Vor Auto-Gipfel im Kanzleramt

Steigt der Staat in der Autoindustrie ein? Grüne stellen unerwartete Forderung an Merkel

Kanzlerin Angela Merkel (li.) und Grünen-Chefin Annalena Baerbock sprechen im Bundestag miteinander.
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Angela Merkel (li.) und Annalena Baerbock im Bundestag - die Grüne hat eine überraschende Autoforderung an die Kanzlerin.

Corona wirbelt alles durcheinander - steigt der Staat nun in die Autoindustrie ein? Die Grünen haben eine Forderung an Angela Merkel. Auch Markus Söder könnte einen Plan parat haben.

  • Kanzlerin Angela Merkel plant für Dienstag (8. September) einen weiteren Autogipfel.
  • Anlass ist die Corona-Krise, die auch die deutschen Autobauer teils hart trifft.
  • Die Grünen bringen vorab eine überraschende Forderung ein - doch auch Markus Söder und Co. planen wohl einen Vorschlag.

Frankfurt am Main - Der Staat als Autobauer? Ganz so wird es wohl nicht kommen. Doch völlig abwegig scheint das Szenario in der Corona-Krise auch nicht mehr: Grüne und IG Metall fordern vor einem Spitzentreffen zu den Problemen der Autobranche einen Staatsfond, der sich an notleidenden Unternehmen beteiligt.

Auto-Industrie in Corona-Nöten: Baerbock stellt überraschende Forderung an Merkel

Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wir müssen Mittelständlern und Zulieferern Zeit verschaffen.“ Angesichts von mehr als 800.000 Beschäftigten in der Automobilindustrie könne „keine Politikerin sagen: Die sind mir egal, sollen sie doch schauen, wie sie über die Runden kommen“.

Der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann plädierte für einen staatlichen „Mittelstands- und Transformationsfonds“, der sich an Unternehmen in Not beteiligt. „Wenn der Staat einen Teil des Risikos übernimmt, könnte das kleinen und mittleren Unternehmen die Kraft zu Investitionen und Innovationen verschaffen“, sagte Hofmann dem Blatt. Hofmann betonte auch, die deutsche Autoindustrie müsse sich beim Bau von Elektroautos nicht vor dem US-Hersteller Tesla verstecken.

Autogipfel bei Merkel: „Sind Realos" - Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg planen offenbar eigenen Vorschlag

Zuvor hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil für weitere Hilfen ausgesprochen. „Impulse für die Nachfrage“ seien weiterhin „dringend erforderlich“, sagte der SPD-Regierungschef der Rheinischen Post vom Freitag. Es gehe dabei jedoch nicht um eine reine Neuauflage der Forderung von Abwrackprämien für ältere Autos auch beim Kauf moderner Verbrenner-Fahrzeuge. Mit dieser hatten sich Weil, Markus Söder (CSU) aus Bayern und Winfried Kretschmann (Grüne) aus Baden-Württemberg schon zuvor nicht durchsetzen können.

„Wir sind alle drei Realos und wissen, dass wir nicht einfach mit denselben Ideen noch einmal kommen können“, meinte Weil. Man arbeite „an Vorschlägen, die noch überzeugender sind als die bisherigen“. Konkreteres dazu sagte Weil, der die niedersächsische Landesregierung auch im Präsidium des VW-Aufsichtsrats vertritt, noch nicht. Eine VW-Tochter hatte sich bislang allerdings sogar der Corona-Krise entzogen.

Angela Merkel lädt zum Autogipfel: Neue Forderungen auch von Söder, Weil und Kretschmann?

In Branchenkreisen ist zu hören, dass die drei „Autoländer“ mit den Hauptsitzen von Volkswagen, BMW und Daimler etwa ein erweitertes oder zweites Konjunkturpaket in die Diskussion bringen könnten. Insofern handele es sich um eine „Modifikation“ der bisherigen Vorschläge.

An diesem Dienstag treffen sich die Spitzenmanager der Autoindustrie bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem neuerlichen Autogipfel. (dpa/fn)

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