil: Nach jedem menschlichen Gift-Angriff kamen die Feuerameisen noch stärker zurück. Und wenn sie einmal da sind, töten sie zwar Schädlinge wie Zecken, Kakerlaken und Flöhe, rotten aber auch alle heimische Ameisenarten aus. Indem sie ihr hochgiftiges Alkaloid Solenopsin in die beim Biss entstandenen Wunden pumpen. Bei Tier UND Mensch.

Die USA, Australien, Taiwan, Japan und China hat die Rote Feuerameise bereits erobert. Und weitere Lebensräume der hochinvasiven Neozoen-Art werden folgen. Darin sind sich Experten wie Manfred Verhaagh sicher, auch wenn das in Deutschland „in absehbarer Zeit noch nicht der Fall sein wird“. Der Entomologie-Leiter und Hautflügler-Kurator des Naturkundemuseums Karlsruhe sagt auf echo24.de-Anfrage aber auch: „Der Mittelmeerraum könnte aufgrund der Klima-Erwärmung und Globalisierung bald nächster Verbreitungsraum der Roten Feuerameise werden.“

Der Mittelmeerraum könnte aufgrund der Klima-Erwärmung nächster Verbreitungsraum der Roten Feuerameise werden.

Hautflügler-Experte Manfred Verhaagh, Entomologie-Leiter des Naturkundemuseums Karlsruhe

Rote Feuerameise: Giftiges Insekt bildet riesige Kolonien

Für Deutschland sieht Fachmann Manfred Verhaagh derzeit noch keine Gefahr. DENN: „Die Winter sind hierzulande zumeist noch zu kalt, um ein Überleben Roter Feuerameisen zu gewährleisten.“ Doch der Klimawandel begünstige natürlich eine Ausbreitungen giftiger Invasoren wie dieser eingeschleppten und mittlerweile auch in Deutschland vorkommenden Spinne. Zuträglich ist da auch der rege Internet-Handel mit internationalen Ameisen als Haustieren. Verhaagh warnt davor: „Die Tiere können ausbüxen - vielleicht auch eine Königin. Darum sollte bei Arten wie der Roten Feuerameise absolute Vorsicht geboten sein.“

Der Verbreitungserfolg der Roten Feuerameisen

Eine Königin kann bis zu sieben Jahre alt werden - mit einem Volk von bis zu 220.000 Tieren. Forscher haben herausgefunden, dass Rote Feuerameisen jedoch nicht nur eine Königin dulden, sondern Super-Kolonien mit bis zu 3.000 Königinnen bilden. Im australischen Melbourne wurde laut IVA-Magazin eine Kolonne mit einem Durchmesser von 100 Kilometern entdeckt.

Rubriklistenbild: © AdobeStock

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema