Reiseverband mit klaren Forderungen

RKI-Studie überrascht: Urlaubsreisen sind wohl keine Infektionstreiber

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Das Robert Koch-Institut (RKI) nahm in einer Studie das Infektionsgeschehen im letzten Sommer unter die Lupe. Das Ergebnis überrascht nicht nur Experten.

In Zeiten der Coronavirus-Pandemie* haben viele Menschen das Thema Urlaubsreise an Ostern* bereits abgehakt. Für die zahlreichen Reisebüros in Deutschland ist das eine Katastrophe. „Wir sehen, dass der Wunsch zu reisen vorhanden ist“, sagte Frank Schmitz vom Reisebüro Travelpoint in Heilbronn im letzten Gespräch mit echo24.de* zu der aktuellen Situation. Doch die strengen Auflagen und Quarantänemaßnahmen würden viele Reiselustige abschrecken.

Studie von RKI überrascht: Urlaubsreisen sind wohl keine Pandemietreiber

Hoffnung auf Urlaubsreisen im Sommer macht nun eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI), die Ende Februar veröffentlicht wurde. Auf insgesamt 14 Seiten nahmen die Autoren der Studie das reiseassoziierte Infektionsgeschehen vom letzten Sommer genauer unter die Lupe. Das Ergebnis überrascht nicht nur führende Experten. Offenbar haben Pauschalreisen in beliebte Urlaubsländer wie Spanien oder Frankreich relativ wenig zur Verbreitung des Coronavirus beigetragen.

Es sind in erster Linie Länder wie Kosovo, Kroatien, Türkei, Bosnien-Herzegowina und Rumänien, die das RKI in seiner Studie als Expositionsländer für die Eintragung des Coronavirus nach Deutschland einstuft. Auf Seite 18 der Studie listen die Autoren die Länder der Reihe nach auf. Länder wie Italien oder Spanien stehen ziemlich weit unten. Heißt: Reiserückkehrer aus beliebten Urlaubsländern brachten im Sommer vergleichsweise wenig Coronavirus-Infektionen nach Deutschland.

RKI-Studie zu Urlaubsreisen: Deshalb war Infektionsrisiko offenbar gering

Laut RKI sei anzunehmen, dass es bei der organisierten Reise in beliebte Urlaubsländer zu weniger intensiven Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung und damit zu einem geringen Ansteckungsrisiko im Verhältnis zu den Inzidenzen des Reiselandes komme. Bei Familienbesuchen in Herkunftsländer sei das nicht zu beobachten. Und: „Dazu beigetragen haben vermutlich auch die Übernachtungen in Hotels, die im vergangenen Sommer oftmals Hygieneregeln unterlagen“ heißt es wörtlich.

Die Reisebranche in Deutschland lässt die im Februar veröffentlichte Studie aufhorchen. „Wir sehen uns in unserer Auffassung bestätigt, dass sicheres Reisen mit Hygienemaßnahmen möglich ist“, sagt Torsten Schäfer, Kommunikationsleiter im Deutschen Reiseverband (DRV) im Gespräch mit Jason Blaschke von echo24.de* zu der Studie des Robert Koch-Instituts. In Regionen, wo die Infektionszahlen niedrig seien, sollten Urlaubsreisen ohne strenge Auflagen wie Quarantäne möglich sein, so Schäfer.

Wir fordern mehr Tests, schnelleres Impfen und eine bessere Differenzierung der Risikogebiete.

Torsten Schäfer, Leiter Kommunikation DRV

RKI-Studie lässt Reisebranche aufhorchen: Urlaub im Sommer doch möglich?

„Mehr Corona-Tests, schnelleres Impfen und eine bessere Differenzierung der Risikogebiete ist unsere Forderung an die Politik“, sagt Schäfer. Auch im heftig diskutierten digitalen Impfpass sieht der Experte viel Potenzial. Gerade für die Reiseveranstalter habe die Gesundheit der Menschen immer Vorrang. „Für die rund drei Millionen Beschäftigten im Reisesektor brauche es aber eine Öffnungsperspektive.“ Das sei die Forderung des Verbands an die nächsten Beratungen von Bund und Ländern.

Zur vollständigen RKI-Studie

Das Robert Koch-Institut kann die Schlussfolgerungen zu der Studie nicht teilen. Auf Anfrage von echo24.de*, ob Urlaubsreisen unter Hygienestandards in Corona-Zeiten möglich seien, heißt es: „Wir können der Veröffentlichung (der Studie) nichts hinzufügen und die von Ihnen vermutete Schlussfolgerung nicht teilen.“ In der Debatte um Urlaubsreisen in den kommenden Monaten dürfte die RKI-Studie dennoch von großer Bedeutung sein. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
 

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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