Wann ist Training wieder sinnvoll?

Vorsicht bei Sport nach Omikron-Infektion: Experten sagen, was besonders wichtig ist

  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Nach einer Omikron-Infektion mit milden Symptomen wollen viele Sportfans direkt wieder loslegen. Doch wann ist es tatsächlich ungefährlich?

Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken langsam wieder. Die aktuelle 7-Tage-Inzidenz beträgt am Dienstag, 12. April, 1.087,2 – das ist zwar immer noch sehr hoch, aber bei weitem nicht mehr so kritisch, wie noch vor einigen Wochen. Dennoch bereitet die Omikron-Variante Experten Sorgen – vor allem, weil die Infektionen mit der Corona-Mutation besonders häufig mild verlaufen. Doch wieso ist das ein Problem?

Wie die Apotheken-Umschau berichtet, kann es immer wieder dazu kommen, dass die „böse Überraschung“ erst nach der eigentlichen Infektion mit der Omikron-Variante kommt. Denn durch die milden Verläufe muten sich besonders sportbegeisterte Patienten schnell zu viel zu. Die Folge von zu schnellem Wiedereinstieg in das Training: Eine Herzmuskelentzündung, Herzrhythmusstörungen oder gar Gefäßverschlüsse.

Sport nach Omikron-Infektion: Lieber abwarten – das rät der Experte

Der Sportkardiologe Professor Martin Halle, der die Sportkardiologie an der Technischen Universität München leitet, erklärte gegenüber der Apotheken-Umschau: „Es kommen zahlreiche, eigentlich gesunde Aktive zu uns, die sagen: ‚Ich hatte Corona und komme seitdem nicht mehr auf die Beine.‘“ Die Beschwerden reichen dann von schneller Erschöpfung über Kurzatmigkeit, Luftnot unter Belastung oder gar Herzstolpern und Herzrasen.

Es kommen zahlreiche, eigentlich gesunde Aktive zu uns, die sagen: ‚Ich hatte Corona und komme seitdem nicht mehr auf die Beine.‘

Sportkardiologe Professor Martin Halle, Technische Universität München

„Bei der Untersuchung zeigen sich dann oft Veränderungen an Lunge oder Herz“, berichtet Halle. Um eben solche Veränderungen so gut es geht zu vermeiden, sollten Genesene nach ihrer Corona-Infektion – auch mit Omikron – für eine gewisse Zeit auf Sport verzichten, so der Experte. Dem schließt sich auch die Frankfurter Kardiologie-Professorin Stefanie Dimmeler an. Sie berichtet: „Covid-19 befällt nicht nur die Atemwege, sondern führt auch zu einer Entzündung der Blutgefäße“ und eben diese ist für Sportler so gefährlich.

Sport nach Omikron-Infektion: Auch wenn Erkältungssymptome abklingen, bleibt Gefahr

Denn auch wenn die Erkältungssymptome, die typischerweise mit Corona und der Omikron-Variante in Verbindung gebracht werden und leicht mit einer Allergie oder Grippe verwechselt werden können, bereits abgeklungen sind, hält die Gefäßentzündung häufig noch an. Besonders fatal: Oft merken von Corona Genesene nichts von der noch schwelenden Entzündung. Im Gegenteil fühlen sie sich wieder fit und gesund und wollen deshalb schnell zurück zum Sport.

Sportkardiologe Halle erklärt allerdings, auch wenn der PCR-Test bereits negativ ausfalle, sollten Genesene noch mindestens 14 Tage warten, bevor sie wieder in leichte Sporteinheiten einsteigen. Lediglich körperliche Aktivitäten mit niedriger Belastungsintensität, bei deren Ausübung sich der Sportler noch locker unterhalten kann und nicht schwitzt, belasten den kranken Organismus nicht. Das bedeutet: Mindestens zwei Wochen nach Quarantäne-Ende sollte gänzlich auf anstrengendes Training verzichtet werden.

Sport nach Omikron-Infektion: Zuerst Stabilisation, dann Krafttraining und zum Schluss Ausdauer

Gegenüber Focus Online erklärte Halle zusätzlich, der Trainingsbeginn nach einer Omikron-Infektion sollte ganz locker sein: „Zuerst eher etwas Stabilisationstraining, das belastet Herz, Kreislauf und Lunge weniger, dann Krafttraining und mit dem Ausdauertraining sollte ich noch mindestens eine Woche warten“, lautet der Expertenrat.

Übrigens dauert es auch immer eine Weile, bis eine Omikron-Infektion überhaupt bemerkt wird und sich erste Symptome zeigen. Deshalb rät Sportkardiologe Halle im NDR, bei Trainingseinheiten immer auf den eigenen Körper zu hören und bei Warnsignalen eher etwas auf die Bremse zu drücken. Zudem können sich Menschen wohl häufiger mit Omikron anstecken.

Muss man nach der Corona-Impfung erst einmal auf Sport verzichten? (Symbolbild)

Deshalb appelliert auch Herz-Kreislauf-Experte Halle erneut an alle Deutschen, sich impfen zu lassen. Denn dadurch sind, so Halle, die Verläufe meist nicht so ausgeprägt und das Risiko einer Herzmuskelentzündung schrumpft. Der Experten-Rat: Lieber Maske tragen und es nicht bekommen. Am wichtigsten sei aber, sich mindestens dreimal impfen lassen.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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