ARD-Talk

Keine Partei für Fleischesser und RTL-Gucker? Gabriel verreißt seine SPD bei „Maischberger“

+
Sigmar Gabriel am Mittwochabend bei Sandra Maischberger im Ersten.

Bei Sandra Maischbergers Polit-Talk wurde am Mittwoch der ganz große Wurf versucht: Zwei Politik-Größen diskutierten über das allumfassende Thema „Wohin steuert Deutschland?“.

Berlin - Zwei längst in die Polit-Rente verabschiedete Minister a.D. zu später Stunde - es war ein eher gewagtes Konzept, das die Redaktion des ZDF-Talks „Sandra Maischberger“ für Mittwochabend vorgesehen hatte. Die Runde mit Sigmar Gabriel (SPD) und Roland Koch (CDU) nahm dann auch erst zu noch späterer Stunde, deutlich nach Mitternacht, so richtig Fahrt auf. Als sich die beiden früheren Spitzenpolitiker um die Zukunft der GroKo zofften.

Zuvor hatte in erster Linie Gabriel kurz aufhorchen lassen - mit einem heftigen Angriff auf Juso-Chef Kevin Kühnert und dessen Vorschläge zur „Kollektivierung“ im Sinne einer sozialeren Republik. Kühnert bringe die SPD in Gefahr, polterte er einmal mehr. Und betonte, er selbst sei in jungen Jahren wesentlich bescheidener aufgetreten. „Ich habe nie in jungen Jahren den Anspruch gehabt, die SPD zu führen“, erklärte Gabriel und fügte hinzu: „Und dafür auch noch ihre Beschädigung in Kauf zu nehmen!“

Bei „Maischberger“: Gabriel macht Kühnert und SPD schwere Vorwürfe

Auch Grundsatzkritik an seiner eigenen Partei übte der frühere Vizekanzler. Der SPD falle es schwer bodenständig zu bleiben. Als Beispiel brachte Gabriel eine fiktive Person in Stellung, die seiner Meinung nach offenbar einem durchschnittlichen Deutschen entspricht. Er habe seine Genossen einmal gefragt: „Was passiert eigentlich, wenn bei euch einer in der Versammlung aufsteht und sagt, ich esse gerne Fleisch, ich rauche, ich fahre super-gern in den All-inclusive-Urlaub nach Mallorca, ich gucke gerne RTL-Soaps, und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich noch an der Werkbank den Playboy hängen?“ 

Gabriels These zu jener Zeit: „Die Wahrheit ist: Der kommt nicht mehr, weil er weiß, dass er kulturell fremdelt.“ Die SPD sei „durchakademisiert“, urteilte der frühere Parteichef der Genossen. Und meinte das sicher nicht als Kompliment.

Kanzler-Debatte bei Maischberger: Gabriel droht - Koch spottet

Den Tonfall ihres Gesprächs verschärften Gabriel und Koch schließlich bei der Kanzler-Frage. Dass die Sozialdemokraten einen Wechsel von Angela Merkel zu Annegret Kramp-Karrenbauer im Kanzleramt nicht akzeptieren wollen, sei ein „starkes Stück für eine Partei, die alle zwei Jahre den Vorsitzenden wechselt!“, ärgerte sich Koch.

Niemand habe etwas dagegen, dass die CDU ihre Parteichefin wechsle, entgegnete Gabriel - die Regierungsbeteiligung der SPD sei allerdings gebunden „an das Vertrauen zu Angela Merkel“. Schnell gingen die beiden Alt-Politiker ans Eingemachte. 

Die Idee eines Kanzler-Tauschs sei eine „ganz nachvollziehbare parteipolitisch-egoistische Position“- dann müsse sich die Union aber neue Mehrheiten suchen, konstatierte Gabriel. Und musste einen Verweis Kochs auf die schwachen Umfragewerte seiner Partei verkraften. „Ich bin nicht sicher, ob Frau Nahles dann vor Begeisterung die bei ihr doch möglichen Tänze aufführen wird!“, sagte er mit Blick auf ein mögliches verheerendes Wahl-Ergebnis der SPD.

Gabriel schob später noch nach, er habe generell keine Angst vor Wahlen. Ob das anderen in seiner Partei derzeit auch so geht, darf dahingestellt bleiben.

Vorschau: „Maischberger“ am Mittwoch mit ungewöhnlichem Sendetermin - und etwas anderer Gästeliste

Sandra Maischberger hat am Mittwoch Sigmar Gabriel und Roland Koch in der ARD zu Gast.

Berlin - Sandra Maischberger hat am Mittwochabend einiges vor: In ihrer ARD-Talk-Show geht es heute ab 23.30 Uhr nicht etwa um ein Thema allein. Die Moderatorin versucht, die sehr breit angelegte Frage „Wohin steuert Deutschland?“ zu beantworten oder zumindest zu erörtern. Dafür hat sie sehr prominente Gäste in ihre Show eingeladen: Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel trifft auf den ehemaligen Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch von der CDU. 

Nicht nur das sehr breit angelegte Thema der heutigen „Maischberger“-Sendung ist ein wenig anders, als dies sonst der Fall ist. Die Gästeliste dürfte auch den Ablauf der Show verändern, denn: Am heutigen Mittwoch hat die Moderatorin nicht wie sonst üblich vier oder fünf Gäste im Studio, sondern ausschließlich die beiden Polit-Hochkaräter Gabriel und Koch. Dies wird dazu führen, dass jeder der beiden deutlich mehr Redezeit bekommen wird, als dies normalerweise in einer „Maischberger“-Sendung der Fall ist. 

„Maischberger“ will es wissen: Thema geht in alle Bereiche

Die kleine Gästeliste liegt aber wohl nicht nur in der Prominenz der Gäste begründet, sondern auch in der Wahl des Themas. Schließlich soll ja die Zukunft Deutschlands auf fast jeglicher Ebene besprochen werden. Eine Auswahl der Unterbereiche, auf die sich Sandra Maischberger mit ihrem Thema laut ARD-Teaser beziehen will: 

  • Angela Merkels Kanzlerschaft neigt sich wohl dem Ende zu.
  • Die große Koalition könnte zerbrechen. 
  • Daneben kämpfe die deutsche Wirtschaft mit großen internationalen Herausforderungen.
  • „Die Gesellschaft erscheint zerstritten, wie lange nicht“. 

Ein ziemlicher Rundumschlag von Politik, Wirtschaft und Gesellschaftswissenschaft, den Sandra Maischberger da heute Abend also vor hat. Mit Roland Koch und Sigmar Gabriel hat sie sicher zwei Gäste gefunden, die zu jedem dieser Bereiche etwas beitragen können. Beide zählen in ihren jeweiligen Parteien zu den profiliertesten Köpfen. Da beide allerdings nicht mehr in der ersten Reihe bei SPD und CDU stehen, könnte sich durchaus ein sehr interessantes, wie konstruktives Gespräch ergeben.

Zuletzt ging es bei Sandra Maischberger um das Thema Diesel. Dabei musste sich ein Gast gegen sehr böse Anschuldigungen wehren. Das war aber definitiv nicht der skurrilste TV-Moment, den die Moderatorin erlebt hat. Von diesem Berichtete Sandra Maischberger bei einer anderen Gelegenheit.

rjs

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare