Mangel auf dem Weltmarkt

Lieferengpässe durch Pandemie: Diese Produkte sind jetzt besonders knapp

  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
    schließen

Immer mehr Branchen haben mit weltweiten Lieferengpässen durch die Corona-Pandemie zu kämpfen. Inzwischen stehen Verbraucher teilweise vor leeren Regalen.

Lieferengpässe gab es auch vor Corona immer mal wieder – dass der Verbraucher die Auswirkungen davon zu spüren bekommt, komplette Regale leer stehen und generell die Herstellung einzelner Produkte sich um Monate verzögert, ist normalerweise eher selten. Doch durch die Corona-Pandemie kommt es in vielen Branchen zu Lieferengpässen, die nachhaltig Wirkung zeigen. Der Grund: Ganze Produktionsstätten standen aufgrund der Pandemie weltweit für mehrere Wochen oder gar Monate still sowie auch die Frachter, welche die Ware über den ganzen Globus verteilen.

Wegen eines Corona-Ausbruchs war zuletzt der viertgrößte Containerhafen der Welt im Juni komplett gesperrt worden. Seit Anfang August steht ebenfalls wegen Corona auch der weltgrößte Containerhafen Ningbo-Zhousan nahe Shanghai in China teilweise still. Dutzende Containerschiffe warten auf Abfertigung, was die weltweiten Lieferketten-Probleme weiter verschärft hat.

Von den Engpässen sind zahlreiche Hersteller und ganze Branchen betroffen. Wie sich in einer Umfrage des ifo-Instituts herausgestellt hat, kommen vier von fünf Herstellern elektronischer Produkte in Deutschland momentan mit der Fertigung nicht hinterher. Verbraucher spüren die Lieferengpässe vor allem bei fehlenden Laptops, Druckern, Internet-Routern, Spielekonsolen und Telefonen, wie die Tagesschau berichtet.

Lieferengpässe durch die Corona-Pandemie: Diese Branchen haben zu kämpfen

In Heilbronn beklagt ein Fahrrad-Händler bereits seit Monaten Engpässe an Fahrrädern, E-Bikes, Zubehör und Ersatzteilen, wie echo24.de* berichtet. „Wir haben Kunden, die Fahrräder bestellt haben und die wir seit einem Jahr immer wieder vertrösten müssen. Es gibt Reparaturen, die wir nicht fertig machen können, da die Ersatzteile fehlen, vor allem von der japanischen Firma Shimano. Wir warten heute noch auf Fahrräder, die wir im letzten Jahr bestellt haben — 20 Prozent der Ware fehlt“, erzählte Ernst Bender, Geschäftsführer der Bike Arena Bender im Juni. Laut des Geschäftsführers haben manche Kunden Verständnis für Lieferverzögerungen, andere überhaupt nicht.

Auch die Luft- und Raumfahrtindustrie im Südwesten bekommt die Folgen der Pandemie zu spüren. Beispielsweise werden Elektronik und Metalle nicht schnell genug nachgeliefert. Bei optischen Sensoren etwa gebe es eine Verzögerung von einem Viertel- bis halben Jahr, sagte der Vorstandsvorsitzende des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg, Rolf-Jürgen Ahlers, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Auf berührungsempfindliche Displays müsse man mehrere Monate statt ein paar Tage warten. Bei Aluminium kaufe die Automobilbranche „alles vom Markt, was sie kriegen kann“. Wobei wir schon bei der nächsten Branche wären, welche die Lieferengpässe hart trifft: Die Automobilbranche.

Lieferengpässe durch die Corona-Pandemie: Fehlende Computer-Chips

Bereits seit Monaten kämpft die Automobilindustrie mit einer globalen Knappheit an Computerchips. Sowohl Audi als auch Daimler mussten deshalb in diesem Jahr immer wieder Kurzarbeit anmelden. Aufgrund des Chipmangels können auch die Hersteller Sony und Microsoft die Nachfrage für Spielekonsolen nicht decken, wie die Tagesschau berichtet.

Die Halbleiter-Krise hat sich zudem auch auf die Haushaltsgeräte-Branche ausgewirkt: Sie fehlen für die Fertigstellung von Waschmaschinen, Trockner. Geschirrspüler, Staubsauger, Kühlschränke und Rasenmäher – hier entstehen für Verbraucher inzwischen teils monatelange Wartezeiten.

Lieferengpässe in der Corona-Pandemie: Auch Großbritannien hat Schwierigkeiten

Mit der Logistik hat vor allem auch Großbritannien momentan zu Kämpfen. Allerdings nicht nur aufgrund von Corona, sondern auch wegen des Brexits. Denn es herrscht ein massiver Mangel an Lastwagenfahrern. „Wir sind in Schwierigkeiten“, sagte Rod MacKenzie, Chef des Logistikverbandes Road Haulage Association, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

In britischen Supermärkten sind große Lücken in den Regalen seit Wochen nicht zu übersehen. Das British Retail Consortium bestätigte „geringfügige Störungen in den Lieferketten“. Auch von einer der größten britischen Supermarktketten, Tesco, hieß es, man erlebe sporadische Störungen aufgrund des branchenweiten Mangels an Fahrern. Das führe dazu, dass es bei einigen bestimmten Produkten Engpässe gebe. Auch Tankstellen oder Fabriken, die ihre Produktion aussetzen müssten, sind betroffen. „Alles, was wir in Großbritannien bekommen, kommt auf der Tragfläche eines Lastwagens zu uns“, so MacKenzie.

Der Mangel an Fahrern hat auch mit dem Brexit zu tun. Etwa 20.000 europäische Fahrer seien seitdem nicht mehr in Großbritannien tätig, weil sie seit dem EU-Austritt das Land verlassen hätten. Für neue Bewerber gibt es große Hürden, da teure und komplizierte Visa-Verfahren notwendig sind. Durch die Pandemie seien zudem Zehntausende Fahrprüfungen ausgefallen, die für Nachwuchs hätten sorgen können. Insgesamt fehlten aktuell rund 100.000 Fahrer, so MacKenzie.

Während der vergangenen Wochen sind die Störungen in vielen Berichten außerdem der sogenannten „Pingdemic“ zugeschrieben worden – also den massenhaften Personalausfällen, nachdem Kontaktpersonen von Corona-Infizierten „gepingt“, also per Corona-App benachrichtigt wurden.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema