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RS-Virus breitet sich aus: Arzt klärt über die Gefahren für Kinder auf

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Von: Dominik Jahn

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Die Zahlen steigen. Das RS-Virus (RSV) breitet sich massiv aus. Besonders für die Kleinsten ist es eine große Gefahr. Ein Arzt des Olgahospitals des Klinikums Stuttgart spricht über Symptome und Folgen. Darauf müssen Eltern bei ihren Kindern achten.

Es ist eine Folge der Corona-Krise. Eine Folge, mit der in Deutschland die Kinder zu kämpfen haben. In den vergangenen Wochen und Monaten erkranken immer mehr Kleinkinder an Virusinfektionen. Besonders das gefährliche RS-Virus (RSV) wird zum Pandemie-Problem. Auch im Olgahospital des Klinikums Stuttgart sind zahlreiche Fälle bekannt. Auf echo24.de-Nachfrage erklärt ein Arzt des größten Kinderkrankenhauses im Land erste Anzeichen und Folgen der Krankheit*.

Ebenfalls im Schatten des Coronavirus‘ ist in den zurückliegenden Monaten das PIMS-Syndrom zum Problem für Kinder geworden. Beim Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) handelt es sich um eine Atemwegserkrankung, an der auch Erwachsene schwer erkranken können. Doch gerade für Kleinkinder, Säuglinge und besonders für Frühgeborene stellt die Infektionskrankheit eine immense Gefahr dar.

RS-Virus: Gefährliche Erkrankung für Kinder - Experte des Klinikums Stuttgart klärt auf

Laut einem früheren Bericht der Deutschen Presse-Agentur wurden im Oktober 2021 im Olgahospital des Klinikums Stuttgart 125 Patienten aufgenommen. Ab dem 1. November waren es dann schon 166. Aktuell meldet die Uniklinik Freiburg laut einem Bericht des „SWR“ auch wieder mehr als 100 Kinder.

Einrichtung:Olgahospital
Befindet sich in:Katharinenhospital / Klinikum Stuttgart
Trägerschaft:Stadt Stuttgart
Versorgungsstufe:Krankenhaus der Maximalversorgung

Vor gut einem Jahr konnte Dr. Friedrich Reichert, Kinderinfektiologe und Ärztlicher Leiter Pädiatrische Interdisziplinäre Notaufnahme (PINA) des Klinikums Stuttgart gegenüber echo24.de noch über eine allmählich entspanntere Lage berichten: „Im Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts ist ein langsamer Rückgang der RSV-Hospitalisierungen zu sehen, der auch im Olgahospital des Klinikums Stuttgart zu bemerken ist. Das Olgahospital des Klinikums Stuttgart nimmt momentan täglich nur noch im einstelligen Bereich kleine Patienten mit RSV (Bronchiolitis, Bronchitis, Pneumonie) auf.“

Steigende Zahlen im November 2022: RS-Virus verbreitet sich rasant

Bei den damals etwa 20 betroffenen Kindern, die stationär wegen RSV behandelt werden mussten, war der Zustand laut Reichert durchaus kritisch -sechs der Kinder lagen auf der Intensivstation. Von einer Lockerung der Lage mochte er trotz sinkender Zahlen laut RKI noch nicht sprechen.

Im Oktober und November 2022 steigen die Zahlen wieder massiv an. Dem „SWR“-Bericht nach eben nicht nur in der Nordwestschweiz, sondern auch im Elsass und in Südbaden sind die Zahlen ungewöhnlich hoch. Doppelt so viele, wie letztes Jahr. Eine Erklärung dafür ist, dass vor zwei Jahren die Welle ausblieb. Alle Kinder, die sich damals nicht angesteckt hatten, holen das jetzt nach. Masken helfen da auch nicht viel. Wie auch merkur.de berichtet, warnt in diesem Jahr die Ärzteschaft besonders vor dem respiratorischen Synzytialvirus.

RS-Virus: Wie Eltern ihre Kinder schützen können

Damit das eigene Kind erst gar nicht mit Verdacht auf das RS-Virus ins Krankenhaus muss, können Eltern einige ganz grundlegende Dinge beachten. Die AHA-Regel und die gängigen Hygienemaßnahmen sind dabei am wichtigsten. Reichert: „Erkältete Kinder sollten nicht in die KiTa gebracht werden.“

AHA-Regel

Abstand halten, Hygiene-Maßnahmen beachten - Husten und Niesen in die Armbeuge oder in ein Taschentuch und regelmäßiges Händewaschen sowie -desinfizieren, Alltagsmaske tragen!

Und gerade für die Allerkleinsten ist laut dem Experten eine Sache besonders zu beachten für die Eltern: „Säuglinge und insbesondere Kinder unter sechs Monaten sollten strikt von erkälteten Menschen ferngehalten werden.“

Erste RSV-Symptome beim Kind: Darauf sollten Eltern achten

Eine mögliche Infektion des Kindes mit dem RS-Virus ist für Eltern gar nicht so leicht zu erkennen. Das Problem erklärt Dr. Friedrich Reichert vom Olgahospital des Klinikums Stuttgart wie folgt: „In den allermeisten Fällen verlaufen Infektionen mit dem RS-Virus milde mit Symptomen wie Husten, Schnupfen und Fieber und die Kinder sind nach einigen Tagen wieder fit.“

Allerdings sind besonders Kinder bis drei Jahren gefährdet. Bei ihnen kann das Virus oft zu schweren Krankheitssymptomen führen, dann ist ein Krankenhausaufenthalt zwingend erforderlich. Reichert: „Wenn das Fieber länger als drei oder vier Tage anhält oder sehr hoch steigt, sollten Eltern ihr Kind in die Praxis bringen. Alarmzeichen sollte auch eine schnelle, angestrengte Atmung sein oder wenn die Trinkmenge weniger als die Hälfte des Üblichen beträgt.“ Alarmzeichen für Eltern:

Die Folgen des RS-Virus für Kinder: Reha und Asthma-Gefahr

Was macht das RS-Virus mit den Kindern? Gibt es ernsthafte Folgeschäden? In den allermeisten Fällen sieht Dr. Friedrich Reichert keine Probleme, da der Großteil der Infektionen „milde“ verlaufen und dann vollständig heilen.

Doch gibt es auch die schweren Verläufe. Reichert: „Kinder die eine schwere Infektion durchgemacht haben, haben in den Folgejahren oft ein anfälligeres Bronchialsystem und dadurch häufiger Bronchitis.“ Und besonders groß ist „das Risiko, im größeren Kindesalter Asthma zu entwickeln“.

*Das Gespräch mit Dr. Friedrich Reichert, Kinderinfektiologe und Ärztlicher Leiter Pädiatrische Interdisziplinäre Notaufnahme (PINA) des Klinikums Stuttgart fand bereits im Oktober 2021 statt. Aufgrund der aktuellen Lage rund um das Virus haben wir den Artikel aktualisiert.

 

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