ARD - „Frag selbst“

Frauke Petry meldet sich zurück: „Die AfD hasst mich nicht“

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Auch die kritischen Zuschauerfragen bei der ARD-Sendung „Frag selbst“ beantwortete Petry sachlich und eloquent.

In der ARD-Sendung „Frag selbst“ konnten die Zuschauer via Facebook Fragen an AfD-Chefin Frauke Petry stellen. Die beantwortete selbst die kritischen Fragen ruhig und sachlich. 

Berlin - Spätestens seit dem letzten Parteitag der AfD ist klar: Chefin Frauke Petry hat deutlich an Beliebtheit in ihrer Partei eingebüßt. Ihr Vorschlag, ohne Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf 2017 zu ziehen, wurde abgeschmettert. Stattdessen wurde ihr Widersacher Alexander Gauland zusammen mit Alice Weidel zum Spitzenkandidat gewählt, Petry ging leer aus. 

Nun wurde es zuletzt ruhiger um die Parteichefin. Mit dem Interview im ARD-Zuschauerformat „Frag selbst“ meldet sich Petry zurück. Die herben Rückschläge aus der jüngeren Vergangenheit merkte man ihr dabei ganz und gar nicht an. Ruhig und eloquent beantwortete sie alle Fragen der Zuschauer, auch die, die für sie selbst unangenehm gewesen sein müssen.

„Fühlen sie sich eigentlich noch wohl in ihrer Partei?“

Und genau das war bereits die erste Frage, die ein User an Petry stellte: „Fühlen Sie sich eigentlich noch wohl in ihrer eigenen Partei?“ Aus dem Konzept bringen ließ sich die AfD-Chefin davon nicht: „Als Chefin ist es für mich völlig klar, dass in einer Partei nicht immer alles klar läuft“, sagte sie mit einem kurzen Lächeln. Dennoch sei sie als Führungskraft weiterhin dafür verantwortlich, die Führung zu übernehmen und die Änderung in die Gesellschaft hinzutragen für die die Partei stehe, so Petry.

„Zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft gibt es einen Unterschied“

In einer direkten Videobotschaft wandte sich eine Zuschauerin zum Thema „Ehe für alle“ an Petry: „Warum haben Sie und der Rest der AfD so viel Stimmung gegen die Ehe für alle gemacht? Denn ein Großteil der deutschen Bevölkerung und zwar parteiübergreifend ist ja dafür.“ Würde die Partei damit allen Deutschen vorschreiben wollen, wie sie zu denken haben, so die Frage der Zuschauerin.

Und auch darauf hatte Petry prompt eine Antwort: „Mitnichten wollen wir vorschreiben, was man zu denken oder zu leben hat.“ Homosexuelle könnten zusammenleben und ihre Rechte sollten auch geschützt sein, findet Petry. Dennoch sei die AfD gegen eine Ehe für alle, weil es zwischen der Ehe als einer vom Staat substantiell geförderten Einrichtung, die der Fortpflanzung dient, und einer Lebenspartnerschaft biologische Unterschiede gebe, so Petry. 

Dass aber Realität und Idealvorstellung auch in der AfD voneinander abweichen, wurde durch die nächste Frage klar, in der ein User Petry nach ihrem eigenen traditionellen Familienbild fragte. „Für uns ist eine traditionelle Familie, in der es Vater und Mutter gibt. Und natürlich ist uns völlig klar, dass ein Ideal zu haben nicht heißt, das alle es leben können.“ Deswegen fände man in der AfD auch Menschen die in zweiter Ehe leben würden, wie sie, so Petry.

„Junge Partei sammelt manchmal recht buntes Klientel ein“

Die User hatten noch eine weitere kritische Frage: Wie steht Petry dazu, dass nach wie vor Antisemiten wie Wolfgang Gedeon oder Rechtsextreme in der Partei Unterschlupf fänden? Die Antwort Petrys kam prompt: „Dass eine junge Partei manchmal recht buntes Klientel einsammelt, passiert nicht nur der AfD. Gegen Herrn Gedeon läuft ein Ausschlussverfahren, von dem ich erwarte, dass es schnell zum Abschluss kommt." Eigentlich wolle die Partei-Chefin, dass alle Rechtsextremen aus der Partei ausgeschlossen werden, fügt sie später hinzu. Generell sei es aber schwierig, Mitglieder aus der Partei auszuschließen. Man müsse am besten am Anfang genau hinschauen, und das sei der Partei nicht in allen Fällen gelungen, so Petry. 

„Zeigt, wie wichtig ich für die Partei bin“

Eine Frage, die Moderatorin Tina Hassel aus den meist gestellten Fragen bei Google an Petry stellte, lautete: „Warum hasst die AfD Frauke Petry?“ Nach einem kurzen Stirnrunzeln, kam auch hier die Antwort schnell. „Das tut sie nicht. Ich glaube, wenn sie die Öffentlichkeit fragen, ist keine Person stärker verbunden mit der Idee der AfD verbunden seit 2013 als ich - und das zeigt auch, wie wichtig ich weiterhin für die Partei bin.“

„Familiennachzug soll ausgesetzt werden“

Besonders ausführlich wollten die Zuschauer mit Petry über das Thema „Flüchtlingspolitik“ sprechen. Selbstverständlich habe sie auch persönlich mit Flüchtlingen gesprochen, erklärt Petry zunächst. Dabei habe sie zwei Dinge festgestellt: Zum einen würden viele der Migranten die Bedenken der AfD bezüglich der aktuellen Politik verstehen. Zum anderen „könnten sie auch verstehen, dass wir unser Land nicht aufgeben wollen. Sie verstehen auch, dass es Regeln geben muss“, so Petry. 

Auch ansonsten drückte Petry sich beim Thema Flüchtlingspolitik sehr diplomatisch aus: Sie betonte die Notwendigkeit, Fluchtursachen zu bekämpfen, Entwicklungshilfe gezielt anzugehen und die Eigenverantwortung der Herkunftsstaaten zu stärken. Ihre Aussage, Schießbefehle gegen Flüchtlinge an Grenzen einzusetzen, bereue sie aber nicht. Und auch beim Thema Familiennachzug wird Petry konkret: „Juristisch ist das realisierbar, indem man den Familiennachzug schlichtweg gesetzlich ausschließt.“ Es gebe zwar die Genfer Flüchtlingskonventionen, gibt Petry zu, aber die müssen man schärfen. 

„Man kann nicht alles“

Bei der letzten Frage kam Petry dann doch noch ins Stocken. Sie solle ihre Politik in einer Geste darstellen. „Das ist sehr schwer“, sagt sie, und schaut dann ihre Hände an. „Was mir spontan dazu einfällt sind offene Hände, weil man damit offenbart, dass man im Dialog bleibt und dass es trotzdem eine Begrenztheit gibt. Man kann nicht alles."

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