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„Klimaterroristen“ ist „Unwort des Jahres 2022“ – darum ist diese Wahl genau richtig

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Von: Daniel Hagmann

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Das passt. Zumindest besser als der fragwürdige Umgang mancher Menschen mit knappen Ressourcen. Der Begriff „Klimaterroristen“ ist das „Unwort des Jahres 2022“.

Was der Ausdruck „Klimaterrorist“ transportiert, widerspiegelt den Zeitgeist gleich in mehrfacher Hinsicht: Zum einen setzt er den zwar nicht angenehmen, aber friedlichen Protest der „Letzten Generation“ mit gezielter, tödlicher Gewalt an Menschen gleich. Das Blockieren von Straßen und Beschmutzen von Kunstwerken muss man nicht gutheißen. Allerdings fällt das Vorgehen von Bombenlegern, Amokläufern und Attentätern entschieden in eine andere Kategorie.

Wer zivilen Ungehorsam mit Ereignissen wie am 11. September 2001 gleichsetzt – wie im Begriff „Klimaterroristen“ geschehen – verortet deren Anliegen in einen demokratiefeindlichen Kontext. Um die eigene, kritische Haltung gegenüber der „Letzten Generation“ in einem besseren Licht darzustellen, indem man deren Vorgehen kriminalisiert. Das Herabwürdigen der Gegenseite, um das Ego aufzuwerten, greift leider bei Weitem nicht nur in den sozialen Medien wie Unkraut um sich.

Wer die Klimaaktivisten als Terroristen bezeichnet, hat den Ernst der Lage nicht erkannt

Wer die Aktivisten als Terroristen diffamiert, hat zudem den Ernst der Weltlage noch immer nicht erkannt: Stillgelegter Verkehr und festgeklebte Menschen im öffentlichen Raum sind als Probleme kaum mehr der Rede wert, wenn aufgrund des Klimawandels das Aussterben von Insekten zum Zunehmen von Hungersnöten führt und wegen steigender Meeresspiegel ganze Nationen im Salzwasser verschwinden.

Bei einer Protestaktion kleben sich Klimaaktivisten der „letzten Generation“ an der Straße fest.
Bei einer Protestaktion kleben sich Klimaaktivisten der „letzten Generation“ an der Straße fest. © picture alliance

Anstatt die Konzentration auf das alle Lebewesen der Erde betreffende Thema Klimawandel zu lenken, vernichtet man die wertvolle Ressource Aufmerksamkeit ebenso wie das Anliegen derer, die bereits begriffen haben, dass es eher fünf nach als fünf vor zwölf ist.

In Baden-Württemberg fanden bereits Razzien gegen Klima-Aktivisten der „letzten Generation“ statt, wie echo24.de berichtete.

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