Grippemittel aus Tübingen hilft gegen Coronaviren

Paxlovid: Entscheidender Wirkstoff stammt aus Deutschland - das kann ATR-002

  • Dominik Jahn
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Paxlovid: Wirkstoff auch gegen alle Corona-Varianten getestet. Studie zu ATR-002 bringt überraschende Daten.

Aktuell wartet das Unternehmen Pfizer für sein Corona-Medikament Paxlovid noch auf die Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Ein ganz wichtiger Wirkstoff in den Kapseln kommt dabei aus Deutschland. In einer Analyse der Wirkungsweise von ATR-002 wurden jetzt entscheidende Daten dazu bestätigt.

Wie die Fachzeitschrift Cellular and Molecular Life Sciences vor wenigen dazu schreibt, blockiert der MEK1/2-Inhibitor ATR-002 „effizient die Ausbreitung von SARS-CoV-2 und lindert entzündungsfördernde“ Reaktionen“. Ursprünglich wurde dieser Wirkstoff allerdings von der Tübinger Firma Atriva als Mittel gegen Grippe entwickelt.

Inhibitoren

Ein Inhibitor ist laut Definition ein Hemmstoff, also ein Stoff, der eine oder mehrere Reaktionen – chemischer, biologischer oder physikalischer Natur – beeinflussen kann, diese dann verlangsamt, hemmt oder verhindert.

Paxlovid-Wirkstoff: ATR-002 eigentlich gegen Grippe

Wie unter anderem der MDR meldet, wurde der Paxlovid-Wirkstoff ATR-002 bereits seit April 2021 „in den Forschungen der Firma zusammen mit der Charité klinisch gegen Covid-19 getestet“. Abschließende Daten sollen im April 2022 vorliegen. Allerdings zeigte sich in den Analysen, dass dieser spezielle Paxlovid-Bestandteil in verschiedenen Zellkulturmodellen wirksam war – auch gegen alle getesteten Varianten von Sars-CoV-2.

Im wissenschaftlichen Beitrag bei Cellular and Molecular Life Sciences heißt es dazu wörtlich: „Wir zeigen, dass ATR-002, ein spezifischer Inhibitor der Upstream-MEK1/2-Kinasen, der derzeit in klinischen Studien als Anti-Influenza-Medikament evaluiert wird, eine starke Anti-SARS-CoV-2-Aktivität in Zelllinien sowie in der Primärluft zeigt -Flüssig-Interphase-Epithelzellkulturen (ALI) mit einem sicheren und selektiven Behandlungsfenster“

Paxlovid-Wirkstoff ATR-002 mit starken Daten gegen alle Corona-Varianten

Im November 2021 veröffentlichte das Unternehmen Atriva einen Beitrag zu einer präklinische Studie mit Wirkstoff ATR-002. Dabei wurde „die antivirale Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 im Vergleich zu arzneimittelfreien Kontrollen in einem etablierten präklinischen Infektionsmodell auf der Basis von Syrischen Hamstern“ untersucht. Die Ergebnisse zeigten: „Die behandelten Gruppen zeigten eine Verringerung der Viruslast in den Atemwegen und eine beträchtliche Abschwächung der Lungenentzündung und der Lungenschädigung“.

Prof. Dr. Oliver Planz (Universität Tuebingen, Interfakultäres Institut für Zellbiologie IFIZ - Abt. Immunologie) im Labor mit Virenkulturen.

Die Wirkung von ATR-002 gegen unterschiedliche Corona-Varianten - „die Wildtyp-, Alpha- und Beta-Varianten von SARS-CoV-2 sowie SARS-CoV-1 und MERS-CoV“ - bestätigte sich zudem. Die Replikation der Viren konnte konnte in allen Fällen um 90-Prozent gehemmt werden. Zu der Studie erklärte Prof. Dr. Oliver Planz, CSO von Atriva Therapeutics: „Von der Wirkungsweise her haben wir erwartet, dass unser Spitzenkandidat auch gegen Coronavirus-Varianten wirksam ist und sind sehr zufrieden, dies bestätigt zu sehen.“

Paxlovid: Notfallzulassung wie bei Molnupiravir?

Ähnlich wie für Molnupiravir hofft Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach noch auf eine Notfallzulassung. Für das Medikament des US-amerikanisches Pharmaunternehmen Merck & Co. hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine vorzeitige Freigabe erteilt.

Rubriklistenbild: © dpa/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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