Bekannter informierte Polizei über Veränderung

Der Horror von Hamburg: Was trieb den Täter an?

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Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Innensenator Andy Grote (SPD) kommen am 29.07.2017 in Hamburg-Barmbek mit Blumen zu dem Supermarkt, in dem am 28.07.2017 ein Mann einen Menschen mit einem Messer getötet und viele weitere verletzt hat.

Wie aus dem Nichts bricht der Horror über die Menschen in Barmbek herein, offenbar vollkommen willkürlich trifft es Supermarktkunden und Passanten. Es bleibt die Frage nach dem „Warum“.

Viele Details werden am Tag nach dem tödlichen Messerangriff eines 26-jährigen palästinensischen Flüchtlings erst deutlich. Der Beschuldigte, so schildern es die Ermittler, will in dem Geschäft an der Fuhlsbüttler Straße offenbar ein Toastbrot kaufen, verlässt dann den Laden, steigt in einen Bus, steigt sofort wieder aus und kehrt in den Supermarkt zurück. Dort nimmt er ein Küchenmesser aus einem Verkaufsregal und sticht wuchtig auf die ersten Opfer ein.

Ein Toter und mehrere Verletzte sind nach dem blutigen Angriff vom Freitag zu beklagen - und Hamburg steht unter Schock. Die Hansestadt kommt nicht zur Ruhe. Erst die massive Gewalteskalation beim G20-Gipfel, nun ein Anschlag. Viele Fragen sind offen. Was trieb den Täter an? Hätte er aufgehalten werden können?

Er war Verfassungsschutz und Polizei als Islamist bekannt, wohl gab es Anzeichen für eine mögliche Radikalisierung, aber als Dschihadisten oder gar Gefährder stuften die Behörden ihn nicht ein. Auch Hinweise auf die Einbindung in die islamistische Szene oder dschihadistische Netzwerke fehlten. Zugleich gibt es klare Indizien auf persönliche Probleme des Mannes, der binnen Minuten von Passanten gestellt und dazueilenden Zivilpolizisten festgenommen werden konnte. "Wir gehen im Moment von einem psychisch zumindest labilen Einzeltäter aus", sagt Innensenator Andy Grote (SPD). Es sei unklar, was am Ende entscheidend gewesen sei.

Bekannter informierte Polizei über Veränderung

Ende August vergangenen Jahres informierte ein Bekannter des Mannes die Polizei über auffällige Veränderungen, weil der dem Trinken und Feiern offenbar nicht abgeneigte junge Mann sich religiös verhielt und häufig über den Koran sprach. Beamte des Hamburger Verfassungsschutzes sprachen mit dem Mann, erläuterte dessen Chef Torsten Voß am Samstag. Sie sahen keine akute Bedrohung und kamen zu dem Ergebnis, dass eine "eine Mischform aus psychischer Instabilität und religiös-motivierter Radikalisierung" vorliegen könnte. Es war angedacht, den Mann durch die Polizei psychisch untersuchen zu lassen. Dazu aber kam es bis zur Tat nicht.

Bilder aus Hamburg: Mann greift Passanten mit Messer an

Ähnlich schilderte es am Samstag auch ein Bewohner des Flüchtlingsheims im Hamburger Stadtteil Ochsenzoll, in dem der Mann, der fließend Norwegisch, Schwedisch und Englisch spricht und im März 2015 nach Deutschland kam, lebte. Der Bewohner berichtete AFP, dass der Mann in seinem Zimmer einerseits laut den Koran rezitierte, andererseits aber weiter trank und Marihuana rauchte. "Ich glaube nicht, dass er Kontakt zu Islamisten hatte. Er hatte nicht einmal Facebook - und dann trank er außerdem immerzu Alkohol."

Für die Behörden ist der Fall auch deshalb heikel, weil der 26-Jährige Deutschland eigentlich längst wieder hätte verlassen sollen. Sein Asylantrag war Ende 2016 abschlägig beschieden worden, die Ausreise verzögerte sich aber wegen fehlender Ausweisdokumente. Die von den palästinensischen Behörden zugesagten Ersatzpapiere trafen bislang nicht ein. Das sei von deutscher Seite nicht beeinflussbar, betonten deren Vertreter am Samstag. Das Verfahren sei sogar ausgesprochen glatt gelaufen, weil der Verdächtige "vorbildlich" kooperiert habe.

Noch am Tattag habe er sich bei der Ausländerbehörde erkundigt, ob die Ersatzpapiere inzwischen vorlägen, berichtete Grote. Fast scheint es so, als wenn er Deutschland schnell wieder verlassen wollte. Vieles bleibt unklar nach der Bluttat von Barmbek. Und es bleibt tiefe Verunsicherung. "Es hätte jeden von uns genau so treffen können", sagte der Innensenator.

Alle Entwicklungen finden Sie hier im News-Ticker.

AFP

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