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Arktisches Phänomen: Polarwirbel sorgt für Extremwetter im Winter in Deutschland

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Von: Michaela Ebert

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Auf der Nordhalbkugel nimmt der Polarwirbel gerade richtig Fahrt auf. Der Wind beeinflusst, wie der kommende Winter wird und sorgt für Extremwettersituationen in Deutschland.

Ob bittere Kälte, Schneechaos oder beinah frühlingshafte Temperaturen: Der Polarwirbel entscheidet, wie in Deutschland der Winter wird. Für die kommende Jahreszeit sieht es fast danach aus, als könnten sogar extreme Witterungsbedingungen auf uns zukommen.

Bereits der diesjährige Herbst war davon geprägt: Erst das Sommer-Comeback im Oktober, dann die heftigen und für die Jahreszeit ungewöhnlichen Unwetter – das Wetter in Süddeutschland hielt die Menschen auch im Jahr 2022 in Atem. Oder besser gesagt: machte sie atemlos. Denn eine Wetterlage mit anhaltendem Hochdruck sorgte beinahe ununterbrochen für heiße Luft. Die strömte aus Nordafrika über Westeuropa zu uns.

Bereits im Sommer und Herbst herrschen extreme Wetterverhältnisse in Deutschland

Somit traf Deutschland eine Hitzewelle nach der anderen. Und nicht nur wegen der Temperaturen war der Sommer rekordverdächtig: auch die anhaltende Dürre sorgte für Rekorde – und den wohl sonnigsten und trockensten Sommer der Geschichte.

Im November kehrte dann in unseren Breitengraden ein wenig Normalität ein. Der elfte Monat bringt die gewohnten niedrigen Temperaturen und graues Regenwetter. Sogar eine echte Kälte-Klatsche mit dem ersten Schneefall könnte noch auf die Menschen in Baden-Württemberg am Ende des Monats zukommen. Dafür entscheidend ist jedoch, was hoch im Norden passiert.

Arktisches Wetterphänomen: Polarwirbel sorgt für Extremwetter in Deutschland

Denn dort finden Meteorologen ein arktisches Wetterphänomen: den sogenannten Polarwirbel. Wird dieser aktiv, könnte das massiv viel Schnee im Winter bedeuten – und gerade nimmt er ganz schön Fahrt auf. Kommt nun also das extreme Winterwetter nach Deutschland und Baden-Württemberg?

Schneesturm: eine Windkraftanlage im Schnee
Wie der Winter in Deutschland wird, entscheidet ein arktisches Wetterphänomen: der Polarwirbel. © GAETAN BALLY / picture alliance

Immerhin ist die kalte Jahreszeit, die mit den größten Temperaturabweichungen: Im November beispielsweise sind Unterschiede von bis zu 50 Grad Celsius möglich. Doch ob wir eisige Kälte, Schneechaos oder kaum eine Schneeflocke bekommen: Entscheidend für den Verlauf des Winters ist eben dieser Polarwirbel.

Starkwind in 30 Kilometer Höhe: Polarwirbel beeinflusst Wetter auf der Nordhalbkugel extrem

Doch wie ist das überhaupt möglich? Wie entsteht der Polarwirbel? Durch die Neigung der Erdachse und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne werden die Tage in den nördlichen Breitengraden im Herbst schnell kürzer – die Nächte länger. Mit dem fehlenden Sonnenlicht verliert die Luft in den Wintermonaten schnell an Wärme. Die Folge: ein rapider Abfall der Temperatur.

Was ist ein Polarwirbel?

Als Polarwirbel bezeichnet man einen Starkwind in etwa 30 Kilometer Höhe. Im Gegensatz zum Jetstream gibt es diesen nur etwa sechs Monate im Jahr. Sowohl in der Arktis, als auch in der Antarktis ist er dann zu finden. Der arktische Wirbel, der das Wetter der europäischen Breitengrade beeinflusst, bildet sich im Herbst und löst sich im Frühjahr wieder auf.

Da kalte Luft schwerer als warme ist, sinkt sie ab und drückt dabei auf den Boden. Dort bildet sich ein Hochdruck, während die „fehlende“ Luft in der Höhe für ein Tiefdruckgebiet sorgt. Um dieses „Loch“, also den fehlenden Druck, in der Höhe auszugleichen, strömt Luft aus den südlicheren Regionen nach Norden.

Extremwetter durch Polarwirbel: So entsteht der arktische Wind

Gleichzeitig sorgt die Erdrotation, die sogenannte Corioliskraft, dafür, dass ein Luftwirbel entsteht. Die darin beschleunigte Luft kann sogar unter Umständen eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichen – und somit eine Art Windmauer bilden, die die eisige Kälte dort oben festhält.

Die Luft im Wirbel bleibt indes immer in Bewegung und kann sich sogar in Form eines Ovals ausdehnen. In diesem Fall würde die kalte (und oftmals schneereiche) Luft besonders weit südlich gedrückt werden – allenfalls sogar bis Madrid, wie im April 2022. Ein weiteres Extrembeispiel entsteht dann, wenn sich der Polarwirbel in extremen Höhenschichten teilt. Dieses Phänomen bezeichnet man auch als Polarwirbelsplit.

Polarwirbelsplit: Luftmassen mit enormem Temperaturunterschied werden durcheinandergewirbelt

Luftmassen mit einem Temperaturunterschied von 60 bis teilweise sogar 80 Grad treffen dann aufeinander und werden durcheinander gewirbelt. Kein Wunder also, dass der Polarwirbel das Wetter auf der gesamten Nordhalbkugel auf extremste Weise beeinflussen kann.

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