Medikament von Pfizer nicht für jeden geeignet

Paxlovid: Corona-Medikament ist da – die wichtigsten vier Infos

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Paxlovid: Das Corona-Medikament von Pfizer kann auch zu Hause eingenommen werden.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Paxlovid hat die „bedingte Marktzulassung“ für Europa. Das Corona-Medikament hat in Studien aber nicht nur positive Daten geliefert.

Seit Ende Januar 2022 hat Paxlovid durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eine „bedingte Marktzulassung“ erhalten. Nachdem es zunächst Probleme mit der Auslieferung für Deutschland gegeben hatte, ist das Corona-Medikament von Hersteller Pfizer seit 23. Februar hierzulande erhältlich.

Neben positiven Studien und einem Vergleich mit dem Präparat Molnupiravir von Merck & Co., hatten sich zuletzt auch durchaus kritische Stimmen zu Paxlovid gemeldet. Die Rede war dabei immer wieder von möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Experten haben sogar eine „rote“ Liste erstellt.

Paxlovid: Erstes Corona-Medikament für zu Hause

Paxlovid gilt laut Medizinern als erstes Corona-Medikament für den Hausgebrauch. Das Präparat von Pfizer wird in Tablettenform eingenommen und dient der Verhinderung von schweren Verläufen.

Bedingte Zulassung (CMA)

Laut der offiziellen Erklärung der EMA wird die bedingte Zulassung (CMA) als beschleunigtes Zulassungsverfahren verwendet, um die Zulassung von Arzneimitteln in Notfällen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der EU zu beschleunigen. CMAs ermöglichen die Zulassung von Arzneimitteln, die einen ungedeckten medizinischen Bedarf decken, auf der Grundlage weniger vollständiger Daten als normalerweise erforderlich. Dies geschieht, wenn der Nutzen einer sofortigen Verfügbarkeit eines Arzneimittels für Patienten das Risiko überwiegt, dass noch nicht alle Daten vorliegen.

Gerade da Paxlovid eben auch zu Hause eingenommen werden kann, ist es wichtig einige entscheidende Infos über die Corona-Pille des US-Herstellers zu wissen.

Verwendung und Wirkung von Paxlovid

Wie echo24.de bereits in früheren Artikeln berichtet hat, stellt Paxlovid eine Kombinationstherapie dar. Es geht dabei um zwei entscheidende oral antivirale Wirkstoffe. Zu den verwendeten Substanzen schrieb unter anderem auch die Pharmazeutische Zeitung: „Es handelt sich um die von Pfizer entwickelte neue Substanz PF-07321332, die jetzt Nirmatrelvir heißt und die für die Vermehrung von SARS-CoV-2 wichtige virale Protease 3CL hemmt, und andererseits das bekannte Ritonavir, das als Booster wirkt, indem es den Abbau von Nirmatrelvir über CYP3A4 in der Leber bremst“.

Die Einnahme von Paxlovid muss laut Hersteller und zahlreicher Experten spätestens fünf Tage nach Beginn der Symptome beginnen – und dann über fünf Tage lang. Ein Wundermittel sei das Corona-Medikament aber keinesfalls. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte vor wenigen Tagen die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM): „Paxlovid ist nicht der Pandemieüberwinder, sondern die Impfung.“ Paxlovid sei demnach vielmehr ein „Notnagel“.

Paxlovid: Für wen ist das Corona-Medikament sinnvoll

Die DEGAM machte in dem dpa-Bericht zudem deutlich, dass die Verwendung „äußerste Vorsicht und gute Patientenaufklärung und -überwachung“ erfordere. Der Einsatzbereich von Paxlovid sei außerdem begrenzt. Fachleute halten eine Anwendung „für die Ungeimpften über 65-Jährigen, die noch nicht genesen sind“ für sinnvoll.

Unterschiedliche Studien haben gezeigt, dass das Präparat von Pfizer als sehr geeignet für Patienten ohne Impfschutz mit mindestens einem Risikofaktor gilt. Gegenüber der dpa erklärte dazu Stefan Kluge, Intensivmediziner und Experte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP): „Es ist anhand bisheriger Daten kein Medikament für beispielsweise schlanke, sportliche 20-Jährige oder 60-Jährige mit Booster, die ein positives Testergebnis erhalten.“

Zum Einsatz bei Geimpften generell gebe es bisher keine verlässlichen Daten. Und auch ein Wirkungsnachweis gegen die Omikron-Variante von Corona bleibt noch aus. Die Daten für die Zulassung durch die EMA stammen noch aus der Zeit vor Omikron. Die Forscher gehen aber von einem Schutz gegen diese Variante aus. Hingegen hat Molnupiravir eine Omikron-Studie bereits nachgeliefert.

Paxlovid in der Apotheke erhältlich

Bereits nachdem klar war, dass die Lieferungen an Deutschland im Februar starten sollten, gab es erste Hinweise für Patienten, wie sie an Paxlovid kommen können. Wie die dpa meldet, hat Professor Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in diesem Bezug auch auf die Problematik der rechtzeitigen Behandlung hingewiesen.

Viele Patienten könnten nicht sofort zum Arzt gehen. Zusätzlich würde dann noch Zeit bis zum Vorliegen des Testergebnisses vergehen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sieht vor, dass Ärzte ausnahmsweise Rezepte direkt an Apotheken schicken, die das Medikament dann beim Großhandel bestellen und es „möglichst kontaktarm“ per Boten an Patienten ausliefern. Auf Vorrat dürfen Apotheken Paxlovid nicht haben.

Pfizer mit Paxlovid der Gewinner im Milliarden-Geschäft

Für den US-Pharmakonzern Pfizer ist Paxlovid ein weiteres umsatzstarkes Präparat im Kampf gegen Corona. Mit dem Impfstoff Biontech hat der Hersteller bereits zu Beginn der Impf-Kampagne gute Ergebnisse erzielt. Das Unternehmen gilt als der große Gewinner der Pandemie im Milliarden-Geschäft der Pharmahersteller.

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