Vier Faktoren für milderen Verlauf

Omikron-Studie: Doch so tödlich wie Delta? Hier haben die Daten einen Haken

Coronavirus Tests
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Ist Omikron doch so tödlich wie Delta? Statistiker blickt auf neue Daten und findet einen Haken.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Omikron: Forscher sehen in neuen Daten die gleiche Gefahr, wie bei der Delta-Variante. Statistiker nennt einen entscheidenden Fehler.

Immer noch hält sich die Omikron-Variante des Corona-Virus. Die Verläufe bei infizierten Personen sollen insgesamt milder sein, als bei früheren Virus-Varianten. Und dennoch ist eine schnelle und weitere Erkrankung mit Omikron nicht selten, wie echo24.de bereits berichtet hat. Zu einer speziellen Harvard-Studie gibt‘s jetzt Kritik.

Mit einer neuen Omikron-Studie wollen Wissenschaftler zeigen, der Glaube an einen deutlich milderen Verlauf der Corona-Variante sei falsch. Die gewonnen Daten stehen im Vergleich zu Delta und anderen Virus-Versionen.

Neue Studie zu Omikron: Variante doch so tödlich wie Delta?

Das Nachrichten Magazin Focus hat in einem Beitrag den Statistiker Kristan Schneider die Harvard-Studie zum Omikron analysieren lassen. Und er sieht einen Haken bei den Daten. Laut Studien-Angaben waren 130.000 Corona-Patienten an den Tests beteiligt. Diese waren demnach im Zeitraum zwischen Dezember 2020 und Februar 2022 mit dem Virus infiziert.

Die Wissenschaftler der Harvard Medical School und des Massachusetts General Hospital, der Minerva University wollten testen, ob Omikron wirklich deutlich mildere Verläufe aufweist, als die anderen Varianten. Zu den Ergebnissen heißt es in der Studie: „Wir fanden heraus, dass die Risiken von Krankenhausaufenthalten und Sterblichkeit zwischen den Perioden nahezu identisch waren. Unsere Analyse legt nahe, dass der intrinsische Schweregrad der Omicron-Variante genauso schwerwiegend sein kann wie frühere Varianten“. Heißt: Omikron soll so tödlich sein, wie Delta und andere Varianten.

Harvard-Studie zu Omikron: Statistiker bewertet die Ergebnisse

Die Harvard-Studie wurde bisher aber nur im Preprint veröffentlicht. Es fehlen also noch die Aussagen von unabhängigen Experten zu den Ergebnissen dieser Tests. Kristan Schneider geht sehr kritisch bei seiner Bewertung für den Focus auf die Daten und Werte ein.

Preprint und Peer-Review-Verfahren

Preprint oder auch Vorab-Publikation beschreibt laut Definition eine wissenschaftliche Veröffentlichung, die zum einen schon einsehbar ist, aber noch nicht in einem sogenannten Peer-Review-Verfahren begutachtet wurde. Ein Peer-Review-Verfahren dient der Sicherung der Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit durch unabhängige Gutachter aus dem entsprechenden Fachgebieten.

Gegenüber dem Magazin erklärte er: „Die Forscher behaupten, wenn man die Zahlen auf Alter, Impfung und Vorerkrankungen korrigiert, ist Omikron genauso gefährlich wie andere Varianten in Bezug auf die Sterblichkeit und Krankenhauseinweisungen.“ Für den Statistiker ein eher mangelhafter Blick der Forscher auf die Gesamtlage.

Omikron-Studie: Experte sieht falsche Daten-Grundlage

Zwar kann man durchaus davon sprechen, dass Omikron „infektiöser“ ist und nach den Ereignissen in Honkong sicher auch „gefährlicher als bisher angenommen“, aber dort seien ältere Menschen „nicht ordentlich geimpft“. Hier hätte dem Bericht zufolge die „geringe Impfquote und der schlechte Impfstoff“ zur höheren Sterblichkeit geführt.

Schneider spricht davon, dass diese Omikron-Studie womöglich einen entscheidenden Fehler hat: „Die Variantenzuordnung hinkt womöglich.“ Es wurden bei den Teilnehmern keine „variantenspezifischen PCR-Tests vorgenommen“, heißt es hierzu. Man sei einfach davon ausgegangen, dass bei den Personen die im aktuellen Zeitraum vorherrschende Corona-Variante vorlag. Schneider: „Das ist nicht korrekt und reicht, um die Ergebnisse zu verzerren.“

Das Problem: Nicht selten gab es Infektionen mit anderen Varianten, auch wenn bereits Omikron die dominante Corona-Variante war. Schneider kritisiert im Focus-Beitrag: „Alle Infektionen im Dezember und Januar wurden ohne Variantenbestimmung als Omikron-Infektionen gewertet.“

Omikron-Studie: Statistik-Experte nennt vier Faktoren für milden Verlauf

Immerhin findet der Statistik-Experte noch vier Faktoren durch Harvard-Studie, die zeigen, warum Omikron durchaus weniger tödlich verläuft. Diese Faktoren hätten dem Artikel zufolge dazu beigetragen, dass die Omikron-Welle milder verlief als die Delta-Welle:

  • Die Medikamentenforschung gegen Corona ist vorangeschritten.
  • Die Booster-Impfungen wirken
  • Mehr junge Menschen infizieren sich. Dadurch verringert sich der Anteil der schweren Infektionen.
  • Es werden bei Omikron weniger Kapazitäten gebunden in den Krankenhäusern.

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