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Militärexperten schätzen Fotos ein: Putins Rekruten „ohne Waffen“ an der Front?

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Von: Bettina Menzel, Bedrettin Bölükbasi

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Russland hat am Montagmorgen zahlreiche Raketen auf Ziele in der Ukraine abgefeuert. Nach Ansicht eines US-Thinktanks will Putin über den Winter den Willen Europas brechen.

Update vom 31. Oktober, 18.00 Uhr: Dieser News-Ticker ist beendet. Alle weiteren Informationen zum militärischen Geschehen im Ukraine-Krieg finden Sie hier.

Update vom 31. Oktober, 17.32 Uhr: Das an Russland grenzende Norwegen wird seine Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen. Die Maßnahme gelte ab Dienstag, kündigte Ministerpräsident Jonas Gahr Störe am Montag in Oslo an. Er betonte zugleich, dass keine direkte Bedrohung durch Russland festgestellt worden sei. „Wir haben derzeit keinen Grund anzunehmen, dass Russland Norwegen oder irgendein anderes Land direkt in seinen Krieg hineinziehen will“, sagte der Regierungschef. Doch sei es angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine notwendig, dass alle Nato-Staaten „zunehmend wachsam“ seien.

Nach Angaben des norwegischen Verteidigungsministers Björn Arild Gram bedeutet die Erhöhung der Alarmbereitschaft unter anderem, dass die Schutzmaßnahmen an Militäreinrichtungen verstärkt werden. Das Nato-Mitglied Norwegen teilt eine 198 Kilometer lange Grenze mit Russland in der Arktis. Auf dem europäischen Gasmarkt hat Norwegen infolge des Ukraine-Kriegs Russland inzwischen als Hauptlieferant abgelöst.

Zuletzt waren in Norwegen mysteriöse Drohnenflüge beobachtet worden, besonders nahe Ölplattformen im Meer. Mehrere Russen wurden im Zusammenhang mit den Drohnen festgenommen. Zudem nahm die norwegische Spionageabwehr in der vergangenen Woche einen mutmaßlichen russischen Spion fest, der sich als brasilianischer Forscher ausgegeben hatte.

Erneuter Raketenbeschuss auf Ukraine: „Hunderte Gemeinden“ offenbar ohne Strom

Update vom 31. Oktober, 14.57 Uhr: Bei dem erneuten russischen Beschuss auf die Ukraine hätten Raketen und Drohnen insgesamt 18 Anlagen getroffen, erklärt nun der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal – „Hunderte Gemeinden“ in sieben Regionen seien in Folge dessen ohne Strom. Unabhängig prüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Die russischen Luftangriffe seien eine „direkte Gefahr für die Sicherheit der Nachbarstaaten“, warnte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko. Erneut forderte er auf Facebook von den Verbündeten moderne Raketen- und Luftabwehrsysteme für sein Land. Zuvor waren Teile einer abgeschossenen russischen Rakete in ein grenznahes Dorf im Norden der Republik Moldau gestürzt. Das teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Chisinau mit. Die ukrainische Luftabwehr habe die Rakete im Anflug abgeschossen.

Das russische Verteidigungsministerium informierte indessen über Angriffe mit „Präzisionswaffen“ gegen militärische Kommandostrukturen und Anlagen zur Stromversorgung. Alle anvisierten Ziele seien getroffen worden, erklärte es.

Militärexperten schätzen Fotos ein: Putins Rekruten „ohne Waffen“ an der Front?

Update vom 31. Oktober, 9.47 Uhr: Russland schickt Reservisten oft nur mit schlechter Ausrüstung an die Front, schätzen britische Militärexperten. Im September hätten sich russische Offiziere besorgt darüber gezeigt, dass einige neue Rekruten „ohne Waffen“ in der Ukraine eintrafen, hieß es nun in einem Bericht des Verteidigungsministeriums in London.

Demnach legen Fotos auch nahe, dass Reservisten mit veralteten Waffen ausgestattet wurden, die wegen schlechter Lagerung kaum noch zu benutzen sein dürften.

Unterdessen wirft Kiew Moskau „massive Angriffe“ auf die ukrainische Energieinfrastruktur vor. In mehreren Regionen des Landes stünde diese unter Beschuss. Der ukrainischen Armee zufolge feuerte Russland mindestens 50 Raketen ab. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte auf Telegram, in einem Teil der Hauptstadt sei infolgedessen der Strom ausgefallen und einige Stadtgebiete seien zudem ohne Wasser. Kiew war bereits am 10. und 17. Oktober Ziel russischer Drohnenangriffe gewesen.

Ukraine-Krieg: russische Rekruten in der Region Kaliningrad
Aufnahme vom 27. Oktober: russische Rekruten in der Region Kaliningrad © Vitaly Nevar/Imago

Explosionen auch in Kiew: Russland beschießt wieder zahlreiche Städte in der Ukraine

Update vom 31. Oktober, 8.03 Uhr: Russland hat am Montag zu Beginn der neuen Woche wieder zahlreiche Städte in der Ukraine mit Raketen beschossen. In weiten Teilen des Landes gab es Luftalarm, die ukrainische Flugabwehr war aktiv, wie die dortigen Behörden mitteilten. Auch in der Hauptstadt Kiew, in Charkiw und Saporischschja waren demnach Explosionen zu hören. Die Behörden riefen die Menschen auf, sich in Schutzbunkern und anderen Räumen in Sicherheit zu bringen. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko schreibt auf Telegram, dass in mehreren Vierteln der Stadt der Strom ausgefallen sei. Einige Teile Kiews seien zudem ohne Wasser.

Ersten offiziellen Angaben starteten die russischen Truppen - wie an den vergangenen Montagen - wieder Dutzende Raketenangriffe im morgendlichen Berufsverkehr. Über neue Opfer war am Morgen zunächst nichts bekannt. Russland hatte erklärt, besonders die Energie-Infrastruktur des Nachbarlands ins Visier zu nehmen. Die Ukraine spricht von „Energieterror“ mit dem Ziel, die Menschen in Dunkelheit, Kälte und Angst zu stürzen und so in die Flucht in die EU zu treiben.

US-Thinktank: Putin will Europas Willen brechen

Update vom 31. Oktober, 7.32 Uhr: Das Institute for the Study of War (ISW) erwartet, dass der russische Präsident Waldimir Putin seine konventionelle Kriegsführung weit in das Jahr 2023 hinein fortführen wird, anstelle taktische Nuklearwaffen einzusetzen. Der US-Thinktank begründet seine Prognose damit, dass Putin die Voraussetzung geschaffen hat, weiterhin schlecht ausgebildete Soldaten in die Kämpfe mit ukrainischen Truppen zu werfen, anstelle die Operationen zu unterbrechen, um seine Streitkräfte zu reorganisieren und ihre Kampfbereitschaft wiederherzustellen.

Zudem anderen will Putin nach Ansicht des ISW den harten Winter nutzen, um Europas Willen zu brechen. Aufgrund der Unterbrechung der russischen Energielieferungen in der kalten Jahreszeit soll eine frierenden Bevölkerung einen solchen Druck auf die westlichen Regierungen ausüben, dass diese ihre Unterstützung für die Ukraine einstellen und einige Sanktionen gegen Russland aufheben.

Selenskyj berät mit Armeeführung: Kommt eine neue ukrainische Offensive?

Update vom 30. Oktober, 22.35 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit der Spitze der Streitkräfte und der anderen Sicherheitsorgane erneut über den Fortgang des Abwehrkampfes gegen Russland beraten. Dabei sei es auch um die möglichen Pläne des Feindes für die kommende Zeit gegangen, sagte der Staatschef am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache. Einzelheiten nannte er nicht. Allerdings sind auf solche Sitzungen des Oberkommandos schon mehrfach Offensiven der ukrainischen Streitkräfte gefolgt.

Gefahr aus Belarus? — Ukrainischer Geheimdienstchef gibt vorsichtige Entwarnung

Update vom 30. Oktober, 18.20 Uhr: Die Ukraine erwartet aktuell keine neue russische Invasion aus Belarus. Dies sagte der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, gegenüber dem US-Onlinemagazin The Drive. Die russische Militärpräsenz in Belarus sei mit etwa 4300 Soldaten nicht groß, so Budanov. Zudem hätten sie auch nur begrenzte schwere Waffen und würden zu 80 Prozent aus neu rekrutierten Soldaten bestehen. „Ich kann also sagen, dass derzeit keine Gefahr einer Invasion aus Belarus besteht“, erklärte Budanov.

Mit der Einnahme von Cherson durch das ukrainische Militär könne sich das aber ändern. Budanov zufolge könnten die gut trainierten und erfahrenen russischen Soldaten teilweise nach Belarus verlegt werden und somit von dort aus eine größere Gefahr darstellen.

Ukraine-Krieg: Söldnertruppe Wagner erleidet offenbar hohe Verluste

Update vom 30. Oktober, 13.03 Uhr: Die russische Söldnergruppe Wagner hat nach Einschätzung britischer Geheimdienste wegen erheblicher Verluste ihre strengen Einstellungskriterien deutlich abgeschwächt. „In früheren Konflikten hat sie relativ hohe Rekrutierungsstandards aufrechterhalten, und viele ihrer Söldner hatten zuvor als professionelle russische Soldaten gedient“, teilte am Sonntag das Verteidigungsministerium in London mit. Zuletzt habe Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin in einem Online-Beitrag aber nahegelegt, dass die Gruppe nun auch Häftlinge mit schweren Krankheiten wie zum Beispiel Hepatitis C rekrutieren würde.

„Die Aufnahme von Gefangenen mit ernsthaften medizinischen Bedenken unterstreicht, dass jetzt Menge über Erfahrung oder Qualität gestellt wird“, kommentierte das britische Ministerium. Prigoschin habe zudem vor kurzem Pläne zur Errichtung einer 200 Kilometer langen Abwehrstellung namens „Wagner-Linie“ in der Ostukraine erörtert. „Dieses Unterfangen würde große Arbeitskraft erfordern. Es besteht die realistische Möglichkeit, dass einige der aus Strafanstalten rekrutierten Häftlinge zunächst zum Aufbau der Verteidigungsanlagen eingesetzt werden“, hieß es in London. Schon im September war ein Video bekannt geworden, dass Wagner-Chef Prigoschin bei der Rekrutierung von Häftlingen in Gefängnissen zeigen soll.

Ukrainischer Generalstab meldet fast tausend getötete russische Soldaten innerhalb eines Tages

Update vom 30. Oktober, 10.25 Uhr:  Der ukrainische Generalstab teilte am Sonntag mit, dass innerhalb der vergangenen 24 Stunden fast tausend russische Soldaten getötet worden seien. Demnach erhöhte sich die Zahl der seit Beginn des Krieges am 24. Februar gefallenen russischen Soldaten um 950 im Vergleich zum Vortag auf insgesamt 71.200.

Außerdem seien insgesamt 2.672 russische Panzer zerstört worden, ebenso wie 5.453 gepanzerte Kampffahrzeuge, 4.120 Fahrzeuge und Treibstofftanks, 1.724 Artilleriesysteme, 383 Mehrfachraketenabschuss-Systeme, 197 Luftabwehrsysteme, 274 Flugzeuge, 252 Hubschrauber, 1.412 Drohnen und 16 Boote Russlands. Diese Informationen ließen sich nicht unabhängig verifizieren. Zu den eigenen Verlusten machte die ukrainische Armee indes keine Angaben.

Verkündung des Endes der russischen Mobilmachung könnte Versuch sein, Männer wieder ins Land zu locken

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet weitere Teilmobilmachungen von Reservisten in Russland für den Krieg gegen sein Land. „Wir bereiten uns darauf vor“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Er reagierte damit auf das in Moskau von Verteidigungsminister Sergej Schoigu verkündete Ende der Einberufung von 300.000 Reservisten für den Krieg gegen die Ukraine.

Aus Angst, eingezogen zu werden, hatten zehntausende Russen das Land verlassen. Dass Putin nun das Ende der Mobilmachung verkündete, wurde deshalb als Versuch gesehen, Männer wieder ins Land zu locken. Experten warnen aber vor einer Rückkehr nach Russland, weil das Ende einer Teilmobilmachung noch durch einen Erlass des Präsidenten besiegelt werden müsse. Das ist bisher nicht geschehen. Die Mobilmachung ist in der russischen Gesellschaft umstritten - auch weil damit der Krieg erstmals in den meisten Familien greifbar wird. Viele Einberufene sind inzwischen in Särgen wieder nach Russland überführt worden.

Offenbar russische Angriffe auf Nikopol - indes werden Details zu Evakuierungen in Cherson bekannt

Update vom 30. Oktober, 8.15 Uhr: In der Nacht zum Sonntag haben russische Streitkräfte offenbar die Stadt Nikopol im Süden beschossen. Dem Gouverneur der Oblast Dnipropetrovsk, Valentyn Reznichenko, zufolge seien insgesamt mindestens zehn Hochhäuser, Wohnungen, landwirtschaftliche Gebäude sowie eine Gasleitung beschädigt worden. Verletzte wurden zunächst nicht bekannt. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

Indes berichteten die US-Kriegsexperten vom Institute for the Study of War (ISW) am Samstag, dass Russland offenbar die Räumung in der Oblast Cherson vorantreibt. Statt der Zivilisten sollen offenbar russische Soldaten die Positionen einnehmen. Die ISW-Experten berufen sich auf Berichte aus der Region Cherson, wonach Zivilisten in Nowa Kachowka gewaltsam umgesiedelt wurden und russische Soldaten offenbar teils in Zivilkleidung in Privatwohnungen in der Siedlung Beryslaw eingezogen waren.

Ukrainischer Geheimdienstchef nennt Details zur Zurückeroberung Chersons

Update vom 29. Oktober, 20.20 Uhr: Die Ukraine erwartet eine Zurückeroberung von Cherson noch Ende November. Dies sagte der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, gegenüber dem US-Onlinemagazin The Drive. „Die Operation zur Zurückeroberung von Cherson wird höchstwahrscheinlich bis Ende des nächsten Monates dauern“, so Budanow. Aktuell würden sich die am besten trainierten russischen Einheiten in der Stadt befinden, einschließlich russischer Spezialkräfte. Im Zuge der Gegenoffensive im Süden kämpfe die ukrainische Armee gegen 40.000 russische Soldaten. Budanow zufolge versucht die Ukraine die Stadt zu umzingeln, doch russische Truppen leisten Widerstand.

Budanow bezeichnete die Nutzung von iranischen Kamikazedrohnen durch Russland gegen zivile Infrastruktur als „typischen Terrorismus“. Im Gegensatz zu dem Mojaher-6-Drohnen seien die Shaheed-136-Drohnen effektiver, da sie in hoher Zahl abgefeuert würden. Laut Budanow werden im Schnitt 70 Prozent der Drohnen abgeschossen, doch 30 Prozent erreichen ihr Ziel. Auf die Frage, wie man die Drohnen abschieße, betonte der ukrainische Geheimdienstchef: „Mit allen zur Verfügung stehenden Luftverteidigungssystemen und auch elektronischer Kampfführung.“

Russische Angriffe auf Kiew – Ukrainischer Oberst erwartet neue Offensive auf Hauptstadt

Update vom 29. Oktober, 16.20 Uhr: Nach Angaben des ukrainischen Militärs hat Russland das Ziel, die ukrainische Hauptstadt Kiew einzunehmen, nicht aufgegeben. „Für Russland besteht immer der Wunsch, die Hauptstadt der Ukraine zu erobern und sie haben es nicht aufgegeben“, sagte der oberste militärische Verantwortliche für den Raum Kiew, Oberst Serhij Popko, dem ukrainischen Nachrichtenportal NV.

Auf die Frage, „Warum sollte Russland Kiew angreifen“ gebe es mehrere Antworten beziehungsweise Versionen, so Popko. Unabhängig davon seien ukrainische Truppen in Kiew bereit für jede Entwicklung des Kriegsgeschehens. Seine Truppen würden aufgestockt werden, neue Waffen erhalten und neue Verteidigungslinien aufstellen, erklärte der ukrainische Oberst.

Ukraine-Krieg: Angriff auf russische Schwarzmeerflotte in Sewastopol

Update vom 29. Oktober, 14.10 Uhr: Die Stützpunkte der russischen Schwarzmeerflotte auf der annektierten Halbinsel Krim sind am Samstag nach Angaben pro-russischer Behörden Ziel der „schwersten Angriffe“ mit Drohnen seit Beginn des Ukraine-Konflikts am 24. Februar geworden. Die Angriffe seien in der Nacht zum Samstag von „Drohnen und ferngesteuerten Überwasserfahrzeugen in den Gewässern der Bucht von Sewastopol„ ausgeführt worden, erklärte der pro-russische Gouverneur der größten Stadt der Krim, Michail Raswojajew, nach Angaben der Nachrichtenagentur Tass.

Das russische Verteidigungsministerium machte für den Beschuss die Ukraine und Großbritannien verantwortlich. Der Angriff habe „geringfügige Schäden“ verursacht, erklärte das Ministerium am Samstag im Online-Dienst Telegram. Der „Terrorakt“ sei von britischen „Spezialisten“ ausgeführt worden, die in Otschakiw in der ukrainischen Region Mykolajiw stationiert seien, hieß es weiter. Diese britischen Einheiten seien auch für die Ausbildung ukrainischer Spezialkräfte für Marine-Operationen verantwortlich. Die nun in Sewastopol ins Visier genommenen Schiffe seien zum Schutz der Konvois zum Export ukrainischen Getreides im Einsatz gewesen, erklärte das Verteidigungsministerium zudem. Die Angaben ließen sich nicht verifizieren. Die ukrainische Regierung hatte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Auch im Juli hatte es bereits einen Angriff auf den Generalstab in Sewastopol gegeben, bei dem Russland ebenfalls die Ukraine als Urheber beschuldigte. Kiew wies die Vorwürfe damals zurück und nannte die Anschuldigungen eine „Provokation“.

Kritische Infrastruktur in Region Saporischschja am Samstag erneut unter Beschuss

Update vom 29. Oktober, 13.30 Uhr: Kritische Infrastruktur im Gebiet Saporischschja war am Samstag offenbar erneut von russischen Angriffen betroffen. Nach Angaben des Gouverneurs der Oblast Saporischschja, Oleksandr Starukh, wurden die Einrichtungen, darunter ein Industriegebäude, am Nachmittag getroffen. Der amtierende Bürgermeister von Saporischschja, Anatoliy Kurtiev, teilte mit, es habe keine Verletzten gegeben.

Befreigung Chersons wird aus Sicht des ukrainischen Geheimdienstes bis Ende November dauern

Update vom 29. Oktober, 12.37 Uhr: Die Befreiung Chersons wird wahrscheinlich bis Ende November dauern. Das teilte der Chef des ukrainischen Geheimdienstes, Kyrylo Budanov, am Samstag mit. Budanov zufolge habe Russland rund 40.000 Soldaten am rechten Ufer des Dnipro-Flusses stationiert, wo sich die besetzte Regionalhauptstadt Cherson befindet. Am Freitag hieß es vonseiten der russischen Besatzer, dass die Stadt Cherson und das Gebiet nordwestlich des Flusses von Zivilisten geräumt sei.

Cherson fiel im März als bislang in dem Krieg einzige Gebietshauptstadt in russische Hand. Im September wurde das Gebiet nach einem Scheinreferendum von Russland für annektiert erklärt. Die ukrainische Armee greift seit Wochen den russischen Brückenkopf auf dem rechten Ufer des Dnipro an und verkleinert ihn Dorf um Dorf.

Russische Marine wehrt nach eigenen Angaben Drohnenangriffe in Bucht von Sewastopol ab

Update vom 29. Oktober, 11.40 Uhr: Die russische Marine hat nach Angaben eines von Moskau eingesetzten Beamten in der Bucht von Sewastopol Drohnenangriffe auf die russische Schwarzmeerflotte abgewehrt. Verschiedene Luftabwehrsysteme hätten „mehrere Stunden lang Drohnenangriffe abgewehrt“, erklärte der von Moskau eingesetzte Gouverneur der Stadt auf der annektierten Halbinsel Krim, Michail Raswoschajew, am Samstagmorgen im Onlinedienst Telegram. „Alle (...) unbemannten Luftfahrzeuge wurden abgeschossen“, fügte er hinzu. Es seien keine Einrichtungen in der Stadt getroffen worden, die Lage sei unter Kontrolle. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

Ende Juli waren bei einem Drohnenangriff auf den Generalstab der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol nach russischen Angaben fünf Menschen verletzt worden. Demnach landete eine Drohne im Innenhof des Flottenhauptquartiers. Russland beschuldigte damals die Ukraine, hinter dem Angriff zu stecken. Die Ukraine wies die Vorwürfe zurück und nannte die Anschuldigungen eine „Provokation“.

Erfolg der ukrainischen Spezialeinheit „Khort“: Offenbar Vize-Stabschef der Wagner-Gruppe getötet

Update vom 29. Oktober, 10.35 Uhr: Der ukrainischen Spezialeinheit „Khort“ gelang es eigenen Angaben zufolge den stellvertretenden Stabschef der Söldnertruppe Wagner zu töten. Das geht aus einem Bericht der ukrainischen Zeitung Kyiv Independent vom Samstag hervor. Demnach habe ein Gefecht aus nächster Nähe zwischen der Einheit und einer Gruppe von Wagner-Soldaten stattgefunden. Alle Wagner-Soldaten seien getötet worden, hieß es. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

Die ukrainische Spezialeinheit „Khort“ gibt es seit 2014. Sie ist in die Reihen der 57. motorisierten Brigade eingebettet, die derzeit an der Gegenoffensive im Süden teilnimmt.

Ukraine-Krieg: Russische Armee hat offenbar Probleme mit Truppenmoral und Waffenmangel

Erstmeldung vom 29. Oktober: Kiew - Desolate Truppenmoral und Waffenmangel stellen Russland im kommenden Winter in der Ukraine nach Einschätzung eines Militärexperten vor große Probleme. Die russische Offensivfähigkeit sei gebrochen. „Auch ohne Einwirkung der Ukrainer wird der Winter eine große Herausforderung für die Russen“, sagte Niklas Masuhr, Forscher am angesehenen Center for Security Studies der Universität ETH in Zürich, der Deutschen Presse-Agentur. „Für die Russen geht es noch darum, sich über den Winter einzugraben. Die Truppen sind in so schlechtem Zustand, dass nicht klar ist, ob sie das schaffen.“

Militärexperte sieht Probleme im Winter: Russische Offensivfähigkeit in der Ukraine gebrochen

Die Versorgung der Truppen an der Front werde im Winter schwerer, das drücke weiter auf die Moral unter den Soldaten, die schon am Boden liege. „Die russische Offensivfähigkeit in der Ukraine ist gebrochen, weitere Vorstöße sind eher unwahrscheinlich“, sagte er. „Russland hat auf Defensivmodus geschaltet.“ Gleichzeitig gebe es keine Anzeichen, dass die jüngste Terrorkampagne mit Raketen- und Drohnenangriffen die Ukrainer eingeschüchtert habe oder ihnen der Schwung ausgehe.

Ukraine-Krieg: Russische Kommandeure müssen Untergebene teils mit Waffengewalt an die Front zwingen

Niklas Masuhr sagte weiter, er sehe täglich Berichte von mobilisierten russischen Truppen, die sich weigerten, in den Kampf zu gehen, und von Kommandeuren, die Untergebene mit Waffengewalt an die Front zwingen müssten. In den Verbänden fehle es an Zusammenhalt, weil die Truppen mittlerweile zusammengewürfelt seien, teils mit regulären Soldaten, teils mit Häftlingen und anderen jungen und alten Zwangsrekrutierten. „Mit so einem Flickenteppich kann man sich verteidigen, aber Offensiven stellen höhere Anforderungen an Ausbildung und Zusammenhalt.“

Dass ukrainische Vorstöße ins Stocken geraten sind, erkläre sich aus der Angriffsstrategie, sagte Masuhr. Die Ukrainer hätten zunächst dort angegriffen, wo abgenutzte russische Truppen weites Gelände zu verteidigen hatten. „Je dichter man an stärker verteidigte russische Frontabschnitte kommt, desto langsamer wird das Tempo, um den Gegner abzunutzen“, sagte Masuhr. Er hält eine ukrainische Offensive im Gebiet Cherson im Südosten nicht für aussichtslos. Ein Erfolg dort sei politisch und militärisch bedeutsam, weil er die russischen Truppen im Süden und Osten trennen und neue Vorstöße im Süden unmöglich machen würde. (dpa/bme).

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