Novavax-Impfstoff sollte anders definiert werden

Ist Novavax ein Totimpfstoff? Experten wollen nach Verwirrung Aufklärung

Coronavirus - Pressekonferenz
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Novavax doch kein Totimpfstoff? Experten-Aussage sorgt für Verwirrung.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Novavax als Totimpfstoff? Nicht nur SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach verlangt eine deutlichere Beschreibung in der Öffentlichkeit.

Mit Novavax soll bald ein weiterer Impfstoff für den Kampf gegen das Coronavirus kommen. Der US-Hersteller hat die Zulassung für die EU bereits vor Wochen beantragt. Das neue Vakzin gilt gerade unter Impfskeptikern als Alternative zu den aktuell verwendeten mRNA-Impfstoffe. Bei Novavax war bisher immer die Rede von einem Totimpfstoff. Doch jetzt gibt es andere Aussagen dazu.

Bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech, Moderna oder auch AstraZeneca ist der Bauplan für einen bestimmten Bestandteil des Virus enthalten. Dieser wurde im Reagenzglas künstlich hergestellt und besteht aus mRNA. Laut der Definition des Robert Koch-Instituts ist „mRNA (Boten-RNA oder messenger Ribonukleinsäure) die „Bauanleitung“ für jedes einzelne Eiweiß des Körpers und ist nicht mit der menschlichen Erbinformation − der DNA − zu verwechseln“.

Novavax falsch bezeichnet: Professor mit kritischem Tweet

Totimpfstoffe enthalten dagegen ausschließlich abgetötete Krankheitserreger. Doch während der neue Impfstoff Novavax zuletzt genau dieser Gruppe zugeteilt wurde, scheint dies eine völlig falsche Wahrnehmung zu sein. Jetzt meldete sich Florian Krammer, Professor für Impfstoffkunde über Twitter zu Wort.

In seinem Tweet äußert sich der 39-Jährige genervt und empört über die Einstufung von Novavax: „Kann man bitte aufhören den Impfstoff von Novavax als Totimpfstoff zu bezeichnen?“ Und Krammer wird konkreter: „Es ist ein rekombinanter Proteinimpfstoff. Dafür wird das Spike Protein mithilfe von Baculoviren in Mottenzellen hergestellt und dann mit Matrix-M Adjuvant (ein Saponin) formuliert.“

Politiker Lauterbach stimmt zu: Novavax kein Totimpfstoff

Prominente Unterstützung gab es für Florian Krammer von SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Wie unter anderem die Berliner Morgenpost schreibt, sieht es Lauterbach in seinem Tweet genauso: „Stimmt zwar. Aber weil so viele Ungeimpfte nur Totimpfstoff wollen, warum auch immer, wird bald erhältliches Novavax als solcher bezeichnet.“

Besonders die Tatsache, dass dem so sehnlichst erwartete Novavax-Impfstoff ja deutlich weniger Erfahrungswerte zu Grunde liegen, als den aktuellen mRNA-Wirkstoffen, lässt den Politiker verzweifeln. Karl Lauterbach bei Twitter: „Mir ein Rätsel, wo die Sicherheit eines 40k Erfahrung Impfstoff liegen soll, wenn mRNA sofort abgebaut wird und milliardenfach bewährt ist.“

Vorgehen beim Novavax-Impfstoff: Kein klassischer Totimpfstoff

Mit Novavax wird das wichtige Spike-Protein direkt injiziert. Bei den anderen Corona-Impfstoffen ist dieses Protein nur als Bauplan in Form von DNA oder mRNA enthalten. Für den Novavax-Impfstoff wird es zuvor laut dem Bericht der Berliner Morgenpost „künstlich im Labor erstellt und massenhaft in Insektenzellen reproduziert. Im Labor wird dabei sichergestellt, dass kein genetisches Material des Virus in den Impfstoff gelangt und das Präparat somit ungefährlich bleibt“.

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