Impfen wir zu langsam?

Corona-Impfstoff knapp – neue Zulassung nur für bestimme Menschen?

  • Anna-Maureen Bremer
    vonAnna-Maureen Bremer
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Viele warten auf ihren Impftermin, die Impfzentren in Baden-Württemberg sind an den Start gegangen und jetzt? Engpässe bei den Impfstoffen!

Mit den fortschreitenden Impfungen gegen das Coronavirus wächst in Deutschland bei vielen die Hoffnung, bald wieder ein normales Leben führen zu können. Die Infektionszahlen in Baden-Württemberg sind bislang allerdings noch immer deutlich zu hoch. Und das Land schneidet im bundesweiten Vergleich bei der Impf-Geschwindigkeit nicht gut ab. Das könnte sich bald relativieren. Denn: Der Impfstoff wird überall knapp. Die Stuttgarter Nachrichten gehen davon aus, dass es bald einen gravierenden Einbruch in der Versorgung geben wird.

Impfung gegen das Coronavirus: Wird der Impfstoff jetzt überall knapp?

Impfstoff-Hersteller Biontech/Pfizer kann vorübergehend weniger Präparate liefern als bisher. Das wäre weiter nicht so tragisch, ging man ja davon aus, dass Hersteller AstraZeneca diesen Zeitraum gut überbrücken würde. Nun kündigt aber auch AstraZeneca Lieferschwierigkeiten an. Die Stuttgarter Nachrichten verweisen auf ihnen vorliegende Unterlagen, aus denen deutlich hervorgehen soll, dass die gelieferten Impfstoff-Mengen noch diese Woche deutlich einbrechen werden.

Demnach halbiert sich die Menge der zur Verfügung stehenden Impfdosen beinahe. „Wurden in der dritten Kalenderwoche bundesweit rund 842.000 Impfdosen von Biontech/Pfizer ausgeliefert, werden in der vierten Kalenderwoche nur noch 486.000 Dosen erwartet“, heißt es im Bericht. Waren es in Baden-Württemberg zuletzt 111.000 Dosen, so werden diese Woche nur noch rund 64.000 erwartet. Besserung scheint aber absehbar – die Liefermengen, die für Februar zugesagt wurden, sollen wohl eingehalten werden.

Der US-Hersteller Moderna kann bei den Engpässen wenig ausrichten, denn auch Moderna produziert nur wenig Impfstoff. Der Bund setzt daher weiter auf AstraZeneca. Deren Impfstoff wird wohl noch in dieser Woche zugelassen. Bis zu 400 Millionen Dosen hatte sich die EU davon gesichert. Für das erste Quartal waren für die EU 80 Millionen Impfdosen angedacht. Wegen der Produktionsschwierigkeiten werden es wohl nur 31 Millionen sein.

Gibt es Corona-Impfungen bald beim Hausarzt?

Einen Vorteil gibt es allerdings – und dieser könnte das Impfverfahren deutlich vereinfachen: Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, sagte gegenüber den Stuttgarter Nachrichten zum AstraZeneca-Impfstoff: „Die Anwendung ist einfacher, er braucht keine anspruchsvollen Kühlketten und könnte auch gut in einer Hausarztpraxis gelagert werden.“

Der Corona-Impfstoff soll in den nächsten Tagen knapp werden.

Sobald der nächste Impfstoff zugelassen ist, erwarten Experten, dass sich die Konkurrenzsituation am Markt verändert. Das könnte positiv sein, denn dann sei es denkbar, dass auch Biontech wieder nachlegt. CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich: „Es tut der Versorgung gut, wenn wir bald nicht mehr von einem Lieferanten abhängig sind“. Wer sich fragt, wann er überhaupt Anspruch auf einen Impftermin hat, kann dafür den Impftermin-Rechner nutzen.

Bei der Zulassung des neuen Impfstoffs könnte es allerdings Einschränkungen geben. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung NRW, Frank Bergmann, erwartet, dass der Impfstoff „wegen der entsprechenden Studien wohl nur für Menschen bis 65 Jahre“ zugelassen wird. Am Freitag wird die Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erwartet. Die EU-Kommission wird ihn dann vermutlich innerhalb weniger Stunden zulassen.

Engpässe beim Corona-Impfstoff: Kommt bald eine neue Impfstrategie für Deutschland?

Sollte es zu den Einschränkungen kommen, kann das dazu führen, dass in Deutschland eine neue Impfstrategie gefahren wird. „Dann könnten beispielsweise Beschäftigte im Gesundheitswesen eher drankommen, während die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna vorrangig an ältere Mitbürger verimpft werden“, sagte der EU-Abgeordnete und Arzt Peter Liese gegenüber den StN. Während die anderen Impfstoffe einen rund 90-prozentigen Schutz bieten, hat das Präparat von AstraZeneca im Mittel nur einen 70-prozentigen Schutz vorgewiesen.

Peter Liese betonte allerdings, dass auch der AstraZeneca-Impfstoff erstklassig sei: „AstraZeneca ist wie ein erstklassiger Fußballverein, der es bis ins Halbfinale der Champions League schafft.“ Um einen vollen Schutz zu bieten, muss der Corona-Impfstoff – egal von welchem Hersteller – ein zweites Mal verabreicht werden. Das Bundesgesundheitsministerium gibt an, dass in Deutschland bereits über 1,5 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden konnten. Über 100.000 haben bereits eine zweite Impfung erhalten. Dennoch ist die Corona-Impfung nicht für alle Menschen empfehlenswert, Norwegen spricht für bestimmte Personen sogar eine Warnung aus.

Rubriklistenbild: © Russell Cheyne/PA Wire/dpa

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