Änderung der Impfstrategie?

Ärzteverband fordert neue Impfstrategie: AstraZeneca-Impfstoff Älteren spritzen

  • Violetta Sadri
    vonVioletta Sadri
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Zuvor wurde der Impfstoff von AstraZeneca nur an jüngere Menschen gespritzt. Jetzt fordert der Ärzteverband das Mittel eher Älteren zu spritzen.

Für den AstraZeneca-Impfstoff hagelte es in letzter Zeit ziemlich viel Kritik. Impfungen mit dem umstrittenen Vakzin wurden in mehreren Ländern weltweit gestoppt, da es in manchen Fällen zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Tod kam. Eine Krankenschwester aus Österreich verstarb nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Präparat, eine andere erlitt eine Lungenembolie nach der Impfung. Daraufhin wurden rund 6.000 Dosen einer Charge zurückgerufen. Nach mehreren Meldungen über Thrombosen in den Hirnvenen hatte auch Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca eingestellt. Das löste eine Welle der Verunsicherung aus. Ist der Impfstoff etwa nicht sicher? Die Firma AstraZeneca wies nach einer Analyse von Daten alle Zweifel zurück.

Ärzteverband fordert AstraZeneca für Ältere: Jüngere sollen Biontech erhalten

Acht Länder hatten die Impfungen mit dem Präparat eingestellt, wie echo24.de berichtete*. Bisher konnte jedoch nicht zu 100 Prozent geklärt werden, ob die Nebenwirkungen dabei wirklich im Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoff aufgetreten waren. Mittlerweile hat sich auch die europäische Arzneimittelbehörde einen Entschluss über die Zulassung des Impfstoffs gefasst und die Sicherheit des Vakzins bekräftigt. Es soll ab dem 19. März mit den AstraZeneca-Impfungen wieder weitergehen*.

UnternehmenAstraZeneca
Bezeichnung des ImpfstoffsCOVID-19 Vaccine AstraZeneca
Art des ImpfstoffsVektorimpfstoff

Bisher hatten nur Menschen unter 65 Jahren das Vakzin gespritzt bekommen, da noch zu wenig Studiendaten zur Wirksamkeit für die Altersgruppen über 65 vorliegen. Jetzt fordert der Chef des Virchowbunds, Dirk Heinrich, aber eine Umstrukturierung der Impfstrategie mit dem AstraZeneca-Impfstoff: Mehr ältere Menschen sollen das Vakzin gespritzt bekommen, mehr Jüngere dafür das Biontech-Präparat. Der Mediziner begründet seinen Vorschlag mit neuen Studienergebnissen aus Israel, berichtet ntv.de. Denn: Gerade das Vakzin von Biontech verhindert, laut einer israelischen Studie, eine Übertragung des Virus. Deshalb sollte der Impfstoff an die Menschen gespritzt werden, die eher dazu neigen, das Virus zu übertragen, wie zum Beispiel Mitarbeiter in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen.

AstraZeneca jetzt eher für Ältere? Ärzteverband begründet auf israelischen Studienergebnissen

„Wir wissen aus Großbritannien, dass Astrazeneca zu 100 Prozent die Hospitalisierungen und den Tod verhindern kann. Auch bei älteren Menschen“, sagte Heinrich. Die rationalste Lösung wäre also zu sagen: „Astrazeneca ist der Impfstoff, der für die ältere Bevölkerung der geeignetste ist“. Außerdem sind die meisten Komplikationen mit Sinusvenenthrombosen im Gehirn bei jüngeren Frauen aufgetreten. „Wir sehen bei älteren Menschen auch weniger allergische Impf-Reaktionen“, sagt Heinrich.

Der Virchowbund ist ein Verband der niedergelassenen Haus- und Fachärzte in Deutschland. Nach eigenen Angaben vertritt er die Interessen von 144.000 Ärzten.

Immerhin hatte die Ständige Impfkommission (STIKO) schon Anfang März bekannt gegeben, dass das AstraZeneca-Vakzin* auch an über 65-Jährige gespritzt werden könne. Diese Maßnahme machte große Hoffnung auf das Ende des Impfstaus. Denn: Während die einen auf ihren Impftermin warten, haben Berechtige ihren Impftermin ausgeschlagen, was dazu führte das haufenweise AstraZeneca-Dosen in den Kühlschränken herumstanden. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa/dpa-Bildfunk

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