Schokolade, die keine ist

Ritter Sport verkauft Schokolade, die gar nicht so heißen darf – was ist da los?

Ritter Sport verkauft eine Schokolade, die nicht als solche bezeichnet werden darf. Aber warum? Was hat es mit der „Schokolade“ auf sich?

Ritter Sport hat eine neue Schokolade auf den Markt gebracht. Das ist zuerst nicht verwunderlich und auch keine spektakuläre Nachricht an sich – doch die neue Schokolade hat einen Haken und damit Schlagzeile geschrieben: Das neue Ritter-Sport-Produkt darf in Deutschland nicht als Schokolade betitelt werden. Eine Schokolade, die nicht Schokolade heißen darf – was ist denn da los? Was hat es mit der „Schokolade“ auf sich? echo24.de* forschte nach.

Warum darf die neue Ritter Sport Schokolade nicht als solche bezeichnet werden?

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport bringt eine neue Schokolade auf den Markt. Streng genommen, darf die Schokolade in Deutschland aber nicht als solche bezeichnet werden, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Was zunächst kurios klingt und ein Stück weit auch ist, hat einen lebensmittelrechtlichen Hintergrund: Laut der deutschen Verordnung über Kakao- und Schokoladenerzeugnisse aus dem Jahr 2003 besteht eine Schokolade nicht nur aus Zutaten wie Kakaomasse, Kakaopulver und Kakaobutter, sondern zwingend auch aus bestimmten Arten von Zucker, an die enge Kriterien angelegt werden.

Genau ein Kriterium ist bei dem neuen Produkt von Ritter Sport nicht erfüllt. Denn die neue Ritter Sport „Schokolade“ enthält keine dieser bestimmten Zuckerarten. Bei dem neuen Ritter-Sport-Produkt mit dem Namen „Cacao y Nada“ – „Kakao und nichts“ – wird zum Süßen nach eigenen Angaben der Firma stattdessen natürlichen Kakaosaft verwendet, der auf einer Plantage in Nicaragua extra aus Kakaofrüchten gewonnen wird.

Vorschriften der Verordnung über Kakao- und Schokoladenerzeugnisse nicht mehr zeitgemäß

Zwar ist der Saft der Kakaofrucht inzwischen prinzipiell in der EU als Lebensmittel zugelassen, allerdings beinhaltet das von Ritter Sport auf der Plantage gewonnene Süßungsprodukt nach Unternehmensangaben nicht den erforderlichen Zuckergehalt, der zu einer lebensmittelrechtlichen Anerkennung als Zuckerart nötig wäre. Eine Schokolade besteht laut Verordnung zwingend aus Kakaoerzeugnissen und Zuckerarten*.

Die Kakaoverordnung ist eine Art gesetzliches Rezeptbuch - wer dagegen verstößt, riskiert Geldstrafen und im Extremfall gar einen behördlich verordneten Verkaufsstopp. Ritter Sport beklagt, das deutsche Lebensmittelrecht sei in diesem Punkt nicht mehr zeitgemäß. Dass eine Schokolade, die zu 100 Prozent aus Kakao bestehe, ohne den Zusatz von Zucker hierzulande nicht als solche bezeichnet werden dürfe, sei „absurd“, sagte Firmenchef Andreas Ronken laut einer Pressemitteilung vom Montag: „Wenn Wurst aus Erbsen sein darf, braucht Schokolade auch keinen Zucker. Aufwachen.“ Eine Ritter-Sport-Sprecherin sagte auf Anfrage, man setze sich für eine Änderung der Verordnung ein.

Ritter Sport verkauft nun Kakaofruchttafel statt Schokolade

Ritter Sport

Die Marke Ritter Sport wurde nach Angaben des Herstellers im Jahr 1932 eingeführt. Clara Ritter hatte damals die Idee, eine Sportschokolade zu entwickeln – eine Schokoladentafel, die trotz des Gewichts einer länglichen Schokoladentafel in jede Sportjacketttasche passen sollte. Das quadratische Schokolade hieß zuerst Sport-Schokolade und seit 1970 dann Ritter Sport Schokolade.

Übrigens: Die erste Schokoladenmarke der 1912 von Clara und Alfred E. Ritter in Cannstatt gegründeten Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik war AlRiKa Krem-Schokolade (ein Akronym von Alfred Ritter Kannstatt).

Die Schokolade von Ritter Sport* wird derzeit in mehr als 100 Ländern verkauft. Das Unternehmen erlöste 2020 noch 470 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 1650 Mitarbeiter

Auf den deutschen Markt bringen will das Unternehmen sein neues Produkt nun trotz der Umstände, dass es nicht als Schokolade bezeichnet werden darf. Das Produkt soll nun nicht als „Schokolade“ verkauft werden, sondern beispielsweise unter der Bezeichnung „Kakaofruchttafel“.

Auf den Medienwirbel rund um die Schokoladen-Diskussion, meldete sich auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu Wort: Die Kakaoverordnung begrenze die Verwendung zuckerhaltiger Zutaten nicht auf bestimmte Zuckerarten. Das Ministerium könne daher nicht erkennen, dass bei der Herstellung von Schokolade nicht auch natürlicher Kakaosaft zum Süßen verwendet und das Erzeugnis unter der Bezeichnung Schokolade verkauft werden dürfe. „Wir haben das klare Ziel, den Zuckergehalt in Fertiglebensmitteln und Erfrischungsgetränken deutlich zu reduzieren“, sagte Ministerin Julia Klöckner gegenüber der Deutschen Presseagentur. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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