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Ravensburger stoppt Verkauf von Winnetou-Kinderbüchern: „Gefühle anderer verletzt“

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Von: Pia Seitler

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Mika Ullritz als Winnetou in einer Szene des Films „Der junge Häuptling Winnetou“.
Mika Ullritz als Winnetou in einer Szene des Films „Der junge Häuptling Winnetou“. © Leonine/dpa

Die Ravensburger Kinderbücher zum neuen Winnetou-Film stecken mitten in einer Debatte zu Rassismus und kultureller Aneignung.

Nach „vielen negativen Rückmeldungen“ hatte sich die Firma Ravensburger Mitte August dazu entschieden, den Verkauf mehrere Kinderbücher zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ zu stoppen. Nutzer auf Sozialen Netzwerken hatten kritisiert, die Geschichte bediene rassistische Vorurteile und nutze eine kolonialistische Erzählweise.

Das Feedback habe Ravensburger deutlich gezeigt, dass die Firma mit den Winnetou-Titeln „die Gefühle anderer verletzt haben.“ Doch auch nach der Entscheidung, sieht sich die Firma Ravensburger großer Kritik ausgesetzt. Unter dem Instagram-Post äußern hunderte Nutzer ihr Unverständnis über die Entscheidung. „Katastrophale Entscheidung“ heißt es da, aber auch: „Vielen Dank fürs Zuhören, Verstehen & Lernen“.

Ravensburger äußert sich zur Entscheidung, „Winnetou“-Kinderbüchern aus dem Programm zu nehmen

Ein Sprecher von Ravensburger teilte am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit, man habe die Entscheidung, die Kinderbücher, das Puzzle und ein Stickerbuch zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ aus dem Programm zu nehmen, sorgfältig abgewogen. Bei den genannten Winnetou-Titeln sei man zu der Überzeugung gelangt, dass angesichts der geschichtlichen Wirklichkeit, der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, hier ein „romantisierendes Bild mit vielen Klischees“ gezeichnet werde, berichtet die dpa.

„Auch wenn es sich um einen klassischen Erzählstoff handelt, der viele Menschen begeistert hat: Der Stoff ist weit entfernt von dem, wie es der indigenen Bevölkerung tatsächlich erging.“ Vor diesem Hintergrund wolle man als Verlag keine verharmlosenden Klischees wiederholen und verbreiten, auch wenn man den Grundgedanken der Freundschaft - wie bei Winnetou vorhanden - hoch schätze.

Winnetou-Kinderbücher: Was meint der Vorwurf kultureller Aneignung?

Immer wieder ist in aktuellen Debatten auch von kultureller Aneignung die Rede. Ravensburger selbst spricht davon im Instagram-Post. Mit kultureller Aneignung ist gemeint, dass Menschen sich einer Kultur bedienen, die nicht ihre eigene ist, zum Beispiel durch Musik oder Bekleidung. Kritisiert wird laut dpa vor allem, wenn Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sich einzelner Elemente der Kultur einer Minderheit bemächtigen, sie kommerzialisieren und aus dem Zusammenhang reißen.

Jüngstes Beispiel: In Bern wurde ein Konzert der Band Lauwarm abgebrochen, weil sich einige Besucher daran störten, dass sie jamaikanische Musik spielte und die weißen Mitglieder der Band teils afrikanische Kleidung und Dreadlocks trugen. Zuvor hatte Fridays for Future die weiße Musikerin Ronja Maltzahn, die bei einer Demonstration auftreten sollte, wegen ihrer Dreadlocks ausgeladen.

Karl-May-Experte kritisiert Ravensburger Entscheidung zu „Der junge Häuptling Winnetou“

Der Karl-May-Experte Andreas Brenne kritisierte indes gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung die Entscheidung des Ravensburger Verlages: „Ich halte es für nicht richtig, ein solches Buch nur aufgrund eines Shitstorms aus dem Verkehr zu ziehen“, sagte Brenne. Er ist Professor für Kunstpädagogik und Kunstdidaktik an der Universität Potsdam und arbeitet in der Karl-May-Gesellschaft an Programmfragen mit.

Das Buch sei seiner Meinung nach unbedenklich, da klargestellt werde, dass es als fiktive Geschichte und nicht als sachgerechte Darstellung des Lebens indigener Völker zu verstehen sei. „Hier hat wohl die Angst der Marketingabteilung des Verlages, das Haus könne in Verruf kommen, das Vorgehen diktiert.“

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